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Freitag, 25. Januar 2013

#Aufschrei

Ein Aufschrei geht gerade durch die Twitterwelt: mehrere Tweets pro Sekunde lassen sich kaum mehr verfolgen. Sie alle verbindet der Hashtag #Aufschrei und der Verweis auf erfahrene sexuelle Übergriffe: im Alltag, bei der Arbeit, auf der Straße, durch Chefs, Kollegen, Bekannte. Allein die Masse ist schier erschlagend, überwältigend, erschreckend!

(UPDATE: zu den Hintergründen, wie sich dieses Thema entwickelt hat, siehe hier.)

Trotzdem: Endlich! Endlich wird über diese "Kleinigkeiten" gesprochen, die keine sind. Endlich machen sich Tausende Luft, weil es um Gewalt geht, auch wenn sie strafrechtlich in der Regel nicht verfolgt wird.


Schon im Zusammenhang mit dem Thema der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche erhoben sich einzelne leise Stimmen, die zu verstehen gaben, dass ja auch Frauen unter Übergriffigkeit und sexualisierter Gewalt leiden - auch in Raum der Kirchen. Sie haben lange Zeit kein Gegenüber gefunden für ihre Anklagen. Niemand war und ist zuständig. Nun werden diese Übergriffe zumindest schon mal zur Sprache gebracht, heraus geschrien, unzählige, lawinenartig. Kirchliche werden nicht besonders erwähnt, weil es um ein gesamtgesellschaftliches Problem geht.

Jeder einzelne Vorfall mag für Unbeteiligte, Außenstehende, wenig Sensible nur wie eine Schneeflocke gewichtet werden. Sie haben sich mächtig aufgetürmt. Nun hat sich ein Schneebrett gelöst, und ich hoffe, mit nachhaltiger Wirkung! Sprüche, Blicke, Berührungen, die auf ein Nein treffen und nicht unterlassen werden, gehen gar nicht! Oder wie es in einem Tweet hieß: Ein Frau, die "Nein" sagt, meint "Nein". Und nicht "Ja" oder "vielleicht"!

Natürlich sind auch die Abwiegler unterwegs, die Beschwichtiger, die schlaue-Sprüche-Klopfer. Sie sind zwar lästig wie ein banaler Schnupfen und ebenso unvermeidbar, aber auch von keiner größeren Bedeutung als dieser. Ins Taschentuch geschneuzt, lassen sich ihre Absonderungen leicht entsorgen.

Inzwischen haben sich mehrere Bloggerinnen zum Thema geäußert. Hier drei Beispiele:
UPDATE: Inzwischen gibt es unzählige Blogbeiträge. Das ist ein wenig unübersichtlich, aber erfahrungsgemäß lichtet sich das Dickicht in den nächsten Tagen. Ich werde mich ansprechende Texte in einem gesonderten Post zunächst einmal kommentarlos sammeln und immer zwischendurch mal ergänzen.

Und niemand erdreiste sich jetzt zu behaupten, der kirchliche Raum sei frei von solchen Übergriffen! Gemeindefeste mit unangenehm engen Tänzen und "nun hab dich mal nicht so!", anzügliche Witze, über die nur die (geistlichen) Herren lachen können, widerliche, eindeutige Blicke, "zufällige" Berührungen, ... Nie erlebt? Einfach mal die Brille absetzen!


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Kommentare:

  1. Was mich an der ganzen Sache immer noch ärgert, ist eben der Zeitpunkt der Veröffentlichung. Es geht dem deutschen Journalismus hart ein, dass es die FDP wagte, nicht an der 5%-Hürde zu scheitern.
    Darauf wurde auf Zeit Online mit täglichen Artikelchen reagiert: zum einen wurden die Wähler verhöhnt, die bestimmungsgemäßen Gebrauch von Erst-und Zweitstimme machten, dann scheiterte ein Spitzenjournalist an der Recherche: er war nicht in der Lage sich das Parteiprgramm der nieders. FDP zu ergoogeln und musste sie für inhaltsleer erklären, dann hieß es diese Partei sei parasitär etc. Man kann diesen Zusammenhang nicht übersehen, wenn ein Jahr nach ihrem Erlebnis, im "Herrenmagazin" Stern eine Journalistin uns über das altbackene Frauenbild des fast Siebzigers Brüderle aufklärt. Am besten war dann die nachgeschobene Begründung: es sei halt erst jetzt relevant geworden. Wie bitte? Sexismus ist erst relevant, wenn der schmierige Herr zum Spitzenkandidaten einer missliebigen Partei aufrückt?
    Die Lektüre der Kommentare meiner Geschlechtsgenossen unter dem betreffenden Artikel auf ZO zeigte allerdings sehr schnell, dass ungeachtet der missbräuchlichen Verwendung dieses Themas zur fadenscheinigen Wählermanipulation, offensichtlich nicht genug Artikel zu diesem Thema erscheinen können. Ein Riesenaufschrei a la "Man wird doch mal kucken dürfen", "Man wird doch mal was sagen dürfen"- als dürfte man all das nicht. Man muss nur bemerken, ob die Situation angemessen ist, oder ob die Blicke willkommen sind. All diese Deppen sind's doch, die letztlich Spielverderber sind, nicht die Frauen, die nicht auf ihre Oberweite reduziert werden möchten. Solange Frauen befürchten müssen, dass der Kerl das mit der Unverbindlichkeit eines spielerischen Alltagsflirts nicht kapiert, müssen sie eben vorsichtig sein. Von daher finde ich es tatsächlich gut, dass die Frauen sich jetzt dieses Themas bemächtigen, und mein Groll über den Kampagnenjournalismus tritt in den Hintergrund.

