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Freitag, 17. Mai 2013

Noch mal zur Frauendiakonatsdiskussion

Einen Hinweis auf einen interessanten Artikel zum Thema Diakoninnen hatte ich vor längerer Zeit hier im Kommentarbereich versprochen und kam der Diskussion dann kaum noch hinterher. Besonders MC und Volker Schnitzler haben sich mächtig ins Zeug gelegt und sogar eigene Posts (MC hier und hier, Volker Schnitzler hier) auf ihren Blogs geschrieben. Mir scheint, sie haben quasi stellvertretend die beiden Hauptpositionen übernommen, die zu diesem Thema diskutiert werden. Davor habe ich großen Respekt! Das Thema der Weihe von Frauen zu Diakoninnen und anderen kirchlichen Ämtern ist auf keinen Fall ein einfaches, schon gar nicht in der römisch-katholischen Kirche. Danke für alles Nachdenken, Nachhaken und Argumentieren!

Was kann ich dem noch hinzufügen? Ist nicht schon alles, wiederholt gesagt worden? Einige Texte sind mir in den letzten Tagen besonders aufgefallen. Mein Erkenntnis leitendes Interesse war dabei, gezielt relevante Texte zu finden, die sich nicht gegen die Weihe von Frauen oder sogar dafür aussprechen.

Inzwischen gibt es auf das Frauendiakonat befürwortenden Seiten sogar Argumentationshilfen für die Auseinandersetzung mit den Gegener und Gegnerinnen, denn erfahrungsgemäß werden immer wieder die gleichen Argumente vorgebracht.

Diese Argumentationshilfen sind allerdings unterschiedlich sachlich formuliert. Sehr gut gefällt mir die übersichtliche pdf "Frauen ins Amt in der Kath. Kirche?" von Anneliese Hecht, die auch Artikel für das katholische Bibelwerk schreibt. Sie hat eine Reihe üblicher Argumente gegen das Amt für Frauen zusammengestellt und erwidert sie kompetent mit Gegenargumenten. Die Behauptungen sind an der einen oder anderen Stelle auch auf diesem Blog oder anderen bereits vorgebracht worden:
Gegenüber dieser kraftvollen Argumentation wirken die Dokumente der kfd eher blass. Allerdings ergänzt eines den biblischen Befund um eine knappe historische Übersicht über die Entwicklung des Frauendiakonats bis heute.

Bezüglich der Kirchengeschichtsschreibung weist das Dokument "Kirchenmütter und ihre Töchter. Biblische Frauen im frühen Christentum. Eine Herausforderung für uns heute." der Frauenseelsorge in Bayern auf die wenigen Quellen hin, also auf die besondere Schwierigkeit, überhaupt an Informationen über Frauen in der (Kirchen-)Geschichte zu kommen:
Frauen sind meist nur dann Gegenstand der Kirchengeschichte, wenn sie sich besonders hervorgetan haben, z.B. als Martyrerinnen, Schwestern oder Mütter heiliger Männer, selten Töchter dieser Männer, als Ordensmitglieder/Ordensgründerinnen oder Herrscherinnen. Es ergibt sich die Frage: Wer schreibt Kirchengeschichte und mit welchem Interesse? (S. 5)
Die wenigen Quellen, die es gibt, sind so umso bedeutsamer!

Eine breite theologische und historische Argumentation für das Diakonat von Frauen liefert erwartungsgemäß auch die Seite vom "Netzwerk Diakonat der Frau". Am umfassendsten zeigt sich allerdings die zentrale Seite "Womenpriests" - auch mit Texten auf deutsch. Wer eine ausführliche Diskussion und Auseinandersetzung mit "römischen Argumenten" sucht, wird hier in aller Breite fündig.

