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Freitag, 8. März 2013

Arbeit bei "Firma" Kirche

Kommentator_innen meines Blogs, die meine Ansichten nicht teilen oder sich über sie ärgern, behaupten gerne immer mal wieder, andere Arbeitgeber_innen als die Kirche würden eine, die sich so wie ich kritisch mit ihrer Firmenphilosophie auseinandersetzt, sofort kündigen. Ist das so?

(Wer keine Lust hat, den ganzen Artikel zu lesen, kann runter bis zu einer kurzen Zusammenfassung scrollen.)

Wenn es tatsächlich so wäre, dass in der Wirtschaft nur abnickende
menschliche Arbeitsmaschinen gefragt wären, frage ich mich schon, wie sich dann Innovation und Fortschritt ereignen. Wie kann es dann beispielsweise sein, dass Schule heute völlig anders aussieht als vor 40 Jahren, wenn nicht Kinder, Eltern, Lehrer_innen und Wissenschaftler_innen immer wieder Lehren und Lernen kritisch hinterfragt hätten?

Wie viele Verkehrstote gäbe es heute mehr, wenn Ingenieure und Ingenieurinnen nicht mit dem Status quo vorhandener Technik unzufrieden gewesen wären, engagierte Menschen Sicherheitslücken in Material und Gesetzgebung kritisiert und nach neuen Lösungen gesucht hätten?

Wo wären wir auf dem Gesundheitssektor, hätten nicht Mediziner_innen ihre Kolleg_innen wegen ihrer mangelhaften Hygiene kritisiert, wofür sie zunächst Spott und Hohn ernteten, und für die Durchsetzung neuer Erkenntnisse gekämpft?

In was für einer Welt würden wir leben, hätten nicht immer wieder mutige Menschen es gewagt, sich gegen ungerechte staatliche, religiöse und soziale Strukturen aufzulehnen? Unter was für unwürdigen Bedingungen müssten viele von uns Frauen bis heute noch leben, wären von unseren Müttern nicht unzählige auf die Straße gegangen, obwohl sie dafür verachtet wurden?

Wo wären wir mit dem Schutz der Umwelt, der Müllvermeidung, dem Atomausstieg,… ohne die für ihre Ansichten zunächst verlachten Umweltschützer_innen und Grünen? Und, und, und...

Ohne das Äußern von Unzufriedenheit, das Kritisieren von Fehlentwicklungen und das Entwickeln von neuen Vorstellungen und Ideen würden wir heute wohl noch Samen und Früchte sammeln und mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen. Konsequenzen aus eigener Unzufriedenheit ziehen und sich Mitstreiter_innen zu suchen waren und sind wichtige Motoren zum Überleben.

Das ist auch innerhalb der katholischen Kirche und allen anderen Konfessionen nicht anders: Entscheidungen werden getroffen und bei besserem Wissen wieder verworfen. Die Welt ändert sich. Will die katholische Kirche relevant bleiben, muss sie in einen Austausch mit den sich wandelnden Verhältnissen treten. Kirche hat sich in den vergangenen 2000 Jahren immer wieder verändert, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Nur Lebendiges verändert sich, Totes zerfällt. Nicht die Asche gilt es zu bewahren, sondern die darunterliegende Glut zu entdecken und ihr neue Nahrung zuzuführen, wie ein aktuelles Bild die Situation beschreibt.

Schon die alten Propheten sahen mit kritischem Blick auf die religiösen Praktiken ihrer Zeit und die sie propagierenden Amtsträger und kamen dafür in große Bedrängnis. Eine Erfahrung, die auch Jesus zu Lebzeiten machte. System- und Selbstkritisches hat eine alte Tradition im jüdisch-christlichen Denken. Warum sollte sie heute auf einmal unerlaubt sein, gerade bei Menschen, die durch ihre intensive Mitarbeit mitbekommen, was vor und hinter den Kulissen läuft?

Selbst auf oberster kirchlicher Ebene, bei den Kardinälen, braucht es Diskussionen und manchmal auch heftige Auseinandersetzungen darüber, wie es mit der Kirche weiter gehen soll. Wäre man sich dort sofort einig, wäre eine Papstwahl eine Sache von einer Dreiviertelstunde und alle wären mit dem anschließenden Ergebnis glücklich und zufrieden! Eine vorgebliche Einigkeit gibt es nicht in der katholischen Kirche und hat es auch nie gegeben, Streit ist unter Menschen unvermeidbar. (siehe bereits Apostelgeschichte!)

Hinzu kommt: Anders als Angestellte in einem Wirtschaftsunternehmen gehörte ich ja bereits vor meiner Anstellung schon zum „Unternehmen“. Qua Taufe und Firmung bin ich zu einer ihrer Mitarbeiter_innen und „Anteilseigner_innen“ geworden. Selbst, wenn ich kündigte und meinen Lebensunterhalt mit einem anderen Beruf verdiente, würde meine „Betriebszugehörigkeit“ nicht enden, nur würde meine Arbeit dann nicht mehr durch den „Betrieb“ finanziert werden. Ob mit oder ohne Entlohnung: Miteigentümer_innen müssen mitreden und mit entscheiden!

