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Montag, 27. Mai 2013

Ist die katholische Kirche frauenfeindlich?

Nein, es geht mir hier nicht um die Frage der Weihe. Auch nicht um die institutionalisierte Anteilhabe an Entscheidungsmacht. Zumindest nicht an zentraler Stelle. Hier geht es mir um das alltägliche Miteinander, um die Rolle von Frauen in der Kirche, wie sie wahrgenommen und be- bzw. abgewertet wird, in meinem Alltag glücklicherweise eher selten, immer wieder aber auf sogenannten "katholischen" Seiten, in Nachbarblogs und vereinzelt auch in meinem Kommentarbereich.

Denn die Kirche besteht zu allererst aus dem Volk Gottes, aus Menschen, nicht aus Strukturen. Aus Menschen, die miteinander ihren Glauben leben, feiern und weitersagen. Männer wie Frauen übernehmen dabei je nach unterschiedlicher Begabung und aus verschiedensten persönlichen Gründen an vielen Orten mehr oder weniger Verantwortung für das kirchliche Leben: im Alltag, bei der Arbeit, in Politik und Familie, in der Gemeinde in der Lehre, der Verkündigung und der Liturgie.

Sie lassen sich in Gremien wählen, leiten Arbeitskreise oder sind Mitglieder von solchen, sorgen sich um die Blumen am Altar, sowie die Sauberkeit von Kirchraum und Pfarrgarten, stehen beim Pfarrfest hinterm Grill, der Theke und am Buffet, bilden Ministrant_innen aus und Gruppenleiter_innen, begleiten Kinder- und Jugendgruppen, besuchen Kranke und Neuzugezogene, bereiten Familiengottesdienste vor oder übernehmen die Rolle von qualifizierten und offiziell beauftragten Wortgottesdienstleiter_inne_n, Lektor_innen, Kommunionhelfer_innen oder Katechet_innen, führen Seelsorgegespräche, beerdigen, stellen sich Anfragen der Öffentlichkeit und vieles mehr.

Manchen gefällt das nicht. Sie trauern einer Kirche hinterher, die es so nicht mehr gibt. Einer Kirche, in der klar war: eigentlich macht der Pfarrer alles selbst. Nun müssen sie sich mit vielen qualifizierten aber unbezahlten Verantwortlichen, dazu auch noch auf gleiche oder ähnliche Weise wie ein Priester ausgebildeten hauptberuflichen Gemeinde- und Pastoralreferent_innen auseinandersetzen. Da wird dann schon mal lautstark der Unmut kundgetan.

Gegen wen aber richtet sich diese Kritik in der Hauptsache? Wo wäre zu hören oder lesen: der Lektor sei zum Ambo stolziert, habe dort eine Show abgezogen und nur sich selbst in den Mittelpunkt gestellt, der Kommunionhelfer würde sowas von unwürdig die Kommunion austeilen, der Wortgottesleiter habe nur die eigenen Ideen verbraten und die Katecheten hätten ja so einen kindischen Kram im Familiengottesdienst veranstaltet, dass man am liebsten sofort gegangen wäre?

Wenn diese Dinge angeprangert werden, handelt es sich in der Regel um Frauen, denen Inkompetenz und Selbstdarstellung in diesen Dingen nachgesagt wird. Wird kritisiert, lese ich von "Kommunionmüttern" oder bestenfalls Katechetinnen, Wortgottesleiterinnen und Kommunionhelferinnen, vielleicht auch Pastoral- oder Gemeinde-referentinnen. Ganz schlimm scheint zu sein, wenn Frauen in diesen Diensten ihre Frau- und Weiblichkeit ins Spiel und ins Gebet bringen, ihre Formen der Gottesbeziehung, gar ihre Leiblichkeit. Das geht dann für einige Richtende überhaupt nicht!

Wenn Laienverantwortung ver- und abgeurteilt wird, dann zielt die vernichtende Kritik in der überwiegenden Mehrheit auf Frauen. Männer schießen auf Frauen und Frauen auf Frauen. Ehrenamtliche oder hauptberufliche Männer geraten da eher selten ins Schußfeld, es sei denn, es handelt sich um in der Öffentlichkeit stehende Personen. Daher gewinne ich den Eindruck, dass Frauen in kirchlichen Handlungsfeldern von vorneherein kritischer betrachtet und wesentlich schneller verurteilt werden. Nach dem Motto: Steht vorne eine Frau, geht ganz schnell die Klappe runter!