Bereits vor einiger Zeit hatte sich auch Bloggerkollege Gerd Häfner mit dem Thema der Diakoninnen auseinandergesetzt und in zwei Artikeln (hier und hier) den biblischen Befund umfassend analysiert. Besonders im zweiten Blogpost geht er auf die mögliche Rolle des soziokulturellen Umfeld ein, mit dem sich die ersten Gemeinden auseinandersetzen mussten und auf vermutlich notwendige Anpassungsleistungen, denen - mit meinen Worten - die Frauen zum Opfer fielen, um von eben diesem Umfeld  anerkannt zu werden. Ich zitiere:
Offensichtlich ist in dieser Zeit (Anfang bis Mitte des 2. Jh.) der Anpassungsdruck auf die Gemeinden gewachsen. Die Christen werden als Sonderlinge betrachtet und können allerlei Verdächtigungen ausgesetzt sein – in 2Tim 3,12 scheint dies unter dem Stichwort der Verfolgung kurz auf. Auf diese Situation reagieren die Pastoralbriefe nicht mit Rückzug, sondern mit einer offensiven Strategie: Die Verkündigung des Evangeliums, des universalen Retterwillens Gottes soll nicht dadurch eingeschränkt werden, dass die Christen den gesellschaftlich akzeptierten Verhaltensmustern widersprechen. Die Pastoralbriefe sind bereit, die patriarchale Ordnung auch für die Aufgabenverteilung in der Gemeinde zu übernehmen und so, um des Evangeliums willen, paulinische Tradition neu zu gestalten.
Sehr spannend finde ich daneben auch zwei Dokumente, die aus einem ganz anderen als dem katholischen oder feministischen Umfeld stammen, nämlich aus der evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz von Alfred Ehrensperger: "Die Ausbildung frühchristlicher Dienste und Ämter" und "Hausgemeinden und die Stellung der Frauen im frühchristlichen Gottesdienst". Er beschreibt darin Beispiele für den leitenden Dienst von Frauen in den frühchristlichen Hauskirchen, sowie die Entwicklung der zunächst charismatischen Ämter und geht auch auf das Schweigegebot in 1 Kor 14 ein. In dem Dienste-Text kommt er zu dem Schluss:
Die Ausschließung von Frauen von irgend einem Amt in den Gemeinden lässt sich für das 1. Jahrhundert nirgends nachweisen; dies gilt ausdrücklich auch für die Ämter der Apostel und Bischöfe. Erst in den Pastoralbriefen beginnt eine gewisse Patriarchalisierung der Kirche, die dann durch einzelne apokryphe Quellen, z. B. die Ignatiusbriefe oder den ersten Clemensbrief, noch verstärkt wird. (S.2)
Dass sich Frauen in diesen Ämtern auf Dauer nicht durchsetzen konnten, begründet er in gleicher Weise wie Antje Schrupp und allen zuvor aufgeführten Autor_innen ebenfalls mit sozialen und politischen Anpassungsprozessen:
Wahrscheinlich unter dem sozialen Druck der Umwelt, und später in der Auseinandersetzung mit dem Montanismus und der Gnosis, wurde die Unterordnung der Frauen gegenüber einer wachsenden „Männerkirche" immer stärker betont: ... (S. 6) 
Seine Dokumente belegt Alfred Ehrensperger mit langen Literaturlisten, in denen sich auch etliche Autoren aus der katholischen Kirche finden. Was ich nicht einschätzen kann, ist, welche offizielle Bedeutung der Autor innerhalb der (reformierten) Theologie hat.