Voraussetzung für meinen Beruf ist neben Taufe und Firmung ein theologisches Studium (menschliche und geistliche Reife, Entwicklung und außeruniversitäre Schulung setze ich voraus und gehe hier nicht weiter darauf ein). Das habe nicht ich so entschieden, sondern mein Anstellungsträger, das Bistum, als Teil der deutschen Bischofskonferenz. Beim Theologiestudium geht es um wissenschaftliches Arbeiten, um das Kennenlernen und reflektierte Studieren von Quellen, Texten und Traditionen, deren Bewertung und kritische Würdigung. Es geht dabei nicht um pures Einpauken von Fakten, sondern um das Einüben selbstständigen Denkens unter wissenschaftlichen Standards.

Es geht um Menschen, Inhalte und Strukturen und wie sie bestmöglichst der Sauerteigfunktion der Kirche dienen können. Wie das am besten gelingt, darüber gibt es keine einheitliche Sichtweise, sondern unterschiedliche, teilweise einander widersprechende Positionen. Die Fähigkeit zu einer eigenen, begründeten Positionierung sollte Bestandteil und Ergebnis einer jeden wissenschaftlichen Ausbildung sein. (Ob das unter den gegenwärtig massiv verschulten Strukturen noch besonders gut gelingt, zweifle ich allerdings an!)

In Folge meiner weiteren Aus- und Weiterbildung ging es neben dem Erwerb und der Reflexion praktischer Fertigkeiten immer auch um das Einüben lösungsorientierten Umgangs mit Konflikten, denn Auseinandersetzungen und Streiten gehören zum menschlichen Zusammenleben einfach dazu, selbstverständlich auch in der Kirche. Kritisches Denken und Nachfragen und die Fähigkeit, Konflikte zu benennen und mit ihnen umzugehen, sind also von meinem Arbeitgeber her von mir ausdrücklich erwünscht.

Aber darf eine kirchliche Mitarbeiterin über Glaubensdinge streiten und lehramtliche Entscheidungen kritisch hinterfragen? Von denen, die vorgeben, das selbst nicht zu tun, wird es oft als ein Zeichen von Illoyalität gewertet. Das ist es auf keinen Fall. Mich mit einer Sache kritisch und engagiert auseinander zu setzen, ist vielmehr ein Zeichen von Leidenschaft, intensiver Identifikation und Verantwortungsbewusstsein. Etwas, das mich nicht interessiert, das mir so egal ist, wie der klassische Sack Reis, der in China umfällt, würde ich kaum hinterfragen. Nur weil mir eben nicht egal ist, wie es mit der Kirche weitergeht, gebe ich viel Zeit und Energie in die Auseinandersetzung mit ihr.

Es sind ausschließlich Dinge, die mich berühren, mich aufregen, mich herausfordern, die ich anspreche. Alle Glaubensinhalte, die für uns heute selbstverständlich erscheinen, wurden ja ebenfalls in der Vergangenheit in Streit und Auseinandersetzung mühsam errungen und entwickelt. Diese Entwicklung ist niemals abgeschlossen. Durch neue geschichtliche, politische und soziale Entwicklungen ergeben sich immer wieder neue Fragen und Herausforderungen an Kirche und Theologie.

Was sich stark verändert hat, ist das Selbstbewusstsein von uns Laien durch die Rückbesinnung auf unser allgemeines Priestertum aufgrund von Taufe und Firmung. Geweihte Amtsträger alleine können keine Kirche sein. Das Wissen der Engagierten hat extrem zugenommen gegenüber einer rapiden Abnahme der Akzeptanz, dass nur einige wenige gesalbte Männer über die Zukunft der Kirche entscheiden dürfen. Auf die Dauer wird nicht haltbar sein, dass sich allein geweihte Männer die Entscheidungskompetenz über alle anderen herausnehmen!

Problematisch und für Änderungen hinderlich ist allerdings, dass kirchliche Strukturen in ihrem Sosein in der Regel religiös begründet und geistlich aufgeladen werden. Durch diesen "Trick" kann leicht behauptet werden, eine Kritik an der Struktur und ihrer Repräsentanten sei eine Kritik am nicht kritisierbaren Gott selbst. Diesen Staub muss man sich einfach von den Füßen schütteln. Strukturen und Inhalte müssen zwar aufeinander bezogen sein, durch eine Änderung des Äußeren ist aber das Innere in seiner Substanz nicht sofort betroffen oder gar bedroht!

Warum also sollte ich als kirchliche Mitarbeiterin mein Wissen, meine Kritik- und Urteilsfähigkeit mit der Unterschrift unter einen Dienstvertrag abgeben? Wie im Vorhergehenden aufgezeigt, gehe ich im Gegenteil vielmehr davon aus, dass u.a. gerade diese beiden wesentlicher Teil der Kompetenz sind, die von uns hauptamtlichen Laien erwartet wird! Unser Wissen und unsere Arbeit an der Schnittstelle von Kirche und Gesellschaft prädestinieren uns dafür, genau hin zu schauen, Beobachtungen zu machen, zu beschreiben, wo es hakt und daraus Ideen zu entwickeln und zu kommunizieren, wo kirchliche Änderungsprozesse zwingend notwendig sind. Mitläufer_innen dagegen waren nicht nur einmal gefährlich für eine Gesellschaft.

