ACHTUNG: Zur Zeit gibt es bei Blogger Probleme mit dem Internet Explorer. Videos können beispielsweise nicht angesehen und Kommentare nicht abgeschickt werden. Bitte in diesem Fall einen anderen Browser wie z.B. Firefox benutzen!

Mittwoch, 17. April 2013

"Papst lässt Reformkatholiken enttäuscht zurück"

Hä? Habe ich etwas nicht mitbekommen? Was hat er gesagt oder getan? Das waren meine Gedanken, als ich obige Überschrift heute in meiner Leseliste beim Blog Moment Mal las. Der Klick auf betreffende Seite brachte Erleichterung und Klarheit: Ein alter Text aus 2011 im Anschluss an den Besuch von Papst Benedikt in Deutschland wurde dort rebloggt. Warum erschließt sich mir gerade nicht.

Aber ist es so unwahrscheinlich, dass nicht auch irgendwann so etwas über Papst Franziskus gesagt werden wird? Bei allen hoffnungsvollen Zeichen, die er bereits gesetzt hat, bei allen Erwartungen, die sich auf ihn richten, dürfte jeder und jedem klar sein, dass vieles (noch) nicht von ihm in Angriff genommen werden wird, werden kann und will. Zu weit haben die letzten beiden Päpste das mit dem zweiten Vatikanum ins Rollen gebrachte Rad der Kirche ausgebremst und zurückgedreht.

Wie auch in manchen Blogs der sog. Blogoezese nachzulesen, haben sich allerdings gerade durch eine Begegnung mit Benedikt einige zu einem Eintritt in die katholische Kirche bewegt gefühlt. Sein Kirchenbild hatte offenbar an ihren Sehnsüchten gerührt. Das in ihren Augen überraschend (?), befremdlich (?) neue von Franziskus hat sogar jemand dazu veranlasst, ein auf große Resonanz treffendes Reklamationsschreiben an den Hl. Geist zu verfassen, mit der Bitte, das Modell Franziskus in Ordnung zu bringen. Sehr viel Enttäuschung, vielleicht auch Verärgerung über die gerade neu eingeschlagene Richtung stecken darin.

Nun sollte die eigene Kirchenzugehörigkeit nicht von der Sympathie oder Antipathie ihrem obersten Repräsentanten gegenüber abhängen, dem wird vermutlich jeder und jede zustimmen. Aber so einfach ist das nicht! Ohne Menschen gäbe es keine Kirche. Und deren Unterschiedlichkeit und Farbenvielfalt macht die Sache ja erst interessant - aber auch so anstrengend. Auch wenn im Zentrum des persönlichen Glaubens Gott in Jesus Christus stehen sollte: Niemand glaubt und lebt für sich allein, von wenigen Einsiedler_innen abgesehen, die i.d.R. aber dennoch zu einer Gemeinschaft gehören. So wurden durch die Person Benedikt manche in ihrem Glauben und Denken bestärkt, anderen geht es jetzt so mit seinem Nachfolger im Amt.

Auch Papst Franziskus wird unumgänglich enttäuschen, hat es bereits in seinem Umgang mit den amerikanischen Nonnen. Ob er das, was die unzähligen Feminismen wollen, was den Ordensfrauen am Herzen liegt, wirklich verstanden hat? Leider machen ja viele zu schnell dicht, wenn sie die Worte "Feminismus", "Frauenrechte" oder "Gender" hören, ohne sich tatsächlich mit diesem Thema angemessen auseinandergesetzt zu haben und auch ohne jede Bereitschaft, dies zu ändern. (Wer sich informieren mag, findet u.a. hier einige Antworten auf häufig gestellte Fragen und Vorurteile.)