Auf die zweifelsohne bestehende und nicht bedeutungslose Gefahr, dass neutestamentliche Texte für das eine oder andere Anliegen, also gezielt für oder gegen Frauen als Diakoninnen und in anderen Weiheämtern, vereinnahmt werden sollen, verweist Thomas Söding in seinem Vorlesungsskript "Eine Kirche für alle. Ekklesiologie des Neuen Testaments". Der Anspruch wissenschaftlicher Exegese müsse es sein, sich keinem befürwortenden oder ablehnenden Interesse zu unterwerfen sondern die Texte jenseits desssen zu betrachten. Zur Rolle der Frau bezüglich der Ämterfrage kommt Thomas Söding mit dem so formulierten Anspruch allerdings ebenfalls zu dem Schluss:
Der Ausschluss der Frauen aus dem kirchlichen Leitungsamt (vgl. 1Kor 14,34ff) wird (in 1Tim 2,12 ‐15; vgl. 2Tim 3,6f)) mit einer fragwürdigen Genesis‐Exegese begründet, hat aber wohl mehr mit dem Renommee der Gemeinde bei den Nichtchristen und ihrer Vertretung nach außen zu tun (1Tim 3,7). (S. 22)
Zusammengefasst scheint es unstrittig zu sein, dass Frauen in den frühchristlichen Gemeinden diakonale und Gemeinde leitende Ämter übernommen haben. Mit dem heutigen Amtverständnis sind diese sehr frühen nur schwer zu vergleichen. Allerdings sind auch die von Männern damals übernommenen Ämter genauso wenig mit den heutigen vergleichbar. Das heutige Amtsverständnis hat sich erst über die Jahrhunderte entwickelt und sich dabei immer wieder verändert, weil es sich geänderten Umständen angepassen musste.

Ebenfalls unstrittig scheint zu sein, dass kulturell-politische Gründe die Ursache dafür waren, dass sich die ursprünglich gleichberechtigte Stellung von Frauen in diesen frühchristlichen Gemeinden nicht weiter tradieren konnten. Unsere heutigen kulturellen Bedingungen böten so gesehen eine hervorragende Voraussetzung, an die Ursprünge unseres Kircheseins, in dem sich - wie in allen Anfangserzählungen - das Wesenhafte in aller Deutlichkeit zeigt, anzuknüpfen und zu einer Gleichbehandlung von Frauen und Männern in allen kirchlichen Ebenen zurück zu kehren.

  
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Kommentare:

  1. Ich danke für die umfassende Linkliste. Da hab ich doch die nächste Zeit gut was zu lesen.

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  2. Ein in diesem Zusammenhang grundlegendes Dokument darf nicht unerwähnt bleiben:

    http://www.stjosef.at/dokumente/antwort_auf_dubium_ordinatio_sacerdotalis.htm

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    1. Sorry, wenn ich ein wenig flapsig auf diesen Hinweis antworte: Das letzte "Argument", wenn wir uns früher als Kinder stritten und uns die inhaltlichen Begründungen ausgingen war: "Aber Papa/Mama hat gesagt!" Ein letzter mehr oder minder hilfloser Versuch, die eigene Position zu untermauern, die letztlich nur heißt: "Ich will aber nicht, egal ob noch so viel gegen mich spricht."

      Wie viele "verbindliche" lehramtliche Äußerungen es gibt, weiß der Hl. Geist allein. Bei manchen war es sicher gut, dass sie irgendwann einmal schlicht vergessen wurden.

      Außerdem kennt selbst die katholische Dogmatik die historische Bedingtheit lehramtlicher Äußerungen. So antworte ich auf der gleichen "Aber Papa/Mama hat auch gesagt!"-Ebene:

      „Was diese Geschichtlichkeit angeht, muss zunächst bedacht werden, dass der Sinn, den die Glaubensaussagen haben, teilweise von der Aussagekraft der zu einer bestimmten Zeit und unter bestimmten Umständen angewandten Sprache abhängt. Außerdem kommt es bisweilen vor, dass eine dogmatische Wahrheit zunächst in unvollständiger, aber deshalb nicht falscher Weise ausgedrückt wird und später in größeren Zusammenhängen des Glaubens und der menschlichen Erkenntnisse betrachtet und dadurch vollständiger und vollkommener dargestellt wird. Ferner will die Kirche in ihren neuen Aussagen das, was in der Heiligen Schrift und in den Aussagen der früheren Überlieferungen schon einigermaßen enthalten ist, bestätigen oder erhellen, sie pflegt dabei aber zugleich an die Lösung bestimmter Fragen und die Beseitigung von Irrtümern zu denken. All dem muss man Rechnung tragen, um jene Aussagen richtig zu deuten. Schließlich unterscheiden sich zwar die Wahrheiten, die die Kirche in ihren dogmatischen Formeln wirklich lehren will, von dem wandelbaren Denken einer Zeit und können auch ohne es zum Ausdruck gebracht werden; trotzdem kann es aber bisweilen geschehen, dass jene Wahrheiten auch vom Lehramt in Worten vorgetragen werden, die Spuren solchen Denkens an sich tragen.“

      Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung „Mysterium ecclesiae“ zur katholischen Lehre über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtümer von heute vom 24. Juni 1973, Nachkonziliare Dokumentation 43, Trier 1975, Nr. V, S. 147 f.

      Und nun?

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  3. Ich muss Sie korrigieren: Wie viele lehramtliche Äußerungen es gibt, weiß nicht nur der heilige Geist allein. Die Lektüre des sogenannten "Enchiridion Symbolorum", in theologischen Kreisen auch bekannt als "Denzinger/Hünermann", gibt einen genauen Überblick über lehramtlich verbindliche Dogmen seit dem 2. Jahrhundert.

    Auf die von Ihnen vorgebrachte Argumentationsfigur "Mama/Papa hat gesagt ..." möchte ich mich nicht weiter einlassen - eben gerade weil gemäß des katholischen Verständnisses die ex cathedra-Äußerungen des Lehramtes nicht allein auf Mama oder Papa zurückgehen.

    Auch das von Ihnen vorgestellte Zitat aus "Mysterium ecclesiae - Zur katholischen Lehre über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtümer von heute" widerspricht in keiner Weise dem von mir verlinkten Apostolischen Schreiben ORDINATIO SACERDOTALIS.

    Denn MYSTERIUM ECCLESIAE sagt ausdrücklich: "Ferner will die Kirche in ihren neuen Aussagen das, was in der Heiligen Schrift und in den Aussagen der früheren Überlieferungen schon einigermaßen enthalten ist, bestätigen oder erhellen, sie pflegt dabei aber zugleich an die Lösung bestimmter Fragen und die Beseitigung von Irrtümern zu denken."

    Da Ordinatio sacerdotalis die jahrhundertealte Lehre des Weihevorbehalts für Männer nicht etwa korrigiert, sondern aktuell diese Lehre in die Gegenwart hinein überträgt und ganz und gar bestätigt, sehe ich in dem von Ihnen vorgebrachten Zitat keinen Widerspruch, sondern vielmehr eine komplementäre Untermauerung des von mir in die Diskussion eingebrachten Dokuments.

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    1. Kleine Korrektur Ihrer Ansicht über den Denzinger/Hünermann: Auch die dortige Sammlung ist keine vollständige!

      Und noch eins: Sollte der Weihevorbehalt für Männer tatsächlich als schon immer existent behauptet werden, bedeutete dies, die frühchristlichen Gemeinden würden aus dieser Tradition herausfallen. Sie sprächen unseren Urahnen im Glauben damit den rechten Glauben ab. Ist das Ihr Anliegen?

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  4. Da ich nicht davon sprach, dass der Weihevorbehalt von Männern "schon immer existiert" habe, darf ich mich ausnahmsweise einmal selbst zitieren: "Da Ordinatio sacerdotalis die JAHRHUNDERTALTE Lehre des Weihevorbehalts für Männer nicht etwa korrigiert, sondern aktuell diese Lehre in die Gegenwart hinein überträgt und ganz und gar bestätigt, ..."

    Entscheidend ist also, dass der - natürlich unter geschichtlichen Bedingungen entstandene - Weihevorbehalt durch die kirchliche Autorität als zum Wesen des Priestertums gehöriges Element definiert wurde. Dadurch, und darin liegt die Sinnspitze von Ordinatio Sacerdotalis, bildet der Weihevorbehalt ein zwar geschichtlich ausgeformtes, aber eben nicht mehr in der Geschichte abänderbares Proprium katholischen Amtsverständnisses ab.