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    1. Wenn ein Thema dran ist, bricht es sich Bahn. Das, was sich jetzt bei Twitter abspielt, ist ja nicht medial inszeniert. Maike, mit ihrem Blogpost "Normal ist das nicht" (siehe oben im Post),@marthadear und @vonhorst haben vermutlich nicht geahnt, welches Echo sie auslösen würden, als sie vergangene Nacht mit dem Thema anfingen! Da hat sich etwas verselbstständigt.

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    2. Ja, ich habe mich durch die Twitterposts gewühlt. Der Aufhänger ist, denke ich, jetzt belanglos. Es ist für mich als Mann einfach sehr... mir fehlt jetzt ein zutreffendes Wort- ich kann halt nicht verstehen, wie man sich so aufführen kann, wie es die Twitternden beschreiben. Abblitzen ist doch männlicher Alltag: "Entschuldigung für die Störung, schönen Abend noch!" Wo ist das Problem? In diesem Zusammenhang fällt mir die in Köln abgewiesene Vergewaltigte ein- als Frau muss man offensichtlich sogar aufpassen, von wem man nen Drink annimmt. Es ist für manchen anscheinend schwer zu ertragen, dass hier die Frauen die Macht haben zu wählen und sich nicht scheuen, die auch einzusetzen (Da hab ich auch schon frustrierende Situationen vom Missbrauch dieser Macht erlebt, aber das rechtfertigt nichts). Warum auch nicht. Um mal auf's Christliche zu kommen- der sexistische Blick ist uns streng verboten. Wenn dein Auge dich ärgert...Neulich gab es diese Situation, da kam mir mitten in der Nacht ein Mädel entgegen, die blieb plötzlich stehen, als sie merkte, da kommt mir ein eins-neunzig Typ entgegen, und sah sich um- ist hier noch jemand? Ich hab die Straßenseite gewechselt, wer weiß was sie schon erlebt hat.
      Übrigens habe ich Brüderle schon nach einer Wahlkampfveranstaltung beim Tanzen gesehen. Ich habe keinen Zweifel, dass es sich so abgespielt hat, wie geschildert. Sicher gibt es einiges zu diskutieren, was das Verhältnis von Journalisten zur Macht, und auch von Journalistinnen zu mächtigen Männern angeht (Fischer, Schröder, Müntefering etc.). Aber das muss jetzt wohl zurücktreten. Wie gesagt, es ist gut und notwendig, dass losgelöst vom Aufhänger das jetzt diskutiert wird. Alles wäre eben auch für Männer viel einfacher und ungezwungener, wenn mancher von uns es endlich kapierte.

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    3. Oh bitte, tschuldigung für den Wortschwall. Es beschäftigt mich...

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  2. Manches wiederholt sich, als stünde ein "Fluch" dahinter...

    Frauen haben delikaterweise auch zu kämpfen mit Eifersüchteleien aus dem Hinterhalt von Seiten der Ehefrauen oder tatsächliche oder möchtegern Geliebten Nr. ... ... ... der Vorgesetzten oder Kollegen und das kann mitunter sehr aufdringlich bis zu penetrantem Warnen gehen, wie von einer praktizierenden Reikimeisterin erfahren, besser gesagt hinzunehmen bzw. zur Kenntnis zu nehmen war, was auch prompt zu "undefinierbaren Gesundheitsstörungen bei dem Victim" führte.

    Tipp: Beruflich und privat trennen ... so isses!!! Omnia ad maiorem Dei gloriam.

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    1. Dem Thema ist mit einer Trennung von Beruflichem und Privatem nicht annähernd adäquat zu begegnen. Sexismus spielt sich ja auf allen Ebenen und in allen Lebensbereichen ab. Und ja: es gibt auch Frauen, die Frauen in den Rücken fallen!

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  3. Ich hab auch ein paar mal aufgeschrieen - und da ich Pfarrerin bin, ist da einiges aus dem kirchlichen / religiösen Kontext - passt vielleicht hierher:
    http://frauauge.blogspot.de/2013/01/aufschrei.html

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    1. Super! Ich packe den Link oben zu den anderen. Danke. (Und deinem Blog wird ab sofort gefolgt...)

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  4. Oh, da freu ich mich aber :-) Dito!

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  5. Danke für den Artikel, der mich vor allem mit den abschließenden Sätzen motiviert hat, selbst mal wieder ausführlicher zu bloggen.

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