Da, wo sich Mitglieder der katholischen Kirche bevorzugt Frauen gegenüber so überheblich und abwertend verhalten und wo ein solches Verhalten geduldet und nicht in Schranken gewiesen wird, dort, wo Frauen das Recht abgesprochen wird, sich mit ihren Begabungen in allen Bereichen zu engagieren und sich für ihre 50% Beteiligung und Mitsprache in der Kirche einzusetzen, da halte ich die katholische Kirche nicht für frauenfeindlich und frauenverachtend, da ist sie es! Das ist dann zwar nicht die katholische Kirche, aber es ist eine nicht zu vernachlässigende Größe in ihr, der wesentlich nachdrücklicher und entschiedener Einhalt geboten werden müsste!

Und ja: auch Frauen können sich durchaus anderen Frauen sehr verächtlich, anmaßend sogar feindselig gegenüber verhalten, und manche tun es leider auch.


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Kommentare:

  1. Ich nehme Deinen letzten Satz auf, weil ich genau das leider gleich 3 Mal hintereinander so erlebt habe. "Frauen tun das leider auch!"
    Und nocheinmal "leider": Es waren alle drei Erlebnisse mit Frauen die "in der Kirche" gearbeitet haben. Unglaublich viel Macht wurde von den Damen ausgeübt. Ich war bei einer dieser Frauen und bin es noch immer GESCHOCKT. So eine Position und so viel Kälte, Macht ....

    viele Grüsse
    Elisabeth

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  2. Liebe Ameleo,

    das ist ja das Traurige:
    Menschen, die sich für christlich halten, verhalten sich
    nicht besser als andere, die offiziell nicht glauben.

    Da kann ich Bücher schreiben.

    Viel Kraft wünscht dir
    Elisabeth

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  3. Hm. Da bin ich auch schon schuldig geworden. Ich weiß nicht genau, ob ich über Frauen gelästert habe, also im Text nur die -innen aufgezählt waren. Es ist aber sehr gut möglich.
    Es gibt da so eine Bereitschaft aufeinander ein zu hacken bei Frauen. Es bedarf viel Achtsamkeit, da nicht einfach mitzumachen. Meiner Ansicht nach ist das aber auch ein Zeichen, dass Frauen immer noch die anderen sind. Also das eigentlich wirklich wahre the real thing wären die Männer, aber, da nun mal woanders engagiert oder wegen der wichtigen Dinge des Lebens ohne Zeit, engagieren sich (gewissermaßen die nachrangigen) Frauen.

    So empfinde ich das schon.

    Kein Mann würde in unserer Gemeinde sich um Kommunionkinder kümmern. Oder Familiengottesdienste vorbereiten. Oder die ökumenischen Wortgottesdienste mitgestalten.
    Interessant auch: In unserer Gemeinde gibt es erst seit wenigen Jahren Lektoren und Kommunionhelfer. Ich vermute stark, dass kommt, weil die Diakone verstorben sind und die jetzigen nicht ausreichen. Mehrere Jahre lang haben sich nur Frauen gefunden. Die Lektoren und Kommunionhelfer sind durch die Bank sehr jung.

    Umgekehrt ist Messdienerausbildung Männersache. Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat ebenfalls. Langsam aber kommen die Frauen nach.
    Wie dort gehackt und gekuschelt wird, keine Ahnung.

    Alles in allem in Christus alle gleich? Kann ich nicht so sehen.
    Aber ich hoffe doch, dass wir alle auf den schwierigen Weg des achtsameren, respektvollen Umgangs miteinander einbiegen. Mir scheint, dass unser Papst das auch anmahnt.

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    1. Sie treffen den Nagel auf den Kopf, wenn Sie feststellen, "dass Frauen immer noch die anderen sind". Die "Anderen" sind die, die uns Angst machen, die wir nicht verstehen,von denen wir uns bedroht fühlen, auf die wir all das abladen können, was wir bei uns selber nicht mögen. Die "Anderen", das sind die Migranten, die Roma, die Juden, die Muslime, die Homosexuellen und eben auch die Frauen.