Papst Franziskus ist sehr kommunikativ und an dem Wohl aller Menschen interessiert. Ich hoffe, dass dies dazu beträgt, dass er sich auch mit den Anliegen von Frauen auseinandersetzt, wo deren Würde mit Füßen getreten wird, wo sie nicht gleichberechtigt und gleichwürdig behandelt werden. Ich erwarte von ihm keine Zeichen in Richtung Frauenpriestertum, nach dem letzten Ponifikat würde die katholische Kirche damit zu viele Mitglieder verlieren. Aber ich erwarte, dass er sich mit der Rolle von Frauen in der Kirche, nicht nur als Ehefrau und Mutter sondern auch als Diakoninnen, Priesterinnen, ... intensiv auseinandersetzt als Brückenbauer zwischen Befürwortern und Gegnern, zwischen Tradition und Gegenwart. Dies leisten zu können, traue ich ihm durchaus zu und hoffe, dass ich mich da in ihm nicht täusche! Ent-täuschung hieße dann, (m)eine Täuschung aufzudecken und zu beseitigen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.


Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    ich wiederhole deinen letzten Satz:
    "Doch die Hoffnung stirbt zuletzt."

    Herzliche Grüße
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  2. Ein durchaus sehr ausgewogener Post, der sehr viel ruhiger ist als vieles, was ich aus anderen Ecken in letzter Zeit so lese.

    Nur eine kleine Anmerkung:
    "Zu weit haben die letzten beiden Päpste das mit dem zweiten Vatikanum ins Rollen gebrachte Rad der Kirche ausgebremst und zurückgedreht."
    Die Aussage ist durchaus richtig, insoweit die letzten Päpste die Eigendynamik, die gewisse Kreise nach dem Vatikanum entwickelt haben, stark gedämpft haben. Aber Eigendynamik zu dämpfen und zu kanalisieren ist ureigenster Job der Päpste. Das kann man ihnen schlecht zum Vorwurf machen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @MC: Das bewerten wir vermutlich unterschiedlich. Es wurde mehr als ungute Entwicklungen ausgebremst. Es fehlte der Mut, Neuem eine Chance und ausreichend Raum zu geben, was auch als ein fehlendes Vertrauen in das Wirken des Hl. Geistes gesehen werden kann. Angst ist eine schlechte Ratgeberin!

      Löschen
    2. "Wir feiern dieses Jubiläum und es scheint, dass wir dem Konzil ein Denkmal bauen, aber eines, das nicht unbequem ist, das uns nicht stört. Wir wollen uns nicht verändern und es gibt sogar auch Stimmen, die gar nicht vorwärts wollen, sondern zurück: Das ist dickköpfig, das ist der Versuch, den Heiligen Geist zu zähmen. So bekommt man törichte und lahme Herzen.“

      Papst Franziskus in seiner Predigt am 16. April, in der er eine mangelhafte Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) beklagt hat

      Löschen
    3. @Ameleo:
      Die Unterschiedlichkeit in der Bewertung sehe ich auch. Die Historiker sind sich weitgehend einig, dass keine große Religion jemals einen derart großen Sprung in die Moderne gewagt hat, wie die katholische Kirche mit dem Vatikanum II. Die Verwerfungen, zu denen das geführt hat und von denen die Piusbrüder nur die kleinste sind, dürfen aber nicht unterschätzt werden. Gerade unter Paul VI. waren die Kräfte des Papsttums zum Zerreißen gespannt, die Kirche zusammenzuhalten. Ein noch mehr Neu war da möglich. Und nachdem das Neue wenig Frühling, sondern viel Winter für die Kirche brachte, erlahmte natürlich die Bereitschaft, noch weiter zu gehen.

      Löschen
    4. Korrigiere mich selber: Ein noch mehr Neu war da nicht/kaum möglich.

      Löschen
  3. Eins doch noch:
    Folgenden beiden Sätze versteh ich nicht: "Ich erwarte von ihm keine Zeichen in Richtung Frauenpriestertum ... Aber ich erwarte, dass er sich mit der Rolle von Frauen in der Kirche, nicht nur als Ehefrau und Mutter sondern auch als Diakoninnen, Priesterinnen, ... intensiv auseinandersetzt" Wie passen die jetzt zusammen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @MC: Er wird Frauen weder zu Diakoninnen noch zu Priesterinnen weihen, wahrscheinlich noch nicht einmal ein direkter Wegbereiter in diese Richtung sein (können). Aber er könnte aber schon mal Kundschafter losschicken.

      Löschen
    2. Ich danke dir für die Aufklärung.
      Aber hat sich die Kirche in dieser Hinsicht nicht festgelegt?

