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Freitag, 12. Juli 2013

Kita für ganz Kleine

Ab August gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kleinkinder ab einem Jahr. Die Diskussion, ob es gut ist, Kinder in diesem Alter durch andere Menschen betreuen zu lassen, wird dann wieder entflammen. Sie lodert ja jetzt bereits wieder auf. Dann werden wieder Untersuchungen hervor gekramt, dass es den Kleinen schadet oder auch nicht, dass "Fremdbetreuung" eine Chance für sie ist oder eine Gefahr.

In bestimmten Kreisen wird wieder betont werden, dass NUR die enge Bindung und Betreuung durch die Mutter das Beste für Kinder in diesem Alter ist. Außerdem übernähmen Väter, die arbeiten gehen, Verantwortung für ihre Familie, während arbeitende Mütter sich ja nur selbst verwirklichen wollten. Ähm, ja, so kann man das wohl sehen.

Und: Familien, die mit Hartz IV aufstocken müssen, weil ein Einkommen nicht ausreicht, sollen doch bitte nicht weiter auf Staatskosten leben, sondern der zweite Elternteil möge auch arbeiten gehen. Gehen aber beide arbeiten und lassen ihr Kind in der Kita betreuen, vernachlässigen sie ihre Kinder. Außerdem schafft man sich ja kein Kind an (sic!), um es dann von anderen erziehen zu lassen. Ähm, auch dass kann man wohl so sehen.

Ich bin davon überzeugt, dass es viele gute Wege gibt, ein Kind "groß und stark" werden zu lassen. Das Vater-Mutter-Kind(er)-Familienmodell, das in vielen, gerade konservativen Kreisen favorisiert wird, ist kein besonders altes oder einzigartiges.

Immer schon gab (und gibt) es daneben andere Familien- und Erziehungsmodelle: da halfen/helfen Großeltern oder andere Verwandte mit bei der Erziehung oder die Kinder wurden/werden gar ganz in deren Obhut gegeben. Da gab es ältere Geschwister (meist Mädchen), die auf die kleineren Geschwister aufzupassen hatten und so oftmals auf Schulbildung verzichten mussten (wozu auch: Später heiraten die ja doch!). Da gab/gibt es Kindermädchen und Zugehfrauen, Aupairs und Babysitter, die zeitweise die Kinderbetreuung übernahmen und/oder übernehmen und keiner hat etwas dagegen. Da gab/gibt es staatliche, private und auch kirchliche Internate. Und es gab und gibt unbeaufsichtigte oder "Schlüssel-" Kinder, darunter auch sehr kleine.

Blickt man über den nationalen Gartenzaun, ist in vielen Ländern die Betreuung von Kindern außerhalb der engen Familiengrenzen selbstverständlich. Wider Erwarten sind diese anderen Länder (z.B. Frankreich) weder ausgestorben oder vom Aussterben bedroht, noch in Depression oder Gewalt versunken oder stehen am Rande des wirtschaftlichen Ruins. Wie machen die das, wo doch seit Jahren die Kinder angeblich durch die Fremdbetreuung vernachlässigt und unwiderruflich geschädigt werden?

Da scheint dieses Vorurteil offensichtlich ja widerlegt zu sein. Aber unsere Krippen und Tageseltern sollen plötzlich schädlich für die Kleinen sein??? Nein, nein, wird dann gesagt, DA sind die Verhältnisse ja ganz anders! Aber worin besteht denn dieser Unterschied, der die dort fremdbetreuten Kids immunisiert gegen die angeblich so schädigende Erziehung und Betreuung außerhalb der Familie?

Nichts gegen ein enges und liebevolles Familienleben, nichts gegen starke Bindungen von Müttern und Vätern zu ihren Kindern und nichts gegen viel Zeit miteinander. Selbstverständlich nichts gegen Familie! Was aber das Beste für die eigene Familie ist, muss den erwachsenen Menschen, die dort miteinander leben, lieben und ringen selbst überlassen werden.