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  5. Ordinatio sacodotalis formuliert kein Dogma. Das sollte man bedenken.

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    1. @Anonym II (22. Mai 2013 06:41)
      @Ameleo

      "Es handelt sich um eine volle definitive, d.h. unwiderrufliche Zustimmung zu einer von der Kirche unfehlbar vorgelegten Lehre."
      "In diesem Fall bekundet ein Akt des ordentlichen päpstlichen Lehramtes, der in sich selbst nicht unfehlbar ist, den unfehlbaren Charakter der Darlegung einer Lehre, die die Kirche schon besitzt",
      so die Glaubenskongregation zu der Lehre in ORDINATIO SACERDOTALIS.
      http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19951028_commento-dubium-ordinatio-sac_ge.html

      Der von @Ameleo zitierte Text aus MYSTERIUM ECCLESIAE bestätigt genau dies. Weiterhin zitiert MYSTERIUM ECCLESIAE aus dem I. Vatikanum:

      »Fide divina et catholica ist all das zu glauben, was im geschriebenen oder überlieferten Gotteswort enthalten ist und von der Kirche in feierlicher Lehrentscheidung ODER DURCH DAS ORDENTLICHE UND ALLGEMEINE LEHRAMT als göttlich geoffenbart zu glauben vorgelegt wird«.

      Papst Johannes Paul II. entzieht damit ausdrücklich (s. OS) diese Frage der Diskussion und stellt fest, dass es sich um eine unfehlbare Lehre (Dogma) handelt, das zur Glaubenshinterlage (depositum fidei) gehört.
      Die Gläubigen guten Willens folgen dem Lehramt, dem der Beistand des Hl. Geistes zugesagt ist, in dankbarem Glaubensgehorsam, da diese Lehre authentischer Glaube der Kirche ist. Wer diese Lehre nicht akzeptieren will, schließt sich damit aus der Glaubensgemeinschaft der Kirche aus.

      Also ist die ganze Diskussion, die hier und anderswo über die Spendung des Weihesakramentes für Frauen geführt wird, sinnlos und überflüssig. Widmen wir uns also der Neuevangelisierung, statt einer andauernden Jagd nach eigenen Wunsch-Forderungen, die ohnehin unerfüllt bleiben werden.

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    2. @Frischer Wind:
      Ex cathedra wurde diese Lehre allerdings nicht verkündet, weswegen sich die Gelehrten bis heute drum streiten, welche Bedeutung diese Äußerung von Johannes Paul II tatsächlich hat. Er wird gewusst haben, warum er diese Äußerung nicht mit mehr Klarheit getätigt hat!

      Ungeklärt bleibt in diesem Zusammenhang, wie die frühchristlichen Gemeinden, in denen es nun mal Diakoninnen gegeben zu haben scheint, zu bewerten sind: Haben sie es einfach nicht besser gewusst damals? Mit anderen Worten: Waren sie damals zu dumm? Oder haben sie nicht richtig auf die Stimme der Kirche gehört? Sind daher diese Frauen und alle, die ihnen damals die Hände aufgelegt haben, posthum zu exkommunizieren? Wieso beantwortet niemand diese Fragen?

      Da außer dem Argument: "Papst Johannes Paul II hat mal gesagt ..." alle anderen entkräftet zu sein scheinen, habe ich den Eindruck, hinter dem Satz "Die Kirche kann Frauen nicht weihen" steht eigentlich die eher trotzige Haltung von "sie will nicht weihen" - warum auch immer.

      Und übrigens: Wer nicht über die Weihe von Frauen reden/schreiben möchte, kann es auch einfach sein lassen und tun, was er oder sie stattdessen für richtiger hält. Zu diesen Personen gehöre ich allerdings nicht.

