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Donnerstag, 28. Februar 2013

Ein Brief, den ich mir in ähnlicher Form vom zukünftigen Papst wünschte

Ein richtiges Kleinod habe ich bei Nachbarblogger Walter Ludin entdeckt! Doch der Reihe nach:

Die "Pfarrei-Initiative", bestehend aus engagierten Seelsorgern und Seelsorgerinnen aus der Schweiz, hatte im September einen "Initiativtext" veröffentlicht. Darin benennen die Initiator_innen in 10 Punkten, wo sich gelebte kirchliche Praxis bereits heute in Orientierung am Beispiel Jesu über kirchliche Regeln hinwegsetzt, was gemeinhin mit "Ungehorsam" bezeichnet wird. Dazu gehört z.B. das Teilen der Eucharistie mit Christ_innen aus anderen Konfessionen oder wiederverheirateten Geschiedenen,
die Laienpredigt in Eucharistiefeiern oder der Einsatz für Seelsorge in überschaubaren Räume, also gegen die gegenwärtig eingerichteten XXL-Pfarreien.

Der "Initiativtext" hatte einiges an Wirbel ausgelöst, was zu erwarten war. Der Bischof von Chur, Dr. Vitus Huonder, hatte sich auch mit der Pfarrei-Initiative auseinandergesetzt und vergangene Woche ein Schreiben an die Unterzeichnenden aus seinem Bistum gesandt, in dem er ihnen die Entziehung der "Missio canonica", der kirchlichen Lehrerlaubnis, androht. In seinem Brief schrieb Bischof Huonder:
"Wer nach dieser Initiative vorgeht, spricht sich stillschwigend gegen die Sendung durch die katholische Kirche aus. Er will nicht mehr im Sinne der kirchlichen Sendung handeln, sondern nach eigenen Kriterien - meistens wird das Evangelium vorgeschoben - und nach eigenem Dafürhalten. Um ehrlich zu sein, müsste man in einem solchen Fall dem Bischof eine erhaltene Missio zurückgeben mit der Bemerkung, man wolle oder könne nicht mehr in seinem Auftrag und nach den Vorgaben der katholischen Kirche handeln." (für den ganzen Brief, Absatz anklicken!)
Ich finde den Brief in weiten Teilen sehr zynisch, also durchsetzt mit nicht direkt ausgesprochener Aggressivität.

Nun zu dem kleinen Schätzchen bei Walter Ludin. Nachdem dieser in seinem Blog auf Huonders Brief verwiesen hatte, machte sich einer seiner Kommentatoren, Roland Hinnen, die Mühe, einen fiktiven Bischofsbrief zu schreiben, wie er ihn sich statt dessen an die Adresse der Pfarrei-Initiative gewünscht hätte. Die bischöfliche Rolle verlässt er dabei nicht, macht aber die damit verbundenen Spannungen deutlich, nimmt sie und die Problemanzeigen der Pfarrei-Initiative sehr ernst. Er schreibt:
Mit der Unterzeichnung der Pfarrei-Initiative habt Ihr Euch dazu bekannt, dass Ihr Euch in Euer Seelsorge verschiedentlich verpflichtet seht, anders zu handeln, als es amtliche Gesetze vorschreiben. Ich danke für Eure redliche Offenlegung der pastoralen Realität und dafür, wie Ihr dabei nach dem ursprünglichen Anliegen fragt und sinngemäss handelt. (...)

Mich beeindruckt, wie aufmerksam Ihr die Not der Euch Anvertrauten wahrnehmt, wie Ihr Euch in die Situation der Betroffenen einfühlt und sie Euch zu Herzen gehen lässt. (...)

Gerne würde ich Euer Tun ausdrücklich gutheissen, weil es ja im Sinn Jesu ist. Aber Ihr wisst so gut wie ich, wie stark ich eingebunden bin in die Fesseln der Macht und mir die Kompetenz genommen ist, in dem mir anvertrauen Bistum sogar notwendige Massnahmen gegen die pastorale Not zu ergreifen.
So darf ich zwar Euer Vorgehen amtlich nicht gutheissen, wohl aber mich als Bischof vor Euch hinstellen und für Euch den Rücken hinhalten, solltet Ihr angegriffen werden. Mit Euch bin ich Christ, für Euch und die Euch Anvertrauten bin ich Bischof. Ich freue mich für Eure Gesinnung und fühle mich Euch in der Liebe des Guten Hirten verbunden. Ich danke Euch im Namen aller, für die Ihr Euch einsetzt und Euch exponiert. (Ausschnitte aus 1. Kommentar hier)
Der Brief ist eine Fiktion, ja. Aber sie wird dem Anliegen der Pfarrei-Initiative und allen anderen Gruppen, die sich leidenschaftlich für eine sich dem Evangelium verpflichtet wissende Pastoral einsetzen, eher gerecht als alle Drohgebärden und aggressiven Abwehrreaktionen, für die Bischof Huonders Brief nur ein Beispiel ist.