Dass hauptberufliche Laien über Kirchensteuern finanziert werden, scheint manchen auch ein Dorn im Auge zu sein. (By the way: der Unterhalt für die Priester kommt aus gleicher Quelle, was offenbar kein Problem zu sein scheint.) Wer arbeitet soll auch essen. Die Kritik an der Einstellung und Finanzierung von hauptberuflichen Laien kann sich allerdings nicht an unsere Berufsgruppen richten, sondern nur an diejenigen, die über die Entwicklung und Einstellung von Hauptberuflichen entscheiden: die Bischöfe.

- Uuups: diejenigen, die meinen, in der Kirche dürfe nicht kritisiert und von der kirchlichen Hierarchie Entschiedenes müsse grundsätzlich mitgetragen werden, werden doch nicht etwa die Bischöfe und die gesamte deutsche Bischofskonferenz kritisieren wollen??? Hier liegt ein Hase im Pfeffer derer, die Kritiker_innen kritisieren: Man ist da durchaus wählerisch in dem, was man für „katholisch“ und daher akzeptierens- und unterstützenswert hält!

Bezugsgröße für mein kirchliches Handeln sind neben meinem konkreten Chef vor allem die Menschen, mit denen ich zu tun habe, dann auch die pastorale Linie meines Bistums, von dem ich für meinen Dienst beauftragt wurde, darüber hinaus die Ebene der deutschen Kirche, die der Bischofskonferenz. Dem Subsidiaritätsprinzip, bei der die nächst höhere Stelle erst dann entscheidet, wenn die niedrigere in einer Sache überfordert ist, fühle ich mich verpflichtet.

Ohne eine Rückbindung an meine Ortskirche ist für mich eine kirchliche Arbeit schwierig vorstellbar. Ihre Überlegungen, Entscheidungen und Handeln verfolge ich kritisch und orientiere mich weitestgehend daran. Sinnvoll fände ich allerdings, wenn den Bischofskonferenzen wesentlich weiterreichende Entscheidungskompetenzen für ihre Region übertragen werden würden, damit sie besser auf konkrete Herausforderungen reagieren können. Kirchenrecht ist veränderbar, was mich hoffen lässt.

Nicht nur wegen ihres Stils und ihrer Inhalte sondern vor allem wegen ihrer fehlenden offiziellen Anbindung an unsere lokalen Kirchenstrukturen sehe ich daher Aktionen wie die diversen k***.nets und Co, die so sehr ihre Katholizität und Papsttreue aber auch ihre Unabhängigkeit von kirchlichen Strukturen betonen, eher kritisch. Um in Deutschland katholisch zu sein, reichen Papst- und Katechismustreue einfach nicht aus. Eine Vernetzung mit hier üblichen Strukturen ist zwingend nötig. Argumentative, respektvolle Bischofskritik geht, Bischofsbashing, wie zu oft dort zu lesen ist, geht gar nicht! Eine Distanzierung von der DBK, ihren Mitgliedern und von von ihr anerkannten Gremien wie dem Zentralkomitee der deutschen Katholik_innen (ZdK) befördert diejenigen, die selbst schnell bei der Hand sind, anderen ihre Katholizität abzusprechen, selber ins Abseits.

Die Weltkirche gerät bei der Betonung der Bedeutung der lokalen Bischofskonferenzen keineswegs aus dem Blick: durch unzählige Kontakte und Vernetzungen von Einzelpersonen, Gruppen, Gemeinden, Bistümern und nicht zuletzt den Hilfswerken gibt es heute eine weltweite Verbundenheit, die sowohl durch persönliche Kontakte wie auch durch die sozialen Medien wie nie zuvor in der Kirchengeschichte jemals so intensiv war!


Ich fasse zusammen:

Kirche als Arbeitgeberin und Kirchenkritik passen sehr gut zusammen. Kirche ist kein Betrieb wie jeder andere. Die dort Arbeitenden sind wie alle anderen Getauften und Gefirmten "Anteilseigner_innen" und stehen daher bezahlt wie unbezahlt in der Verantwortung für ihr Wohlergehen. Es kann und muss von ihnen erwartet werden, dass sie sich durchdacht und kritisch zu kirchlichen Belangen äußern, wo ihnen Ungereimtheiten, Ungerechtigkeiten und grobe Fehler auffallen.

Interne und öffentliche Kritik ist zurückgehend bis zu den Propheten eine uralte jüdisch-christliche Tradition. In einer pluralen Gesellschaft ist der Umgang mit sich (scheinbar oder tatsächlich) widersprechenden Positionen unabdingbar. Urteils- und Kritikfähigkeit wird in der pastoralen Ausbildung daher zu Recht geschult und ist als Form der Übernahme leidenschaftlicher Verantwortung für die Kirche zu werten.

Hauptberufliche, aus Kirchensteuermitteln oder über Refinanzierung bezahlte kirchliche Mitarbeiter_innen sind eine Entscheidung unserer lokalen Bischofskonferenz. Sie ist maßgeblich für das konkrete Handeln in unserem Umfeld. Zu ihr muss jedes kirchliche Handeln und Diskutieren in Beziehung stehen, so wie wir hauptberuflichen kirchlichen Mitarbeiter_innen es ohne jeden Zweifel tun.

Auf ein fröhliches Weiterdiskutieren, um Gottes und der Kirche Willen!


Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Ameleo,was heißt denn "die" Kirche? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt auch Gruppierungen, die den Journalisten verbieten wollen, Kardinäle zum Thema Papstwahl zu interviewen, weil sie dies als unzulässigen Einfluss auf die Papstwahl bezeichnen.Die auch nicht wollen, dass ausser Radio Vatikan jemand zum Thema Papstwahl schreibt. Einheit(sblättchen) ist wieder angesagt. Die Heiligen Hallen abschotten, damit Katholiken nicht durcheinanderkommen.Die werden doch nur gegeneinander aufgehetzt. Die Katholiken.Meinte jemand. Ist das nicht ein edles Unterfangen, Ameleo?Möchest Du denn gerne durcheinanderkommen?Dies ist der eine Beitrag zum Thema Entweltlichung. Den andren muss man sich noch durch den Kopf gehen lassen. Zum Beispiel staatliche Finanzierung von kirchlichen Schulen und Kliniken.Mh..ich sehe da gerade die Austrittszahlen 2012 allein in unserr zu 50 Prozent katholischen Kirchengemeinde vor mir. Heute gelesen.70 Austritte.0 Eintritte. Das erinnert mich eher an Entkirchlichung.Die Hoffnung, dass in Zukunft alles ehrenamtlich gemacht wird, geht nun endgültig den Bach runter. Menschen, die nach Auszug ihrer Kinder in ein tiefes Loch fallen, sterben aus.Uns wurde damals gesagt, die Gwerkschaft nützt Ihnen nix. Kirche ist ein Tendenzbetrieb. Wenn die Sie entlassen wollen, dann entlassen die Sie.Ha.ha.ha.Um des Himmelreiches Willen.

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  2. Ameleo, getauft und gefirmt sind die Grundlagen. Die höheren Weihen hast Du dann vergessen. Die Sache beim Arbeitgeber Kirche ist die: seit neulich gibt es dort Laientheologen. Vorher gab es nur Priester und Ordensleute männlich und weiblich, die haben erstens für Gotteslohn gearbeitet und zweitens um des Himmelreiches Willen. Da gab es keinerlei Probleme.Thema Mitbestimung war auch geregelt. Nun gibt es Laien und die haben die falsche Einstellung. Kirche ist kein Verein, wie Du weißt und also sind Kirchensteuern keine Beiträge. Man arbeitet für Gott und nicht für den Menschen. Und in der Tat, wie bei einer Versicherungsgesellschaft werden am End die Seelen gezählt, die hinzukamen. Da sehen allerdings nicht nur die Laientheologen alt aus. Am Ende.Wenn der Chef kommt und zählt. Siehe 70 Austritte 2012. Auch mit Taufen gab es keinen Ausgleich.

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    1. Ohne die Mitarbeit von Laien geht ja gar nichts mehr. Nur mit dem Bezahlen tut man sich schwer. Mir scheint, am liebsten wären den Kirchen gut ausgebildete Ehrenamtliche, die tun, was ihnen gesagt wird. Nur gibts die nicht.

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  3. Hallo Ameleo, danke für deinen sehr guten und interessanten Beitrag. Deine Aussagen zur Zulässigkeit und Notwendigkeit von Kritik kann ich voll und ganz unterschreiben.
    Von manchen Katholiken wird Kritik an der Kirche (oder gar dem Papst) - angeblich aus Liebe zur Kirche bzw. dem Papst - abgelehnt. Ich weiß nicht, ob diese A-Kritischen alle unverheiratet sind. In einer Beziehung (gut katholisch, ein Mann, eine Frau, verheiratet - natürlich kirchlich) hoffe ich schon darauf, dass sich die Partner nicht nur an den schönen Aspekten freuen, sondern auch gemeinsam versuchen, Missstände zu erkennen und zu beseitigen. Ich kann doch nicht schweigen, wenn ich denke, dass etwas im Argen liegt. Gerade wenn und weil ich meine Frau liebe, muss ich - liebevoll und in der richtigen Dosierung und im richtigen Moment - sagen dürfen, was nicht so ganz zufriedenstellend läuft. Und auch umgekehrt muss ich mir so etwas sagen lassen. Wenn ich das nicht kann oder darf, ist es, glaube ich, mit der Liebe nicht weit her.
    Bezogen auf die Kirche heißt das für mich, dass ich gerade als Hauptamtliche(r) in besonderem Maß zur Kritik im Sinne von Unterscheidung befähigt und aufgefordert bin. Zum einen durch die Sach- und Fachkenntnis (wie von dir bereits angesprochen), zum anderen aber auch durch vertiefte Einblicke in die etwas weniger heiligen, sondern eher menschelnden Bereiche unserer Kirche. Kritik heißt dann nicht Schwarz oder Weiß, Freund oder Feind, sondern differenzierte Wahrnehmung, Berücksichtigung von Traditionen, Sensibilitäten, Machtstrukturen (besonders, wenn diese totalitäre Elemente aufweisen) etc. um dann im Rahmen des Möglichen Veränderungsvorschläge zu machen.
    Als Laien sind wir dabei alle Christen zweiter Klasse (laut CIC) - und damit sind unsere Möglichkeiten massiv beschränkt-, du als Frau 2b, ich als Mann wenigstens 2a ;-)
    Die Regel des (Heiligen) Benedikt finde ich sehr praxisnah. Dort steht, dass der Abt in der Versammlung auch auf das Wort und die Vorschläge des jüngsten Ordensmitglieds hören soll, da der Heilige Geist auch durch dieses sprechen kann. Vielleicht lässt sich diese anderthalb Jahrtausende alte Regel auch heute noch gut gebrauchen - das hieße Traditionen zu wahren und nicht nur dem Traditionalismus zu frönen.
    Eine kleine Ergänzung habe ich noch: Du schreibst, dass hauptamtliche Laien aus Kirchensteuern bezahlt werden und der Unterhalt für Priester aus der gleichen Quelle kommt. Ich bin in Baden-Württemberg zu Hause und die Diözesen erhalten Staatsleistungen, die nach meinen Infos größtenteils zur Bezahlung der Nicht-Laien eingesetzt werden. 2012 waren das in BW immerhin fast 107 Millionen Euro für alle vier Diözesen bzw. Landeskirchen (aus dem Haushalt des Landes, nicht aus Kirchensteuern). Das Erzbistum Freiburg nennt als Zahl für 2010 25,4 Millionen Euro. Das ist einer der Äste, an dem in den nächsten Jahren sicher gesägt wird. Unsere Kirche wird sich in Zukunft aus ganz 'weltlichen' Gründen noch viel stärkerer Kritik stellen müssen. Da ist es doch nur gut, wenn wir schon im Vorfeld versuchen, die ärgsten Missstände zu beseitigen.