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  6. Kardinal Joseph Ratzinger, als er noch nicht Papst war, schrieb zu diesem Dokument in einer theologischen Fachzeitschrift: "Ist das nun ein
    Dogmatisierungsakt? Darauf ist zu antworten, daß der Papst keine neue
    dogmatische Formel setzt ... In der Fachsprache müßte man sagen: Es handelt sich um einen Akt des ordentlichen Lehramtes des Papstes, nicht um eine feierliche Definition 'ex cathedra' ... ." (Internationale katholische Zeitschrift "Communio" 4/1994, S. 342).

    Es ist kein Dogma! Frischer Wind ist zu widersprechen!

    Ich zitiere Herrn Küppers (Kommentar Lectio brevior), der es auf den Punkt bringt

    Um Missverständnisse und etwaige Gewissenskonflikte auszuschließen, ist angesichts der Darstellung des anonymen Kommentators die Art der Verbindlichkeit von "Ordinatio Sacerdotalis" (1994) etwas präziser zu beleuchten.

    Diesem Apostolischen Schreiben zufolge hat die Kirche keinerlei Vollmacht, Frauen zu weihen, weil dies im Einvernehmen aller Bischöfe in Geschichte und Gegenwart niemals geschehen ist und auch Jesus und die Apostel keine Frauen geweiht haben.

    Ausgeschlossen ist für den Gläubigen damit die Vorstellung, es sei der Kirche aus rein disziplinarischen Erwägungen heraus heute ohne Weiteres möglich, die alte kirchliche Praxis zu ändern, einfach weil wir sie nicht mehr zeitgemäß finden. Einer solchen Einstellung erteilt der Papst eine Absage, und darin müssen wir ihm folgen.

    Entscheidend ist also der geschichtliche Auftrag Jesu und dessen Umsetzung in der Tradition der Kirche. Auf diesen "Vorrang der Geschichtlichkeit" weist auch der Theologe Joseph Ratzinger immer wieder hin.

    Der Papst hat 1994 bewusst nicht die für unfehlbare Akte übliche Formulierung gewählt. Das geschah wohl aufgrund eines 1976 erstellten Gutachtens der päpstlichen Bibelkommission, das zu dem Schluss kam, es gebe für die Ablehnung der Frauenordination keinen Schriftbeweis.

    Die Unfehlbarkeit der Lehre von der Unmöglichkeit der Frauenordination liegt also darin begründet, dass es „immer schon“ von der Kirche so praktiziert wurde. Papst Johannes-Paul II. hat dies "endgültig" lehramtlich festgestellt. Diese "endgültige" Feststellung an sich ist aber selbst nicht unfehlbar.

    In diesem Sinn erläuterte diesen Sachverhalt auch Kardinal Ratzinger in seinem 1996 veröffentlichten ersten Interviewbuch mit Peter Seewald (dort auf S. 171-174 nachzulesen, der Buchauszug ist auch bei kath.net online abrufbar).

    Auch eine offiziöse Erklärung des Vatikans im Osservatore Romano hielt fest, dass in diesem Fall "ein in sich nicht unfehlbarer Akt des ordentlichen päpstlichen Lehramts" den unfehlbaren Charakter einer Lehre „attestiert“ (bestätigt), "die schon im Besitz der Kirche ist". Das Gleiche bestätigen führende Dogmatiker (allen voran H.J. Pottmeyer in seinem Aufsatz "Auf fehlbare Weise unfehlbar?" in den Stimmen der Zeit (Heft 4, April 1999).

    Daran ändert auch die 1998 eingeführte kirchenrechtliche (und prinzipiell auch strafbewehrte) Pflicht nichts, derartigen "endgültigen" Lehräußerungen als Katholiken zuzustimmen (can. 750 §2 CIC).

    Wir haben dem Papst demzufolge in seiner Lehre zuzustimmen, dass die Kirche den Auftrag Jesu und die überkommene kirchliche Praxis nicht eigenmächtig ändern darf. Sollte sich dagegen herausstellen, dass die Kirche die Frauenordinationsfrage in der Geschichte doch nicht immer so gehandhabt hat, hätte der Papst sich bezüglich dieser historischen Tatsache eben geirrt (was kein Problem darstellt) und sein Statement wäre schlicht und einfach überholt.