      Löschen
  4. Hallo Ameleo!

    Ich lese hier gerne mit, und jetzt möchte ich mal meinen Senf dazugeben. Warum bist Du enttäuscht von Papst Franziskus? Du hast doch nicht erwartet, dass er innerhalb von ein paar Wochen alles ändert? Ich bin auch für Feminismus, aber für einen gesunden Feminismus, nicht für einen radikalen. Ich habe z. B. kein Problem damit, dass es in der kath. Kirche keine Priesterinnen gibt. Das Problem ist heute mehr, dass Pastoralreferentinnen Aufgaben übernehmen müssen, die eigentlich ein Priester ausführen sollte. Dadurch wird das Priesterbild verwässert.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Anonym:
      Die Überschrift ist ein Zitat und deshalb auch in Anführungsstriche gesetzt. Eine tiefergehende Enttäuschung meinerseits ist damit nicht gemeint.

      Welche eigentlich einem Priester vorbehaltenen Aufgaben meinst du denn, die Pastoralreferent_innen übernehmen?

      Löschen
  5. Ich weiß ganz konkret, dass an manchen Orten Pastoralreferenten und /-innen Beerdigungen halten müssen und predigen müssen. Und dann gibt es da natürlich noch viele Dinge, die Laien übernehmen, die nicht einmal theologisch gebildet sind, wie z. B. Wortgottesdienste, Kommunionausteilung und Krankenkommunion. Wenn man den Priestern immer mehr ihrer eigentlichen Aufgaben abnimmt, gibt es für junge Männer auch keinen Anreiz mehr, Priester zu werden. Im Prinzip unterscheidet sich heutzutage ein Priester von einem Laien darin, dass er nicht heiraten darf (negativ!), dass er die hl. Messe feiern und die Sakramente spenden kann. Nun werden aber heutzutage die Sakramente nicht mehr hochgeschätzt und immer weniger in Anspruch genommen, so dass sich der Priester von den Laien im Prinzip nur noch darin unterscheidet, dass er ehelos lebt. Da braucht man sich nicht wundern, dass es nicht erstrebenswert scheint, Priester zu werden. Von daher denke ich, wir als Laien - und damit meine ich auch die Pastoralreferenten - sollten von den Priestern einfordern, dass sie ihre Aufgaben wahrnehmen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Anonym: Du schreibst, als würden Priestern diese Aufgaben "weggenommen". Dabei handelt es sich bei den von dir beschriebenen doch um solche, die mit dem Priestersein nicht direkt zu tun haben, auch wenn eine zeitlang Priester meinten, sie tun zu müssen. Oder sie können sie aus Zeitmangel gar nicht mehr leisten.

      Wortgottesdienste beispielsweise sind eine eigene Gottesdienstform, sie brauchen keinen Priester, Beerdigen ebenfalls nicht, abgesehen von einem Requiem o.ä..

      Krankenkommunion würde in unserer Region zu 100% wegfallen, wenn ein Priester dafür zu Verfügung stehen sollte, eine intensive Trauerbegleitung ebenfalls, wenn nicht Diakone und andere Hauptamtliche dies übernehmen würden. Pro Trauergespräch werden ja durchaus incl. Fahrzeit 3-4 Stunden gebraucht. Das 5, 6-mal die Woche, wie soll das einer alleine schaffen? Dann noch Kommunion- und Firmkatechese pro Kirchort mehrere Gruppen, wie soll das gehen? Oder soll es zurückgehen zu Großgruppentreffen mit Frontalunterricht? Das kann niemand ernsthaft wollen!

      Die Leute, die offiziell eine Aufgabe übernehmen, sei es als Kommunionkatechetin oder Lektorin, sind alle geschult, und versehen ihren Dienst oft mit offizieller bischöflicher Beauftragung wie z.B. die Kommunionhelfer und die mit Beerdigungen Beauftragten.

      Etwas, das ausdrücklich nur von einem Priester gemacht werden dürfte wie die Sakramentenspendung (ausgenommen Taufe und Eheassistenz, die Diakone übernehmen können) wird kein Laie übernehmen, ich finde auch kein Beispiel in deiner Aufzählung.

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.