ACHTUNG: Zur Zeit gibt es bei Blogger Probleme mit dem Internet Explorer. Videos können beispielsweise nicht angesehen und Kommentare nicht abgeschickt werden. Bitte in diesem Fall einen anderen Browser wie z.B. Firefox benutzen!

Sonntag, 14. Juli 2013

Der Samariter und Maria

Wieder einmal war das Evangelium vom "Barmherzigen Samariter" dran. Wie schon in Kindergottesdiensten, dem Religionsunterricht, der Kommunion- und Beichtvorbereitung, der Firmkatechese, auf Bildungsveranstaltungen, im Studium und eben in unzähligen Gottesdiensten.

Ausgelutscht kommt mir diese Bibelstelle vor. Von allen Seiten betrachtet, nix Neues mehr, der Appell von vorneherein klar: Werde anderen zur Nächsten. Jede Predigt und Auslegung ist absehbar, da gibt es nur geringe Nuancen. Vielleicht wird mal mehr auf die Rolle der Samariter damals eingegangen. Langweilig. Und unbefriedigend. Wenn in dieser Erzählung mal Sprengstoff gewesen sein soll, dann ist der verpufft oder von langer Kellerlagerung feucht und unentflammbar geworden.

Außerdem kommen ausschließlich Männer drin vor: ein fragender Schriftgelehrter, Jesus, ein Reisender, Räuber, je ein Priester, Levit, Samariter und ein Gastwirt. Wenigstens eine Wirtin hätte drin vorkommen können, um Frauen eine Möglichkeit zur Identifikation zu geben!

Oder sind wir etwa gar nicht gemeint mit dieser Erzählung? Spannend ist, dass sich unmittelbar an diese Erzählung eine reine Frauengeschichte anschließt, wenn man einmal von Jesus absieht: die Erzählung von der (hier plakativ formuliert) emsigen Marta und der hörenden Maria.

Wir Frauen neigen erfahrungsgemäß eher dazu, (zu) viel zu tun, uns (zu) schnell zu kümmern, wo jemand Hilfe benötigt und multitaskingfähig mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen bzw. erledigen zu wollen. Kann es sein, dass Lukas beide Erzählungen bewusst so angeordnet hat um (zu) viel denkenden Männern den nötigen Tritt zu geben und (zu) viel herum wirbelnde Frauen zu bremsen? Allerdings sind das ja extreme Klischees! Andere Vorurteile besagen, dass Frauen eher (zu) viel reden und Männer statt vieler Worte lieber zupacken.

Schade, dass die Erzählung vom zupackenden Samariter und der hörenden Maria nicht im Zusammenhang vorgelesen werden. Dann hätte ich als Zuhörende eine breitere Auswahl zu überlegen, was ich grade brauche: den Tritt zu mehr Handeln oder die Bremse zu mehr Hinhören.

Oder kennt jemand noch einen weiteren, die Langeweile aus der Erzählung nehmenden Zugang zu ihr?


Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Ich fand die Beobachtung ganz fein, dass der Samaritaner den Überfallenen nicht mit zu sich nach Hause nimmt, sondern dem Wirt Geld für die Pflege gibt. Könnte ja heissen: Hilf, aber kenne auch Deine Grenzen dabei. Wenn ich insbesondere pflegende Frauen auf dieses Detail der Geschichte aufmerksam mache, dann merke ich spürbares Aufatmen.

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Ameleo,

    es ist und bleibt schwierig, weil man alles verschieden
    deuten kann.
    Gerade die abgegriffenen Texte sind am schwersten zugängig.

    Sonnige Sonntagsgrüße
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  3. Oft liest man die Stelle unter der Frage: Wer sollen wir sein? Ich habe diese Stelle mal meditiert und dabei vier verschiedene Zugänge gefunden unter der Frage: Wer bin ich?
    Antwort: Der Samariter, der Überfallene, die Vorbeigehenden und die Räuber. Jeweils ein bisschen von allem.

    AntwortenLöschen
  4. Ich mußte heute während der Predigt auch dauernd an "Maria und Marta" denken, weil der Prediger (mal wieder) die Nächstenliebe/-hilfe besonders überbetonte. Gottlob hat er sich kurz gefasst.