    Ein historischer (oder biblischer) Gegenbeweis bleibt also selbstverständlich möglich; es ist nicht verboten, seriös zu forschen und zu diskutieren. Das unfehlbare Lehramt legt keine historischen Fakten fest, sondern es stützt seine Aussagen auf die vom Papst als sicher angenommene Faktenlage. Sollte sich (wider Erwarten) erweisen, dass die vom Papst angenommene Faktenlage unrichtig war, bindet seine Aussage aber natürlich nicht mehr.

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    1. @Anonym 22. Mai 2013 18:05
      Ich frage mich, ob Sie meinen Kommentar gelesen haben...

      Selbst wenn es sich nicht um eine "ex cathedra"- Verkündigung handelt, wie ich oben vermerkt habe, so handelt es sich hier um einen „klaren Lehrakt des Papstes, der ausdrücklich an die ganze katholische Kirche gerichtet ist“ und dem alle Gläubigen ihre Zustimmung zur darin enthaltenen Lehre zu geben haben. Das entspricht dem Begriff des Dogmas.

      Herrn Küppers ist darin zuzustimmen, dass er darlegt, dass die vorgelegte Lehre für den Gläubigen verpflichtend anzunehmen und ihr zu folgen ist.

      Nicht zuzustimmen ist Herrn Küppers in folgenden Punkten:

      1. Die Aussage Küppers: „Der Papst hat 1994 bewusst nicht die für unfehlbare Akte übliche Formulierung gewählt. Das geschah wohl aufgrund eines 1976 erstellten Gutachtens der päpstlichen Bibelkommission, das zu dem Schluss kam, es gebe für die Ablehnung der Frauenordination keinen Schriftbeweis“ ist eine reine Unterstellung und Spekulation, der das Dokument OS selbst sowie die Dokumente der Glaubenskongregation widersprechen.

      2. Die Aussage: „Entscheidend ist also der geschichtliche Auftrag Jesu und dessen Umsetzung in der Tradition der Kirche. Auf diesen "Vorrang der Geschichtlichkeit" weist auch der Theologe Joseph Ratzinger immer wieder hin“ ist falsch.

      So wird z. B. in den Dokumenten INTER INSIGNORES und OS 2 wie auch in der Erklärung „Zur Antwort der Glaubenskongregation“ darauf hingewiesen und betont, dass in dieser Frage nicht mit der Geschichtlichkeit und soziologischen und kulturellen Gründen argumentiert werden kann, sondern über solche Begründungen hinausgehend „hinreichende Gründe dafür vorhanden sind, daß die Tradition die vom Herrn getroffene Wahl (Anm.: nur Männer zu Priestern zu weihen) als für die Kirche aller Zeiten bindend ausgelegt hat.“ Christus hat also, so in OS 2 nachzulesen, so gehandelt, „ohne sich nach den herrschenden Sitten und nach der auch von der Gesetzgebung der Zeit gebilligten Tradition zu richten".

      Die Unfehlbarkeit der Lehre von der Unmöglichkeit der Frauenordination liegt also EBEN NICHT nur darin begründet, dass es „immer schon“ von der Kirche so praktiziert wurde, sondern es werden theologische bzw. ekklesiologische Gründe angeführt (s.d.).

      Der „Vorrang der Geschichtlichkeit“ ist hier also nicht maßgeblich.

      3. Das Zitat aus „Salz der Erde“ von 1996, S. 171-174 bringt zu dieser Frage keinen Hinweis.

      Die von Küppers angeführte „offiziöse Erklärung des Vatikans im OR“, die eine Erklärung der Glaubenskongregation ist, habe ich bereits oben zitiert und verlinkt.