Und dann entscheiden sich die einen eben dafür, dass nur ein Elternteil arbeitet und welcher oder wie sich Vater und Mutter bei der Erwerbsarbeit abwechseln. In anderen Familien werden beide arbeiten wollen oder müssen. Manche werden die Kinderbetreuung selbst übernehmen, andere privat organisieren, wieder andere öffentliche Einrichtungen in Anspruch nehmen oder nehmen müssen. Und die Gesellschaft trägt alle diese Entscheidungen mit und unterstützt die Familien mit der Bereitstellung und Überprüfung von qualifizierten Kinderbetreuungsangeboten wie Krippen, Kitas, Tageseltern und Co.

Zu den Zeiten, in denen die ältere Schwester wegen der Betreuung ihrer jüngeren Geschwister auf Schule und Ausbildung verzichten musste, will ich nicht zurück. Auch nicht zu den Zeiten, in denen Mütter faktisch und ungefragt alleinerziehend waren, weil die Väter alleine die wirtschaftliche Versorgung übernommen hatten und permanent abwesend waren. Und dauerhafte "Schlüsselkinder" will ich schon gar nicht. Deshalb "Ja" zur individuellen Entscheidungsmöglichkeit und dem Ausbau eines breiten Angebots an Betreuungsmöglichkeiten mit Tageseltern, Kita- und Krippenplätzen für alle, die sie wollen oder brauchen!


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Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,
    da stimme ich dir zu.
    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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  2. Und ich wünsche mir die gegenseitige Akzeptanz! Das Mütter die arbeiten gehen und Mütter die zuhause erziehen sich gegenseitig nicht in die Pfanne hauen ☺, sondern die Wahl des anderen akzeptieren und nicht schlecht machen. Jeder Mensch ist anders, jede Familie und deren Situation ist anders, jedes Kind ist anders. Lasst uns gegenseitig voneinander lernen und uns stärken, anstatt uns zu bekriegen und immer rechtfertigen zu müssen!
    LG von
    Claudia

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  3. Ich habe mich schon mit mehreren Frauen unterhalten, die in Krippen arbeiten. Sie sagen, es gebe vor allem zwei Probleme: 1. Das Kinder teils mit 3 Monaten in die Krippe kommen. 2. das durch den Krippenplatz Druck auf die Eltern ausgeübt wird, möglichst schnell wieder ins Berufsleben zurückzukehren.

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  4. Wie Du richtig sagst, ist es Aufgabe der Eltern zu entscheiden, wie sie die Kindererziehung und ihre eigene Berufstätigkeit regeln wollen. Es geht nicht darum, was generell am Besten und in Studien nachgewiesen ist- das wird alles den Einzelfällen nicht gerecht, die nur die Eltern kennen. Es geht auch nicht um Akzeptanz- das sind private Entscheidungen der Eltern, da können sich Außenstehende ihre Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz an den Hut stecken, es geht sie nichts an.Oder es sollte sie nichts angehen. Wenn aber solche Privatangelegenheiten Gegenstand politischer Debatten werden, dann darf sich eben doch wieder jeder in jedermanns Privatleben Einmischen. Noch schlimmer wird es, wenn der Staat "Rahmenbedingungen" schafft, die lediglich ein lächerlicher Euphemismus für den Umstand sind, dass die Politik Privatentscheidungen für den Bürger trifft. Es geht auch nicht um Wahlfreiheit, es geht darum wirtschaftliche Interessen und ideologische Vorstellungen durchzusetzen.
    Denn wenn das Geld für die Schaffung der "Rahmenbedingungen" abgebucht hat, ist kein finanzieller Spielraum für "Wahlfreiheit" mehr da. Das ist das Problem an der Diskussion.
    Wer Wahlfreiheit will, muss sich gegen die öffentliche Finanzierung von Kitas aussprechen und dafür sorgen, dass Eltern finanzielle Spielräume haben, zum Beispiel durch Steuersenkungen und deutliche Begünstigung von Eltern bei der Rentenversicherung. Sollten zwei Bruttoeinkommen dann zur Verkrippung nicht ausreichen, kann man die ELTERN auf Antrag immer noch unterstützen.
    Es sollte jedenfalls nicht Aufgabe des Staates sein, den Leuten progressive oder traditionelle Familienbilder aufzudrücken. Und wenn die Wirtschaft mehr Arbeitskräfte braucht, muss sie selbst sich darum kümmern, für Eltern attraktiv zu werden. Zum Beispiel Betriebskitas einrichten, wo dann in der Mittagspause die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern essen könnten.