    »Nur eins ist nötig…«

    AntwortenLöschen
  5. Die Geschichte lässt sich doch gut aktualisieren. Der Samariter ist eben der von den etablierten Rechtgläubigen Angefeindete, der Protestant, der Geschiedene, der Homosexuelle, der Moslem etc. Ich finde die Geschichte genial! Obwohl keine Frau vorkommt ;-) die könnte übrigens auch der Samariter sein ;-) Bischöfe, Priester, Diakone gehen vorbei, sie aber bleibt stehen und lässt sich vom Leid des Opfers anrühren :-)

    AntwortenLöschen
  6. Also, ich finde, die Geschichte ist vielleicht auf den ersten Blick "ausgelutscht", beinhaltet aber doch eine der Forderungen, die doch sehr schwer zu verwirklichen sind: ICH soll so handeln wie der Samariter! Unwichtig, wer mit den "anderen" gemeint ist (@anonym: wie billig und bequem, gleich wieder alles Böse auf die heutigen "Bischöfe, Priester und Diakone" (und da am besten gleich ALLE!)zu beziehen! ICH bin ja soo viel besser - wirklich???)
    Und dann das gleichzeitig Tröstliche und Schwere: mein Nächster, das ist (nur) nicht der, der weit weg irgendwo in Armut lebt, sondern der, dem ich tagtäglich begegne, in meiner engsten Umgebung vielleicht, in der Familie, bei der Arbeit etc. Vielleicht ist er nicht immer gerade in der extremen Notlage wie der Überfallene - aber auch die "kleinen" Notlagen meiner Mitmenschen zu sehen, das wäre doch schon etwas. Oder?
    Die Geschichte "ausgelutscht, langweilig"? Wenn wir nur in einem Bruchteil der uns begegnenden Situationen als (Nächsten-)Liebende handeln würden, wäre unsere Welt schon so viel besser! Insofern kann man die Geschichte nicht oft genug hören...finde ich.

    AntwortenLöschen
  7. Obwohl diese Geschichte zu meinen absoluten Lieblingstexten gehört, gefällt es mir wie frei Sie damit umgehen. Hier bei mir in Frankeich, wo es ja viel weniger Religionsunterricht gibt, ist sie nicht ausgelutscht und es war mir sehr wichtig, dass meine Kinder sie kennen.
    In den meisten Predigten (auch heute wieder) wird sie so aktualisiert wie Anomym es vorschlägt, was ich auch wicctig finde (auch wenn es sich für Insider wiederholt)

    Heute hat unser Pfarrer auch einen Ausschnitt aus der Predigt des Papstes in Lampedusa, in dem der barmherzige Samariter vorkommt, vorgelesen. Ich glaube, dass das viele Gemeindemitglieder angesprochen hat(die Mehrzahl hat selbst Migrationshintergrund)

    Und zum Schluss noch ein paar persönliche Bemerkungen zu Ihrem interessanten Artikel über Kinderkrippen: als vor 20 Jahren meine älteste Tochter geboren wurde, spielte ich zunächst, typisch deutsh, mit dem Gedanken, zu Hause zu bleiben, was bei ausnahmslos allen auf grösstes Erstaunen stiess. Ich habe dann mit der Kiderkrippe sehr gute Erfahrungen gemacht und finde es schade dass so viele Frauen in Deutscland, weil ihnen ihr Beruf wichtig ist oft nicht die Kinderzahl haben, die sie sich eigentlich wünschen.
    Vielen Dank für diesn interessanten Blog, den ich regelmAssig lese.

    AntwortenLöschen
  8. Christiane Boltz15. Juli 2013 um 08:25

    Noch einen ganz anderen Blickwinkel - hörte ich mal in einer Predigt von einem sehr alten sehr gebildeten Theologen - nämlich einen Hintersinn, der sich auf das ganze, unter die Räuber gefallene jüdische Volk bezieht: Die eigentlich zuständige Geistlichkeit hilft dem Volk nicht, sondern Hilfe kommt aus dem Abseits. Die "Behandlung" besteht aus Öl und Wein, den alten göttlichen Gnadengaben, in medizinisch falscher, aber geistlich sinnvoller Reihenfolge. In revidierten Bibelausgaben ist dieser versteckte Hinweis auf eine tiefere Bedeutung (der Evangelist Lukas war Arzt und wusste, was er schrieb) leider teilweise verschlimmbessert und die Reihenfolge umgedreht. Der Samariter ist Jesus selbst, der sich akut kümmert und dann soviel Vorrat zurücklässt, dass es reicht, bis er "wiederkommt". Die biblischen Texter schrieben sehr bildhaft, symbolhaft, und jedenfalls oft viel tiefsinniger und intelligenter, als wir es aus unserer naiven Christensicht wahrnehmen.
    Bin neu auf dieser Seite - ganz toll! - und wollte mich eigentlich erst ein bisschen umsehen, aber das wollte ich doch rasch zum Thema beisteuern.