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  4. Mir fällt auf, dass einiges von dem, was Du hier anführst, nicht spezifisch "katholisch" ist, sondern ein gesellschaftliches Problem überhaupt. Kritik an Frauen, ob berechtigt oder nicht, aber auch Lob und Anerkennung werden häufig an deren Frausein festgemacht. Bei kaum einem Manager wird lobend erwähnt, dass er gut aussieht oder Kinder hat, bei einer Frau in vergleichbarer Position wird aber mit Sicherheit ihre Attraktivität (falls zutreffend)angeführt und die Tatsache, dass sie Mutter von drei Kindern ist. Umgekehrt geht Kritik an einer Frau fast immer mit einer Abwertung ihrer Person, ihres Aussehens oder ihrer weiblichen Attribute einher. Das heisst: Frauen werden in unserer Gesellschaft immer noch aus einer (archaischen) Männerperspektive betrachtet (die sich im Übrigen auch viele Frauen selbst zu eigen gemacht haben!).
    In der katholischen und den orthodoxen/orientalischen Kirchen ist diese Sicht auf die Frau besonders ausgeprägt und Frauen werden hier auch theologisch abgewertet. Etwa wenn Erzbischof Müller von der römischen Glaubenskongregation argumentiert, Frauen könnten nicht ordiniert werden, weil der Priester in der Eucharistie Christus repräsentiere. Das heisst doch wohl, dass Gott nicht Mensch geworden ist, sondern Mann.

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  5. Ich möchte mich der Analyse von Arnold insoweit anschließen, dass wir es mit einem allgemeinen gesellschaftlichen Problem zu tun haben. Wir leben, Emanzipation hin oder her, in einer Gesellschaft patriarchalen Zuschnittes. Unsere ganze Kultur ist darauf ausgerichtet und selbst bei einer stabilen Entwicklung hin zu mehr Gleichheit wird es Jahrzehnte wenn nicht Jahrhunderte dauern, bis sich das ändert. Und eine solche stabile Entwicklung bezweifle ich.

    Leider sind wir nämlich auf einem Irrweg, was die Frauenemanzipation angeht (meiner Meinung nach). Wir wollen nämlich Emanzipation erzwingen. Dazu wird ein moralischer Druck aufgebaut, indem Frauen als Opfer wahrgenommen werden. Das ist aber ein patriarchales Schema, indem der armen Frau etwas eingeräumt wird, was sie selber nicht kann. Wie sagte mal ein Kommilitone zu mir: Eine Emanze ist eine, die wegen eines sexistischen Witzes zur Frauenbeauftragten rennt. Eine Emanzipierte witzelt zurück.

    Um den Bogen zur Kirche zu kriegen. Es gibt frauenfeindliche Gruppen in der Kirche! Das sei hier mal gesagt und das muss sich ändern. Aber was ist eigentlich frauenfeindlich? Ist es Frauenfeindlich, wenn ich eine arrogante Kommunionspenderin, die sich in Albe und Schal als Semipriesterin gibt und großtuerisch durch die Kirche marschiert, nicht leiden kann? Ich denke nicht. Denn dann gehen mir ja ihre Eigenschaften, nicht ihr Frausein auf den Geist. Das gleiche passiert aber auch einem Mann, Beispiel mein Heimatbischof Tebartz-van Elst, dem man jeden cm Spitzenbesatz als barockfürstlich auslegt. Was aber ist nun frauenfeindlich? Wenn ich jemanden nur oder primär wegen des Frauseins anfeinde. Unter dieser Maßgabe fällt die Quote aber geringer aus, wenn sie auch noch hoch genug ist.

    Was können wir dagegen tun? Ich als Mann sollte die Frau als jemanden wahrnehmen, der selber handelt und aktiv ist, und das nicht von mir zugebilligt bekommen braucht. Und die Frau sollte aufhören, sich als Opfer zu geben, sondern selbstbewusst auftreten, sich ihrer eigenen Qualitäten bewusst. Denn das ist die einzige Sprache, die man(n) in dieser patriarchalen Gesellschaft respektiert.

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    1. Ihr Satz von der "arroganten Kommunionspenderin" ist ja schon sehr vielsagend. Eine Frau, die mit Albe und Schal (Stola?) bekleidet zur Kommunionspendung schreitet, wirkt großtuerisch. Tut ein männlicher Kommunionspender das gleiche, ist es der Würde des Sakraments angemessen?
      Sie beschreiben hier nicht das Verhalten einer Frau, sie bewerten es gleich mit zwei abwertenden Adjektiven und machen ihr zum Vorwurf, sich eine Stellung anzumassen, die ihr, weil sie eine Frau ist, nicht zusteht. Ja, das ist frauenfeindlich.
      Nun halten Sie mich aber nicht für den grossen Frauenversteher. Auch ich habe meine frauenfeindlichen An- und Ausfälle, nur äussern sie sich halt in anderen Situationen.

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    2. @Arnold:
      Um ihre Frage zu beantworten: Bei Männern sehe ich das kein bisschen anders. Ich kenne genug Kommunionspender und auch Ministranten, die sich für ziemlich wichtig halten - ich hab das mitunter sicherlich auch - und das auch nach außen während der Messe sehr nachdrücklich kommunizieren. Was ich auch nicht gut finde. Aber gut, dann bin ich dann eben auch männerfeindlich und hätte alle abgedeckt.

