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Samstag, 20. April 2013

"Versuchung Fundamentalismus": Wer liest mit?

Diese Woche bin ich auf das Buch von Hermann Häring: "Versuchung Fundamentalismus" (Gütersloher Verlagshaus, München 2013, 176 Seiten, 17,99 €) gestoßen und nach dem Lesen der ersten Seiten ganz begeistert von seiner Analyse! Auf Deutschlandradio Kultur findet sich eine sehr gute Rezension über dieses Buch.

Hermann Häring setzt sich darin u.a. kritisch mit dem Pontifikat Benedikts auseinander. Nun sehe ich Papst Benedikt und die Kirchenentwicklung der letzten Jahre ja ebenfalls äußerst kritisch, was es wahrscheinlich macht, dass mir das Buch gefallen wird. Wie aber liest und empfindet das jemand, der oder die weniger reformaffin ist als ich, der oder die sehr glücklich war mit den letzten acht Jahren?

Bevor ich mich weiter in das Buch vertiefe deshalb die Frage an meine werte Leser_innenschaft: Hat vielleicht jemand von euch, der oder die die katholische Kirche durch eine andere Brille sieht als ich, Lust, dieses Buch ebenfalls zu lesen und in einen ggf. blogübergreifenden Austausch darüber einzusteigen? Eine kleine Leseprobe zum Reinschnuppern (Inhaltsverzeichnis und 4,5 Seiten Text) steht schon einmal hier.

 
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Kommentare:

  1. Fundamentalismus wird definiert als Angst- und Abwehrreaktion auf die Moderne....Sehr einseitige Definition, die in sich auch schon wieder fundamentalistisch ist: denn implizit wird ja gesagt, dass die Moderne etwas unbedingt zu bejahendes ist bzw. dass den unfehlbaren Postulaten der Moderne gläubiger Gehorsam zu leisten ist- ansonsten ist man angstgetrieben. Kann mir kaum ein Urteil über das Buch erlauben, aber folgt man der Rezension und der darin wieder gegebenen Definition, blendet der Mann die Hälfte des Problems einfach aus. Auch schon wieder ein Fundamentalismus.
    Ich hab's hier glaube ich schon mal geschrieben: die (fundamentalistischen) Salafisten lehnen Rasierapparate ab, weil der Prophet keine kannte. Bei uns lehnen die "Fundis" die Bischofsresidenz oder den BMW des Bischofs als unjesuanisch ab. Von zwei sehr unterschiedlichen Standpunkten aus wird ein gegenwärtiges Phänomen kritisiert, indem man ihm eine Rückprojektion (oder eine Projektion in die Zukunft) entgegensetzt. Der Fundamentalismus liegt also in der Struktur des Denkens, weniger im Gegenstand. Man kann auch ein fundamentalistischer Modernist sein. Nur anhand der Rezension zu urteilen: der Autor hat in den Spiegel geschaut- nur Fundamentalisten können ein dezidiertes Ausrufezeichen hinter Kapitelüberschriften setzen wie: "Die Unfehlbarkeit auf den Prüfstein!".

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    1. Es gehört zur grundsätzlichen Definition von "Fundamentalismus", dass er als eine Gegenreaktion auf die Moderne verstanden wird. Siehe z.B. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Fundamentalismus oder die Essener Sekten-Info: http://www.sekten-info-essen.de/texte/fundamentalismus.html

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    2. Alex: "Fundamentalismus wird definiert als Angst- und Abwehrreaktion auf die Moderne....Sehr einseitige Definition, die in sich auch schon wieder fundamentalistisch ist"

      Amaleo: "Es gehört zur grundsätzlichen Definition von "Fundamentalismus", dass er als eine Gegenreaktion auf die Moderne verstanden wird. Siehe z.B. Wikipedia."

      Das hat Potential zur Realsatire...

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    3. @Geistbraus: Zeig mir einfach eine andere Definition!