    AntwortenLöschen
  9. Jesus, das Signal Gottes ( eine Predigt von Pfr. R.B. aus S.)
    Es gibt einige Erzählungen in den Evangelien, die uns in Fleisch und Blut übergegangen sind. Das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter gehört dazu. Wie kann man darüber noch predigen, ohne sich zu wiederholen?
    Jesus, den man am liebsten ansteckungsfrei in den Tabernakel verbannen möchte, erzählt diese dramatische Geschichte hautnah und keinesfalls zum Vorteil des Klerus. Die beteiligten Personen könnten heute Pfarrer, Diakon und Kebab-Imbissbetreiber aus der Türkei heißen.
    Das wäre ja schon mal etwas. Denn aus dieser Geschichte, die bis heute zwischen Jerusalem und Jericho sogar bauliche Spuren hinterlassen hat, ist der besondere Anspruch Jesu herauszulesen. Wie lässt sich unser religiöses Bekenntnis zu diesem Jesus Christus aktuell mit dem Barmherzigen Samariter zusammenbringen?
    Vielleicht müssen wir erst einmal einen Schritt zurücktreten? Dann wird uns vorab dieses klar: Jesus identifiziert sich mit dem Ausländer. In der christlichen Tradition wird Jesus selber zum Samaritaner, jener von den Juden verachteten Völkergruppe rund um den Berg Garizim. Wie muss das in den Ohren der Rechtgläubigen geklungen haben?
    Für uns heute liegt das Problem tiefer, oder sagen wir besser: Deutlich früher. Es kann ja nicht ständig nur darum gehen, hinterher die Opfer von Gewalttaten zu versorgen. Es muss uns um die Verhinderung der Gewalt gehen; also eine Viertelstunde früher am Schauplatz des Geschehens zu sein. Darüber wird in unserer Gesellschaft noch viel zu wenig nachgedacht.
    Eine kleine Szene macht deutlich, was ich meine:
    Zwei Skinheads legen sich in einer vollbesetzten U-Bahn lautstark mit zwei Ausländern an. Alle im Abteil sehen, hören weg. Niemand schreitet ein. Als die Situation zu eskalieren und in Gewalt überzugehen droht, kriecht ein zehnjähriges Mädchen auf dem Boden zu den beiden Skinheads und verknüpft deren herunter hängenden Schuhbändel gegenseitig miteinander. Als die beiden mit geballten Fäusten auf die Ausländer zustürzen, stolpern sie über ihre Füße und fallen kräftig auf die Schnauze. Jetzt endlich werfen sich einige Männer auf die beiden und halten sie fest, bis die Polizei eingreifen kann.

    Jesus hat nicht für alles und jedes eine Lösung parat gehabt. Er überlässt es unserer Phantasie, unserem guten Willen und unserer Zivilcourage, wie wir in seinem Geist nach Lösungen suchen.
    In diesen Tagen kam aus Rom die Meldung, die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. stehe bevor. Eines ist gewiss: Jeder Heilige hatte seine Macken. Aber was sollen wir von diesem Papst halten, der einerseits eine schöne Enzyklika über die Barmherzigkeit geschrieben hat, andrerseits sich so unglaublich unbarmherzig gegenüber Wiederverheirateten zeigte, abstoßend gegen Homosexuelle, brutal gegen Priester, die ihr Amt aufgeben hatten und jahrelang auf eine Lösung ihrer Verhältnisse warten mussten, zum Leidtragen von Frau und Kindern.
    Priester, Bischöfe, die es – wie der Priester und Poet Nicaraguas Ernesto Cardenal – wagten, ihm zu widersprechen, hat er wie böse Schuljungen vor aller Augen abgekanzelt oder wie Bischof Jacques Gaillot als Bischof von Evreux seines Amtes enthoben, ohne ihm auch nur ein Wort der Verteidigung zu gewähren. Da gab es weder Gerechtigkeit geschweige denn Barmherzigkeit.
    Diese Linie der Unbarmherzigkeit ist übrigens auch Joseph Ratzinger gefahren. Die Liste der unter die vatikanischen Räuber gefallenen Frauen und Männer ist lang. Matthew Fox zählt für die letzten drei Jahrzehnte immerhin 99 Namen auf.
    Wenn Heiligsprechungen überhaupt einen Sinn machen sollen, dann dass die so ausgezeichneten Frauen und Männer Beispiele sein können für ein gelungenes Leben nach dem Evangelium, sich als barmherziger Samariter zu zeigen.