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    1. Möglicherweise ist die Bezahlung Konkordatsabhängig. Bei uns werden nur einige Stellen refinanziert: Schule, Militär, Knast beispielsweise, die anderen aus Kirchensteuereinnahmen. Die Bischöfe kriegen staatliche Gelder.

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  4. Liebe Ameleo,

    leider ist Ihr Beitrag zu lang, um ihn umfassend zu kommentieren. So beschränke ich mich auf das Thema, was mir persönlich am wichtigsten ist:

    Zutreffend wird die Notwendigkeit beschrieben, Kritik an der realen Institution Kirche zu üben. Leider wird jedoch nicht dargelegt, wo die Grenzen dieser Kritik sind. Das fände ich aber persönlich ganz wichtig. Denn man kann z.B. den Papst kritisieren und meinen, was der Hl. Vater macht gehört besser anders gemacht. Das Dogma der Unfehlbarkeit darf darüber aber nicht in Zweifel gezogen werden.

    Das bringt mich zu einem weiteren Punkt. Ich persönlich bin immer sehr an Diskussionen mit Personen interessiert, die eine andere Meinung haben als ich. Dafür sind neben gemeinsamen Grundlagen auch die Bereitschaft gefragt, sich auf die Position des anderen einzulassen. Ihre Beiträge über manche katholische Blogger und Seiten scheinen aber diese Bereitschaft vermissen zu lassen. Das muss nicht stimmen, scheint mir aber so. Ein wenig Demut (vgl. Titel meines Blogs) tut sicherlich beiden Seiten gut. Die scheint mir aber (nur meine Meinung) auf beiden Seiten zu fehlen, da man sich wechselseitig gepflegt angiftet. Eine solche Haltung ist doch sicherlich nicht wünschenwert. Mehr echten Dialog in ihren Beiträgen würde ich mir sehr wünschen, gerade von jemandem wie Ihnen, der so viel von Dialog spricht. Das entlastet natürlich auch die anderen nicht. Und mich natürlich auch nicht.

    Ein schönes Wochenende

    MC

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    1. Wie könnte ein solcher Dialog denn aussehen?

      Demut steht denen mit Macht und Einfluss sicher gut, für Ohnmächtige ist Aufschreien gesünder. Als 2b-Christin, um Wolfgangs Gedanken aufzugreifen, zähle ich mich nicht zu den Mächtigen!

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    2. Gerne verweise ich hier auf einen Blogeintrag von mir:
      http://demut-jetzt.blogspot.de/2011/12/die-bibel-und-die-demut.html.

      In den hier angeführten Bibelstellen scheint mir ein 2b-Christentumsaufschrei-verpflichtung nicht vorzukommen. Natürlich kann man sicher andere finden, die ihre Haltung bestätigen. Haben sie Beispiele?

      Ach ja, eine Frage: Was ist denn eigentlich mit mir? Wenn sie als pastorale Mitarbeiter 2b Christen sind, müsste ich ja 3b Christ sein: Kein Hauptamtlicher und nicht im Pfarrgemeinderat. Also sind sie im Vergleich zu mir mächtig.

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    3. Meine 2a/2b-Unterscheidung hat überhaupt nichts mit hauptamtlich oder nicht hauptamtlich zu tun, sondern hängt nur am Geschlecht. Herr MC hat mehr Rechte als Frau MC. Höchwürdiger Herr MC sticht alles. Das ist gültiges Kirchenrecht.
      Zu den Bibelstellen: Mt 18,15 ist für mich wichtig, wenn es um Kritik geht. Aber einzelne Bibelstellen aus dem Zusammenhang losgelöst zu betrachten ist immer schwierig, die Gefahr der Steinbruchexegese ist relativ groß.