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    3. Wie bei der Sexismusdebatte kommt auch hier wieder sofort das Argument: "Aber bei Männern gibts das auch!" Das wird der Sache nicht gerecht. Denn die Frage ist, was in der Öffentlichkeit hauptsächlich kommuniziert wird - unabhängig davon, wer sich nun unangemessen verhält.

      Schließlich gibt es auch Priester und Ordensleute, die sich im Gottesdienst überheblich und arrogant verhalten (und so fürchterliche Dinge von sich geben, dass manchmal Flucht die einzige Möglichkeit ist, weil wir keine Kultur des öffentlichen Widerspruchs im Gottesdienst entwickelt haben). Scheint ihnen aber zugestanden zu werden. Ist aber ebenfalls nicht das Thema hier.

      Warum wird eine Frau, die selbstbewusst auftritt, von dir, MC, gleich als arrogant bewertet? Warum wird sie in Albe, die in manchen Gemeinden leider für liturgische Dienste verlangt wird, gleich als "Semipriesterin" abqualifiziert? (Abgesehen davon, dass sie eventuell ja wirklich eine gute Priesterin sein könnte. Aber auch das ist hier nicht das Thema.) Dahinter steht für mich ein überholtes Frauenbild von einer, die schön im Hintergrund bleibt, sich aber keineswegs auf die Weise, die von Männern erwartet(!) wird, in der Öffentlichkeit profiliert. Diese Zeiten sind unwiderruflich vorbei! - Auch wenn, darin stimme ich Armand zu, dies noch lange nicht an allen Ecken unserer Gesellschaft angekommen ist.

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    4. @Ameleo:
      Habe ich gesagt, dass ich was gegen selbstbewusste Frauen habe? Ich glaube nicht. Sondern was gegen arrogante. Ich denke, da gibt es einen Unterschied, so wie es auch arrogante Männer gibt. Habe ich gesagt, das jede Albe sie zur Semipriesterin macht? Ich glaube auch nicht. Ich kenne Messdienerinnen mit Albe, die hätt ich nie so bezeichnet, ebensowenig wie unsere Pastoralreferentin, wenn sie neben unserem Pfarrer auf der Sedile sitzt. Aber hier scheint das Schema abzulaufen: Er sagt was gegen eine Frau, er ist frauenfeindlich. Das könnte mich jetzt persönlich verletzen. Denkt mal darüber nach, vllt. trifft man das nächste mal einen sensibleren Mann.

      Wenn man mir nebenbei vorwerfen will, ich darf eigentlich gar nicht über einen Menschen innerlich zu Gericht sitzen, ja das stimmt. Da bekenne ich mich schuldig und das tut mir auch leid.

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    5. @MC:
      Dich persönlich zu verletzen war nicht meine Absicht. Sorry!

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  6. Die katholische Kirche ist nicht frauenfeindlich, sie ist zutiefst frauenverachtend. Aber all das kommt auf die Kirche zurück. Sie hat in den letzten 400 Jahren immer mehr an weltlicher und geistlicher Macht verloren und wird noch mehr verlieren, bis sie irgendwann ganz in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird.

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  7. Es gibt unterschiedliche Priester. Die übelsten Sprüche kommen offensichtlich von Frauen selber, wie damals bei der Frauenbewegung.Der Damenclub bei uns hat dafür gesorgt, dass bis 2010 Mädchen nicht Messdiener werden durften. Andererseits sind die Männer in der Kirche dann doch die Handelnden.Manche haben Angst..viel zu manche...und Vieles in der Männerkirche schludert halt vor sich hin. Dann wird vom Altar aus gejammert, wir könnten doch die Frauen an den Altar lassen, aber dabei bleibt es. Die katholische Kirche mit all ihren Verstrickungen und ihrer besonderen Identität muss bei Null anfangen, bevor eine Frau, die was auf sich hält, da einen Platz überhaupt haben w i l l.Eine Frau, die bei der Weihe auf dem Boden liegt, dem Kardinal oder sonstwem das Blaue vom Himmel verspricht und ihm dann wie oft üblich hinterher bei passender Gelegenheit hintenherum den Dolch gibt..kann i c h mir nicht vorstellen. Aber ich kenne eine ganze Reihe Priester, die so gehandelt haben. Wenn wir uns in diese Machenschaften eingliedern, wären wir w i e d e r die Dummen.

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