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    1. Betriebskitas bringen ja nur was für Groß- und Größtbetriebe. Kleinere und mittlere Unternehmen, bei denen es um nur sehr wenige Kindergarten- und Krippenkinder geht, werden so etwas nicht einrichten können. Wenn es wirklich um eine freie Entscheidung gehen soll, müsste daher das Kindergeld um mindestens 600,-€ pro Kind/Monat aufgestockt werden. Denn das ist der normale Durchschnittspreis für einen Ganztagskitaplatz. (Und nix von wieder von Hartz IV abziehen!) Da ist die gegenwärtige Finanzierung ja wohl wirtschaftlicher!

      Es gibt nun mal ein Nebeneinander von modernen, postmodernen, traditionellen und traditionalistischen Familienmodellen. Diese Vielfalt zu fördern ist nach meiner Ansicht Aufgabe des Staates. Außer aus wirtschaftlichen Gründen (es gibt ja immer noch kein gesichertes Grundeinkommen!) ist ja niemand dazu verpflichtet, sein Kind aushäusig betreuen zu lassen. Wenn ein Einkommen reicht, jemand nicht alleinerziehend ist und sich die Partner einig sind, wer zu Hause bleiben will, warum nicht erst die Kids mit drei Jahren in die Kita geben?

      Es geht um die Vielfalt und um das Möglichmachen einer möglichst freien Entscheidung, nicht um Umsetzung von einer Ideologie!

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    2. Geht an meinem Argument vorbei: die meisten Familien haben eben nicht die Wahl, sondern es müssen beide arbeiten gehen, weil ein Durchschnittseinkommen locker mit bis zu 60% Abgaben belastet wird (SV-Beiträge, direkte und indirekte Steuern, Abgaben, Gebühren).
      Ich sage also, dass der Staat Doppelverdienstzwang ausübt, wenn Kitas öffentlich finanziert werden, weil er den Familien auf der einen Seite das Geld wegnimmt und ihnen einen Teil davon als nicht frei wählbare Leistung zur Verfügung stellt. Die Wahl wird also von anderen, nicht den Familien getroffen.
      Was Betriebskitas angeht ist das eine Organisationsfrage: es könnten sich die Betriebe eines Gewerbegebiets zusammenschließen, in kleineren Betrieben reichen auch schon 1,5 Erzieherstellen etc. Es sind diese Betriebe, die in Zukunft auf die Arbeitskraft der Mütter angewiesen sein werden, also soll die Wirtschaft denen gefälligst selbst was bieten.
      Außerdem sollte es nicht Aufgabe der Politik sein, die Gesellschaft in irgendeiner Form zu gestalten. Weder Einfalt noch Vielfalt ist zu fördern oder zu hemmen. Eine Politik die die Gesellschaft gestalten will, ist totalitär, weil sie in die private Lebensführung eingreift.
      Ein gesichertes Grundeinkommen existiert übrigens sehr wohl. Niemand muss in Deutschland hungern, vor der Notaufnahme sterben oder seine Kinder aus der Schule nehmen. Dass sich bei der Arbeitsagentur keine wohlige Wärme verbreitet, weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber die darf man auch nicht erwarten, wenn die kalte Bestie Staat Existenzen sichert. Man muss nicht darben, aber sich einschränken. Was ja wohl auch selbstverständlich ist. Als Student konnte ich auch nicht erwarten, dass meine Eltern mir Chateauneuf du Pape zur Maispoularde finanzieren. Wenn der Staat das Geld anonymen Mitbürgern vom Konto abbucht, darf ich aber Ansprüche stellen?

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