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    4. @ MC:
      Die Bibelstellen müssten mal im Kontext gelesen und auf gemeinsame bzw. unterschiedliche Aussagen hin untersucht werden. So als Übersicht sagen sie kaum etwas aus. - Über Kirche als Arbeitgeberin schon gar nichts.

      Fakt ist: immer wird es zur Zeit ein Priester und damit ein Mann sein, der letzte Entscheidungen trifft ob über die Arbeit von Ehrenamtlichen oder die von Hauptberuflichen - nur qua Weihe und unabhängig von seiner Kompetenz in manchen Bereichen. (Wenn er z.B. einem stellvertretenden Bankdirektor in Geldfragen reinredet, wird es schon komisch!) Der Einfluss von uns bezahlten Mitarbeiter_innen wird in der Regel überschätzt!

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    5. @WOlfgang:
      Mir gings da nicht so sehr um Rechte, sondern um Einfluss. Und da hat Frau Pastoralreferentin XY mehr Einfluss als Herr MC. Da sag ich ja auch nix gegen, aber wenn man schon so anfängt, könnt ich mich auch benachteiligt fühlen.

      @Ameleo:
      Ich bin schon sehr gespannt, wie du als ausgebildete Theologin (anders als ich kleiner Nebenfächler) die Bibelstellen in ihrem Kontext auslegst. Denn von Demut scheint mir (als kleiner Nebenfächler) keiner von uns dispensiert zu sein.

      Ich bin nebenbei auch kein Freund davon, wenn Priester (ohne weitere Ausbildung) sich in Wirtschaftsfragen rein drängen. Das ist nicht Teil ihres Jobs. Leider werden sie ja oft dazu gezwungen und nicht viele haben dazu sicher gar keine Lust.
      Nur, was hat das mit seinem Mann-sein zu tun? Nur weil ein Mann eine entscheidung trifft, ist die doch nicht schlechter oder diskriminiert alle, die es nicht sind. Dann müsste ich mich als Mann ja auch von der Bundeskanzlerin diskriminiert fühlen.

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    6. @Wolfgang:
      Noch zu deiner Bibelstelle. Finde ich persönlich sehr gut. Sie weist uns ja auch auf die große Diskretion hin, die Christus im Umgang mit Kritik lehrt. Eine wohlmeinende Kritik wird hier angemahnt. Ein Rumgiften (wie es oft vorkommt) aber sicher nicht. Zudem kann die Stelle sicher nicht auf die Kirche als Gesamtheit angewendet werden.

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    7. @MC:
      Die Aufrufe zu mehr Demut gelten nach meiner Ansicht denen mit Macht, um sie vor Machtmissbrauch zu warnen. ("er stürzt die Mächtigen vom Thron") Zu wenig Demut ist nicht mein Thema. Als Frau eher die Erfahrung gedemütigt zu werden und mich gegen diese Übergriffe aufzulehnen/auflehnen zu müssen. ("und erhöht die Niedrigen")

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    8. @Ameleo:
      Gut zitierst du das Magnificat: "er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen." Aber es steht ja nicht da "und er stützte die Niedrigen, die sich selbst erhöhen". Natürlich will ich dir weder deine Erfahrungen noch dein Engagement absprechen. Aber denke bitte auch an die Warnung des Magnificats: "Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind." Und wer sich selbst großzügig von der Demut dispensiert gerät in große Gefahr, hochmütig zu werden. Und was hochmütige Menschen angeht, da habe ich ja selber vor kurzem was geschrieben: http://demut-jetzt.blogspot.de/2013/03/begegnung-der-x-art.html.

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    9. @MC:
      Mit der Aufforderung zu Demut ist in der Vergangenheit viel Missbrauch betrieben worden. Vor allem gegenüber Frauen, "zu missionierenden" Menschen, Ausgebeuteten. Meist erfolgt der Ruf danach aus einer sich überlegen fühlenden Position. Unterstelle ich dir nicht. Respekt und Achtung vor anderen finde ich sinnvoller als Demut, weil sie die gleiche "Augenhöhe" betonen.

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    10. @Ameleo:
      Insoweit Demut von der Hierarchie eingefordert wird, hast du durchaus recht, dass damit viel Schindluder getrieben wurde. Allerdings wird in fast der gesamten geistlichen Literatur die Demut als eine elementare Grundlage des geistlichen Weges gesehen. Zwar kann man versuchen zwischen Demut, die nach außen und nach innen gerichtet ist, zu unterscheiden. Doch denke ich beide durchdringen sich. Meine Hinweise aufinnere Demut (worum es mir primär geht) können daher mittelbar auch als Hinweise auf äußere Demut verstanden werden.