Was für einen neuen Bischof von Rom, einen neuen Papst, ich mir wünsche, ist kirchlicherseits völlig irrelevant. Noch nicht mal an der Bestellung der Wahlmänner habe ich direkt oder indirekt Anteil. Ich wünschte mir aber von Herzen, dass er in seinem Handeln und Entscheiden eine solche pastorale Klugheit an den Tag legte, wie sie aus dem fiktiven Bischofsbrief von Roland Hinnen spricht!

Und übrigens: auf einen sehr klugen Brief an den neuen Papst verweist Walter Ludin auch!

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Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    ich beobachte schon länger Ihren Blog und finde vieles Schöne dort, aber eben auch vieles was mich irritiert. Und nun habe ich doch eine Frage zu dem Brief des Churer Bischofs. Ich habe ihn ganz gelesen und finde nichts Aggressives in seinen Aussagen. Es ist zugegebenermaßen vielleicht nicht die erhoffte Antwort, aber er wird nicht verletzend oder sonst wie "zynisch", sondern verweist doch letztendlich auf die "Geschäftsordnung", um es mal so zu sagen. Schon einmal hat ein anderer Kommentator darauf hingewiesen, was es in der Privatwirtschaft bedeutet, wenn man den eigenen Arbeitgeber öffentlich kritisiert. Ich frage mich, was genau eine solche Initiative erwartet. Ganz sicher ist doch, dass ein solcher Brief der Belegschaft Grund genug für eine fristlose Kündigung wäre. All das steht hier nicht zur Debatte. Lediglich die Frage wirft der Bischof auf, warum man dann die Missio nicht zurückgibt, wenn man sich nicht in der Lage sieht, den Arbeitsvertrag einzuhalten. Diese Antwort bleiben Sie letztendlich auch schuldig, wenn Sie Kommentare auf die Spielwiese stellen, die nach der Loyalität zur Kirche fragen. Bei allen pastoralen Problemen, die es zu klären gilt. Ich würde mich freuen, wenn mein Kommentar beantwortet würde und nicht "Troll-like" aussortiert würde.

    Beste Grüße

    A.

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    1. Ich bitte mit einer Antwort um etwas Geduld, bis ich am Wochenende mit dem Weltgebetstag durch bin.

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  2. Guten Tag,
    ich kann in dem Brief des Bischofs weder zynische noch aggressive Ansätze erkennen...
    In vielen von dir verfassten Posts sind genau diese Merkmale allerdings häufig zu finden. Seltsam.

    Gruß M.R.

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    1. Da sind wir wohl ziemlich verschieden! ;-)

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  3. Ich muss zugeben, wenn ich den fiktiven Brief lese, ist mir das Original wesentlich sympathischer. Nicht nur, weil er eher meine Meinung wiedergibt (das sicherlich auch). Sondern weil der fiktive Brief einfach eines Bischofs unwürdig grausam kriecherisch ist. Nicht demütig, das wäre ja lobenswert. Denn hier gibt ein Bischof nicht nur an, dass er praktisch vollkommen hilflos ist, sondern bittet praktisch alle um offenen Ungehorsam. Da wäre es ehrlicher, zurückzutreten, weil er als Bischof seinen Job nicht mehr machen kann.

    Ich finde die Originalfrage, warum denn die Mitglieder der Initiative ihre Missio nicht zurück geben durchaus sinnvoll. Denn es steht jedem frei, für seine anliegen auf das Evangelium zu rekurieren. Und ich wünsche mir, das sich solche Menschen engagieren. Zwar finde ich die Pfarrei-Initiativ-Thesen auch biblisch kaum haltbar, aber das ist nur meine Meinung und wenns mir jemand erklärt, versteh ich es vllt. besser. Aber wenn ich als Mitarbeiter der Kirche nicht bereit bin, der Lehre der Kirche zu folgen, dann kann ich auch nicht in ihrem Namen auftreten. Wobei man natürlich unterscheiden muss zwischen dogmatischen und disziplinären Aussagen. Aber da kann man sich ja ein andermal drüber unterhalten.

    Nebenbei finde ich es persönlich unanständig, einem Protestanten den Leib Christi zu reichen. Er glaubt da was anderes und diesen Glauben habe ich zu respektieren. Ich habe noch keinen Protestanten getroffen, der katholisch kommunizieren wollte, wenn man es ihm mal genau erklärt hat.

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