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    2. @Ameleo
      Wie nun könnte die Klarheit der Aussage von OS noch gesteigert werden? Die Formulierung von Johannes Paul II. in OS lautet:

      „Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenenorts für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu. Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“

      Wer das abtut als „Papst Johannes Paul II hat mal gesagt ...", macht sich damit nicht glaubwürdiger.

      Tatsächlich enthält diese Aussage alle Kriterien eines Dogmas, wenn es auch nicht auf feierliche Weise verkündet wurde sondern nur vom ordentlichen päpstlichen Lehramt und wenn auch die Verkündigung selbst nicht unfehlbar ist, so steht doch fest, dass Johannes Paul II. eine unfehlbare Lehre bestätigt und verkündet hat. Diesen seinen Willen hat er unmissverständlich ausgedrückt.

      Die von Papst Johannes Paul II. gebilligte und zu veröffentlichen angeordnete Antwort der Glaubenskongregation auf einen Zweifel bzgl. der Lehre von OS vom 28.10.1995 lautet:

      „Zweifel: Ob die Lehre, die im Apostolischen Schreiben Ordinatio sacerdotalis als endgültig zu haltende vorgelegt worden ist, nach der die Kirche nicht die Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, als zum Glaubensgut gehörend zu betrachten ist.
      Antwort: Ja. Diese Lehre fordert eine endgültige Zustimmung, weil sie, auf dem geschriebenen Wort Gottes gegründet und in der Überlieferung der Kirche von Anfang an beständig bewahrt und angewandt, vom ordentlichen und universalen Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist…“

      Klarer geht’s nicht.

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    3. @Frischer Wind

      Ihnen ist deutlich zu widersprechen. Sie verstehen weder die Aussagen Ratzingers noch Küppers. Ratzinger betont, dass es KEIN Dogma ist! Die Kritik der Theologie ist ja gerade, dass die Lehre auf einem Traditionsargument beruht, wie auch Ratzinger betont. Es gibt keinen Schriftbeweis, weil die 12, die von Jesus eingesetzt wurden, und die Apostel eben nicht identisch sind. Und die Entwicklung der Ämter in der frühen Kirche vom Lehramt nicht berücksichtigt wurde. Es gab mehr Apostel als nur die 12. Hier weist die Argumentation des Lehramtes bedenkliche Schwächen auf. Ein Dogma müsste nach der Lehre der Kirche in der Offenbarung gründen, dies ist aber mit der Bibel nicht zu machen, wie die Päpstliche Bibelkommission unterstrich. Dogmatisieren kann das Lehramt aber nur Lehren, die in der Verbindung von Schrift und Überlieferung in der Offenbarung gründen. Deshalb definiert OS auch nur die VOLLMACHT der Kirche in dieser Frage. Küppers sagt richtig, dass neue Erkenntnisse über Frauen in der frühen Gemeinde, historische bzw. biblische Erkenntnisse, zu einer Präzisierung der Lehre führen könnten. Ihre zuletzt zitierte Antwort der GK unterstreicht das Problem: das "geschriebene Wort Gottes" enthält keinerlei Hinweise, die den Ausschluss der Frauen rechtfertigen würde. Wo sollte dieser Schriftbeweis sein? Sind die Experten der Bibelkommission blind oder dumm? Das Lehramt hat sich mit dieser Lehre in eine schwierige Lage manövriert... Es gab Rücktritte aus der Bibelkommission, weil hier willkürlich argumentiert wurde.

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  7. Mir scheint, inzwischen dreht sich die Diskussion im Kreis. "Das Lehramt hat sich mit dieser Lehre in eine schwierige Lage manövriert..." trifft nach meiner Ansicht den Nagel auf den Kopf. Es wird sich selbst dort heraus holen und ggf. zugeben müssen, nicht ganz exakt gewesen zu sein.

    Da ich mit keinen neuen Argumenten rechne und die Diskussion inzwischen nur noch einzelne zu interessieren scheint, schließe ich die Kommentare an dieser Stelle. Das Thema wird sicher an anderer Stelle wieder zur Sprache kommen. Danke an alle fürs Miteinanderringen!

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