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  5. Liebe Ameleo,

    ich danke Ihnen für Ihre Ausführungen. Ich verstehe Sie nun besser, dennoch würde ich mich gern dem vorangegangenen Kommentar anschließen, dass es eben auch Grenzen in puncto Kritik gibt. Diese Grenze liegt bei Ihnen eben ganz anders als bei mir.
    Was mich so betrübt ist, dass die beiden Lager so sehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig darüber zu unterrichten, wer nun besser oder evangeliumsgemäßer lebt, dass wir darüber vergessen, das zu tun, was wir gemeinsam tun können. Und was mich auch betrübt ist, dass diese Fundamentalkritik (gerade weil das Thema Glauben so sensibel ist) so wahnsinnig unheilvoll ausstrahlen kann. Ich gebe Ihnen zur Anschauung noch ein Beispiel: In unserer Pfarrei geht es auch munter dialogfreudig zu. Die Pastoralreferentin hat in der Erstkommunionkathechese den Kommunionmuttis nun erläutert, dass es mit der Realpräsenz nicht weit her ist, sondern das die Gemeinschaft mit den anderen Kirchgängern das erhebende Moment der Messe sei... und das ist nun einmal ganz klar gegen die kirchliche Lehre. Ich meinerseits bin Konvertitin und sehe vielleicht noch durch die verliebte Brille, aber wie soll ich das vor meinen 3 Kindern rechtfertigen? Und davon gibt es viele Beispiele. Diese "Untreue" zur Geschäftsordnung ist verletzend. Und das hat nichts mit Innovation zu tun. Veränderung hat es immer gegeben in der Kirche, aber nicht jeder, der Veränderungen bewirkt hat, meinte es so viel besser zu wissen, sondern gerade Gestalten wie der Hl. Franz von Assisi haben doch durch Demut bestochen. Ehrlich gesagt würde ich mir wünschen, dass die Pastoralen Mitarbeiter (übrigens betrifft das auch die Priester!) einfach mehr beten würden und sich weniger politisch verstünden.
    Ihnen ein schönes Wochenende!

    Gruß (ebenfalls aus der Diaspora)

    A.

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    1. Dem Kommentar möchte ich weitgehend beipflichten. Allerdings muss fairerweise gesagt werden, dass wir nichts über die Qualität wie Quantität des privaten Betens eines anderen Aussagen können. Mehr beten ist natürlich immer eine gute Idee, aber als Quasi-Vorwurf (wie viele es lesen können) ist es natürlich nicht anwendbar.

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    2. @ A.
      Gott ist wichtig, die Menschen und ihr Leben sind wichtig. Die Lehre ist nicht unwichtig, aber nicht um ihrer selbst Willen da, sondern um zu helfen, Gott nahe zu kommen. Wo sie dem eher im Weg steht, weil darin Formuliertes unverständlich bleibt und nicht (mehr) existentiell betrifft, würde auch ich die existentiellen und an Sehnsüchte anknüpfende und dadurch berührende Momente wie in o.g. Beispiel das der Gemeinschaft stärker betonen. Nicht weil es sich bewusst gegen ein Lehre richtet, sondern weil es stärker dazu dient, eine tragfähige Gottesbeziehung in Glaube und Vertrauen aufzubauen.

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  6. Worüber sollen wir mitreden und mitentscheiden dürfen - über die Glaubensinhalte? Und da möchte ich übrigens widersprechen: alle *relevanten* Glaubensinhalte liefert uns die Bibel; diese wurden mitnichten im Rahmen von Diskussionen entwickelt.
    Oder über personale Entscheidungen? Und wie soll es konkret vor sich gehen - die "Miteigentümer" stimmen darüber ab, wen sie als Pfarrer oder als Bischof haben wollen und zwar sowohl die, die mehrmals in der Woche die Hl. Messe besuchen als auch die, welche sich seit 30 Jahren haben nicht mehr in der Kirche blicken lassen?
    "Die Welt ändert sich." Ja, äußerlich, vielleicht. Hat sich dadurch auch die menschliche Natur geändert? Und heißt es nicht, wir sollen uns der Welt nicht gleichförmig machen?!

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    1. @ KleinesLicht
      Über Personalfragen wäre es durchaus gut mitzuentscheiden! Wenn eine Gemeinde z.B. während eines Diakonatspraktikums an allen Ecken und Enden feststellt, dass es besser wäre, wenn ein Kandidat nicht zum Priester geweiht werden würde. Oder bei der Anstellung von Priestern und Hauptberuflichen, der Auswahl der Bischöfe... Und ja: auch die 90%, die die Kirche finanzieren ohne ihre "Leistungen" in Anspruch zu nehmen, sollen mitreden! Was gibt uns das Recht, sie so zu vernachlässigen, wie wir das im Moment tun? Es ist das Problem der Kirche, dass sie keine Wege zu diesen Menschen findet und nicht das Problem dieser Menschen, dass sie den Weg zur Kirche nicht mehr finden!

      Die Bibel ist übrigens selbstverständlich in Auseinandersetzungen entstanden. Die Evangelisten haben gezielt aus den ihnen und ihren Gemeinden überlieferten Erzählungen und Reden ausgewählt und sie redaktionell in ein Konzept gegossen, dass genau das betont, was ihnen von Bedeutung war. Später wurde aus den unzähligen Evangelien und Briefen ausgewählt, was als der Aufnahme in den Schriftkanon würdig erschien. Die Bibel ist nicht fertig vom Himmel gefallen!

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    2. Es wäre ein durchaus interessantes Modell, zumindest über Personalfragen mitzuentscheiden. Wobei ich für eine solche Wahl ein Versammlungsmodell favourisieren würde. Das heisst, wer wählt, muss sich in die Kirche bewegen, muss sich die verschiedenen Berichte anhören und stimmt dann dort entsprechend ab.