    Ich bleibe deswegen lieber bei dem Menschen Jesus, „der das Signal Gottes“ ist, und der, wie der evangelische Theologe Kierkekaard sagt, „in der Durchschnittlichkeit aufgepflanzt werden“ muss. Jesus macht das Göttliche vereinbar mit dem ganz gewöhnlichen Menschsein. Das lässt uns denken und handeln wie er.

    AntwortenLöschen
  10. @Regina: "Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken im eigenen Auge siehst du nicht" - hat Jesus das nicht auch gesagt? Gilt aber bei einigen nicht für Papst, Bischöfe und sonstige ungeliebte Mitglieder der ach so schlimmen "Amtskirche". Und wenn sie alle weg wären - würden WIR dann ein vorbildliches Beispiel der Barmherzigkeit geben? Nur wenn wir das bejahen können, können wir doch auch mit Recht andere in der Schärfe kritisieren.
    Auch wenn manche Vorwürfe ja durchaus berechtigt sein mögen, ich denke, man muss aufpassen, dass das Fehlverhalten anderer nicht zur Ablenkung und Ausrede für eigene, sicher auch vorhandene Defizite wird. Der (frühere) Papst, der Bischof usw. mögen manches falsch machen, aber das hindert mich doch nicht daran, es in meinem eigenen Umfeld besser zu machen. Wobei ich es auch schade finde, dass man bei "Amtsträgern" meiner Meinung nach zu wenig differenziert urteilt.
    Viele Grüße
    Maria

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau darum ging es ja in der Predigt, Maria: Es selber besser zu machen. Und trotzdem ist die Kritik berechtigt, denn z.B. so eine Heiligsprechung setzt Maßstäbe, die eine bestimmmte Wirkung haben (sollen). Und wenn dieser Maßstab falsch ist, ist auch die Wirkung, das Zeichen selbst also, fatal !

      Löschen
  11. Also wir hatten eine ganz wundervolle Predigt von unserer Gemeindeleiterin: Für sie war der Samariter "die Frau in der Kirche" und damit eben die Paria der römischen Kirche, und nur sie ist in der Lage, der Männerherrschaft zu hintergehen und nur sie tut das richtige, während der ganze Priesterpopanz vorübergeht. Wir sollten uns einmal eine dieser Fronleichnamsprozessionen früher vorstellen hat sie gemeint, und uns fragen, ob man da wohl angehalten hätte, wenn einer fast tot am Straßenrand gelegen hätte. Das hätte aber den Klerus damals nicht interessiert, sondern nur wir Frauen tun etwas, wo die anderen nur heucheln!!!

    AntwortenLöschen
  12. Da sind ja eine Menge, mir teilweise ganz neue Akzente, zusammen gekommen! Ich danke euch allen! Da gibt es jetzt wieder einiges Neues zum Nachdenken und Meditieren. Sorry, wenn ich momentan nicht differenziert auf einzelne Kommentare eingehe(n kann)!

    AntwortenLöschen
  13. Hier noch einige sehr bedenkenswerte wunderbare Gedanken dazu:
    http://einfachentfachend.wordpress.com/2013/07/14/halbtot-in-der-wuste/

    Toni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Deutung geht allerdings völlig am Text vorbei, in dem es an keiner Stelle um irgendeine Sünde oder Schuld des Opfers geht. Gerade mit Blick auf diejenigen, die heute "unter die Räuber fallen", auch innerhalb der Kirche, finde ich sie äußerst geschmacklos und lehne sie rundherum ab.

      Löschen
    2. Liebe Ameleo,

      stimme Dir voll und ganz zu ! Diese "Predigt" ist dermaßen arrogant und in echtem Wortsinn "unmenschlich" - man lese die Kommentare dazu ! -, dass mir nur speiübel wird. Papst Franz hätte sicherlich zu diesem Gleichnis aufrüherische Worte gefunden, die derartig kruden Assoziationen, wie die von Toni/Clamormeus zitierten und ihn scheinbar ja begeisternden, aus ganz anderer Sicht Einhalt geboten hätten. Selbstbeweihräucherung ist definitiv out ! Allerdings gibt es genügend innerkirchlichen Mist, den es zu entsorgen gilt. Unter diesen klerikal-hierarchisch-karriere-und-Machtgeilheit-Gierenden werden immer noch regelmäßig Menschen zu "Opfern" auf strukturell sündige und leider kirchenrechtlich "legale" Weise (und damit absolut gegen göttlichen Willen), ohne mit der Wimper zu zucken . Ganz legal unter einem "christlichen" Gesetz mit Stempel und Siegel. Amen.

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.