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    4. Ich bleibe dabei: unter Fundamentalismus im Allgemeinen verstehe ich ein Beharren auf den Grundannahmen der eigenen Weltanschauung, was letztlich jeden zum Fundamentalisten seiner eigenen Weltsicht macht. "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" sagte mal ein Fundamentalist im etymologischen Sinn des Wortes. Ich bezweifle gar nicht, dass Antimodernisten fundamentalistisch sind. Nur sind es Antitraditionalisten auch, weil sie sich in fundamentaler Opposition zur Tradition befinden. Dass, wie aus dem unten verlinkten PDF hervorgeht, der Autor des Buches Referate bei diesem Verein hält und die Leute als seine Mitstreiter bezeichnet, zeigt, wie sehr er antitraditionalistischer Fundamentalist ist. Man muss halt nur dies und das modernisieren, dann wird alles endlich gut. Wo ist denn da der strukturelle Unterschied zum Denken der Piusbrüder- man muss nur dies und das wieder traditionalisieren, dann wird alles gut? Ich kann ihn nicht sehen. Letztlich beklagen beide Seiten doch die mangelnde Anschlussfähigkeit des Katholizismus an eine moderne, saturierte Massengesellschaft. Die einen meinen, man müsse nur alle Schleusen öffnen, die anderen meinen, man müsste nur alle Schoten dichtmachen, dann rennen uns die Leute die Bude ein. Was in beiden Fällen eine utopische Träumerei ist. Deswegen finde ich, dass man utopistische Projektion als differentia specifica bei der Definition von Fundamentalismus mal erwägen sollte, um ihn von anderen Formen des Extremismus oder des Dogmatismus abzugrenzen und sinnvoll darüber diskutieren zu können. Dass jemand Unbehagen empfindet an der Moderne, kann doch nicht reichen, um ihn derart zu labeln.

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    5. "Bisher ist offen, ob der Begriff Fundamentalismus zu mehr taugt als zu Polemik." - So ein treffendes Zitat aus dem Wikipedia-Eintrag. Warum die Definition von Fundamentalismus als "Angst- und Abwehrreaktion vor der Moderne" wenig taugt? Weil der "Fundamentalismus" selbst ein genuin modernes Phänomen ist - denn die Moderne an und für sich gibt es nicht, die Moderne ist nicht derart einsinnig, wie die Definiton suggeriert, andernfalls wäre die Moderne ja selbst "fundamentalistisch". Was wiederum zeigt, dass mit diesen Begriffen nichts Gescheites anzufangen ist.

      CHB

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    6. @Anonym: Das Zitat, auf das du verweist, steht in dem kurzen Kapitel "Weitere Begriffsverwendung" und warnt vor einer gewissen Beliebigkeit im Gebrauch des Begriffes. Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen, um damit die eigene Position zu begründen, geht eigentlich immer ...

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    7. Keine Ahnung, was Du mir damit sagen willst. Ich jedenfalls will sagen, dass der Begriff "Fundamentalismus" recht beliebig verwendet wird, und dieser Beliebigkeit entgeht auch die Definition Härings nicht. Es ist in meinen Augen einfach fahrlässig, Papst Benedikt mit protestantischen Biblizisten in einen Topf zu werfen. Wie dem auch sei: Aus dem unten verlinkten Referat habe ich schon den Eindruck gewonnen, dass Häring mit enorm dicken Pinsel hantiert, ja enorm grobsinnig, ein "doctor subtilis" ist er einfach nicht. Man mag von Benedikt XVI. / Joseph Ratzinger halten, was man will, man mag seine Theologie und sein Pontifikat kritisieren - aber dafür dann doch ein Minimum an Differenzierung aufbringen.

      CHB

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  2. Liebe Ameleo,

    da bin ich mit dir gespannt, ob welche mitmachen. - Ich lese durch die gleiche Brille
    wie du.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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  3. Leider habe ich momentan keine Zeit das Buch selber zu lesen. Finde den Ansatz, zwei unterschiedliche Leser dranzusetzen aber sehr gut.

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  4. Danke für den Buchtipp! Ich hatte es noch nicht entdeckt! Ich kenne Häring und lese ihn gerne!
    Grüße zum Sonntag,Ulla

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  5. Das ist sicher eine gute Idee. Bloß nachdem ich mir die Leseprobe und insbesondere das Referat (http://www.wir-sind-kirche.de/files/1708_GR%20H%E4ring_Glaube_und_Vernunft.pdf), auf dem das Buch nach Aussage Härings beruht, angeschaut habe, ist mein Interesse, das gesamte Buch zu lesen, enorm gesunken, wenn nicht erloschen. Mich spricht das überhaupt nicht an, und mir scheint, dass das wenig damit zu tun hat, wo ich mich kirchenpolitisch situiert bin. Es würde ja vielleicht ausreichen, zunächst über dieses Referat zu diskutieren.

    CHB

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    1. Auf das Referat ausdrücklich hinzuweisen ist sicher eine gute Idee. Als Diskussionsgrundlage finde ich es schwierig, da Häring es zu den "Grenzen" seines Buches zählt. Der Vortrag hatte eine ganz klare, sehr eng umschriebene Zielgruppe vor Augen, da ist das Buch allgemeiner gehalten und als ausdrücklich als "Streitschrift" verstandene Diskussionsgrundlage besser geeignet.

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