      Allerdings neige ich dazu, das den Bischöfen als Häupter der Ortskirchen ein Veto zugestanden wird. Bzgl. der Bischofsbestellung gibt es ja zumindest in Deutschland eine Wahl durchs Kapitel. Hier könnten sicherlich noch Möglichkeiten einer breiteren Beteiligung des Kirchenvolkes gefunden werden, z.B. durch Akklamation.

      Aber natürlich, und da sind wir uns sicher einig, kann keine Kirchenvolksversammlung mal eben entscheiden, z.B. das Ehe-Dekret des Tridentinums auszusetzen oder das zu ändern.

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  7. Wenn sich Christen am Beispiel Jesu ausrichten, dann haben sie die Pflicht, das anzuprangern, was gegen das Heil der Menschen, den Willen Gottes geht. Sollte dies innerhalb der Kirche selbst sein, gilt dies um so mehr. Jesus hat massive Kritik an seiner eigenen Religion geübt, weil die Perspektive verschoben war (Sabbat für den Menschen, nicht der Mensch für den Sabbat). Dann war er auf Seiten der Schwachen und nicht der Mächtigen, letztere haben ihn ans Kreuz gebracht.

    Die Frage, wo Kritik an der Kirche aufhört, kann nur diese eine Grenze haben, das Heil für die Menschen als Gottes Wille. Wenn von Kirche Unheil ausgeht oder Ungerechtigkeit, muss jeder gewissenhafte Christ Kritik üben.

    MC nennt oben beispielsweise die Unfehlbarkeit als Grenze. Die ist vielleicht gerade das Problem. Wenn sich das Lehramt endgültige Entscheidungen leistet, die von ihrer Begründung her theologisch nicht stichhaltig sind (Ordinatio sacerdotalis), dann schadet dieses Lehramt seinem eigenen Anspruch und sorgt dafür, das es destabilisiert. Als Christ muss ich mich darauf verlassen können, dass diese Entscheidungen wirklich in Willen Gottes gründen und dies auch stichhaltig begründet wird. Das ist in dem genannten Dokument nicht der Fall ( vgl. hier: http://theologie-und-kirche.de/phoebe-und-iunia.pdf ).

    So muss sich das Lehramt nicht wundern, dass die Diskussion nicht aufhört, obwohl das Lehrschreiben dies fordert.

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    1. Interessant ist ja, dass so gut wie ausschließlich die jüngsten und mittelalten kirchlichen Entscheidungen fortgesetzt diskutiert werden, nicht aber die frühen Entscheidungen wie beispielsweise die Trinität oder das Mensch- und Gottsein Jesu. Es zahlt sich nicht aus, Glaubensfragen autoritär durchzudrücken und dann als gottgegeben zu behaupten!

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    2. Wobei ja die christologischen Dogmen nicht deswegen nicht diskutiert werden, weil sie unumstritten sind, sondern weil sie einfach so komplex und abstrakt sind, das ihr nicht-glauben unbemerkt bleibt, wenn der Betreffende es nicht herausposaunt. Wenn man bedenkt, das auch viele Katholiken nicht an einen persönlichen Gott glauben, befinden sich viele unbemerkt auch im Widerspruch zu diesen Grundsätzen.

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    3. MC, nicht glauben wollen, oder nicht glauben können, das ist die Frage. Und der persönliche Gott ist ja nun unser Luxus. Wer auf den freiwillig verzichtet, hatte sicher grauenvollen Religionsunterricht.

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    4. bevor man etwas anprangert, muss man es verstehen.

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    5. @Teresa
      Ich würde eigentlich sagen, der persönliche Gott ist eine Notwendigkeit. Wenn ich schon den nicht habe, kann ich auch kein Christ sein. Und zumindest bei uns kann, von den Umgebungsvoraussetzungen, jeder an einen persönlichen Gott glauben. Oder wie siehst du das?

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  8. Im Übrigen liefert die Bibel eben nicht alle Glaubensinhalte, dann wären wir Protestanten. Neben der Bibel gilt im Bereich der Katholischen Kirche eben auch die Überlieferung. Von der Trinitätslehre ist z.B. in der Bibel nirgendwo die Rede. Von der Beichte ist ebenfalls keine Rede, das Wort kommt in der Bibel gar nicht vor. Die Ohrenbeichte wurde im 5 Jhd. vom Lehramt offiziell abgelehnt. So einfach, wie manche sich Kirche denken, ist es leider nicht. Es gibt kaum eine 2000-jährige Tradition, wenn man einmal vom Glaubensbekenntnis absieht. Vieles ist viel später entstanden und reicht eben nicht bis in die Offenbarung.

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  9. Dann wären wir Protestanten..aha.In der Tat. So einfach, wie manche sich Kirche denken, ist sie nicht.Und so leichtfertig, wie viele die Bibel zitieren, darf man sie nicht zitieren. Die Gesamtheit spricht die Bände.Der Vorteil an Kirchengesetzen ist der, dass man sie verändern darf. :-).Warum die Ohrenbeichte eingeführt wurde..verrät die Kirchengeschichte.Und: ein Theologiestudium dauert 5 Jahre. Mal hier und da guggn genügt nicht. Ich bin noch von Priesterprofessoren ausgebíldet worden. Keiner davon exkommuniziert, oder mit Schreibverbot ausgestattet.

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