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Montag, 10. Juni 2013

Auf Sand bauen - gegen die Fluten

Während die einen rund um Passau schon aufräumen, kämpfen die anderen nicht nur im Raum Magdeburg gerade in diesen Stunden gegen die zerstörerischen Wassermassen und wieder andere in Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben all das noch vor sich: eine unbeschreiblich mächtige Flutwelle. Die schlimmen Regenfälle der vergangenen Wochen haben Flüsse wie die Donau und die Elbe zu solch reißenden, vernichtenden Strömen anschwellen lassen, wie es sie in der Erinnerung noch nie gegeben hat.

Bei den Hochwasserbildern im Fernsehen oder auf Facebook denke ich immer wieder an Psalm 69: "Hilf mir, o Gott! Schon reicht mir das Wasser bis an die Kehle. Ich bin in tiefem Schlamm versunken und habe keinen Halt mehr; ich geriet in tiefes Wasser, die Strömung reißt mich fort." und natürlich an Noahs Arche und die Sintflut.

Es sind in den vergangenen Jahren massive Fehler im Hochwasserschutz gemacht worden, darauf verweisen die vielen aktuellen Sendungen und Zeitungsartikel. Seit langem ist klar, dass die Fluten immer höher steigen und in der Häufigkeit zunehmen werden. Trotzdem wurde den Flüssen nicht durch Schaffung von Poldern mehr Raum gegeben. Trotzdem wurden nur an manchen Stellen die Deiche erhöht, zurückgebaut oder neue mobile Schutzwände angeschafft. Nicht nur an Elbe, Weser und Ems wird sogar um Vertiefungen gestritten - aus wirtschaftlichen Gründen, was allerdings die Fließgeschwindigkeiten und damit die Überschwemmungsgefahr noch weiter erhöhen wird. All das rächt sich nun. Nur sind die Leidtragenden - wieder einmal - nicht diejenigen, die diese Entscheidungen getroffen und notwendige Schutzmaßnahmen haben schlampen lassen, sondern die Anwohner_innen der Hochwasser führenden Flüsse.

Und wieder wird vermutlich auch aus diesem Rekordhochwasser nichts gelernt werden: spätestens wenn alle Hilfskräfte abgezogen sind und der Schlamm aus Häusern und Straßen entfernt wurde, wird die Flut aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sein und nach den Wahlen erweisen sich wieder einmal sämtliche Versprechen allein als egoistische Wahlwerbung. Bis zur nächsten Flut. Das macht mich wütend!

Enorm ist allerdings die Hilfsbereitschaft. Ob in Passau, Magdeburg oder Hitzacker: überall sind neben Bundeswehr, Feuerwehren und THW ungezählte Freiwillige Tag und Nacht auf den Beinen. Sie helfen bei Evakuierungen, räumen mit auf und bauen auf Sand, genauer auf das Akuthilfsmittel der Wahl: den Sandsack. Es wird geschippt, geschnürt, geschleppt und verladen ohne Ende. Alles in der Hoffnung, den Deichen etwas mehr Höhe und vor allem mehr Stabilität zu geben, damit sie dem enormen Druck und vor allem dem langen Hochwasserscheitel standhalten können. So wenig, wie man sein Haus auf den buchstäblichen Sand bauen sollte, in Hochwasserzeiten ist er als 1. Hilfe so nützlich wie nichts anderes. In Säcke gefüllt hält er zusammen und Wasser ab, hat ein gutes Gewicht, kann gut transportiert und flexibel verarbeitet werden.

40 km lang soll der Scheitel der Flut lang sein. Ausgerechnet 40! Die 40 ist eine biblische Zahl. Ein unvorstellbar langer Zeitraum verbirgt sich hinter diesem symbolischen Ausdruck. Unvorstellbar lang wird das Wasser stehen bleiben und gegen die Deiche drücken. Mit 40 Tagen wird auch die Dauer der Sintflut beschrieben, bis die Wasser zurückgingen. "40 Tage" verbrachte Jona im Bauch des Fisches, "40 Jahre" dauerte der Exodus. 40 km lang wird das Wasser der Elbe "wie eine Mauer" stehen. Gibt es ein "Hindurchgehen" wie es die Israeliten mit Mose durch Gottes Hilfe erfuhren? Vielleicht für die, die verschont bleiben, sicher nicht für die Geschädigten.

Mit der biblischen 40 ist allerdings immer auch die Chance zu einer Wandlung um 100%, zu einem totalen Neuanfang verbunden. Für viele Menschen wird auch die jetzige Flut zu einem Neuanfang werden, notgedrungen, weil sie vor dem Nichts stehen werden, vor der Zerstörung von allem, was sie einmal hatten. Ich kann und will mir nicht vorstellen, wie schlimm sich dies anfühlen muss!

Aber es wäre zynisch, diesem Neuanfang für die Flutopfer auch nur irgendetwas Positives abgewinnen zu wollen. Ein Neuanfang ist vielmehr von der Politik gefordert. Dringend! Damit nicht nur Banken gerettet werden, sondern auch persönliche Existenzen. Damit endlich die richtigen Entscheidungen getroffen und konsequent umgesetzt werden. Denn auf Sand bauen kann, auch wenn er aktuell das Mittel der Wahl ist, nur eine kurzfristige Notlösung sein! Ein Dummkopf, so wussten die Menschen schon in biblischen Zeiten, wer dauerhaft darauf setzt!


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1 Kommentar:

  1. Liebe Ameleo,

    ein ausgezeichneter Beitrag!

    Herzliche Dankesgrüße

    Elisabeth

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