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Freitag, 19. Juli 2013

Statt dem Vielen eines wählen

Die Schwestern Marta und Maria stehen an diesem Wochenende im Zentrum des Evangelientextes:
Sie zogen zusammen weiter und er kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.
Auch eine sehr bekannte Geschichte. Oft wird das Tun der Marta ausgespielt gegen das Hören der Maria, das Sorgen damit abgewertet. Oder es wird mit der Übersetzung "Maria hat das Bessere gewählt" die Besonderheit des Hörens auf den Rabbi Jesus durch eine Frau abgezielt.


Ich bleibe allerdings an zwei anderen, ganz kleinen Worten hängen: an "viele" und "eines". "Vieles" macht Marta und ist damit unzufrieden. Vermutlich ist es für sie selbstverständlich, "vieles" (gleichzeitig) zu machen und noch etwas anderes und/oder etwas weiteres "eigentlich" zu wollen. Vielleicht ist es ihr Pflichtgefühl, dass sie daran hindert, eine Entscheidung für "eines" zu treffen, für das, was "jetzt dran" ist, was sie jetzt erfüllen würde.

Maria kann das. Sicher weiß sie, was sich für gute Gastgeberinnen gehört. In diesem Moment aber entscheidet sie sich fürs Zuhören, für "eines" und gegen das Multitasking ihrer Schwester. Damit scheint sie in sich zu ruhen und durch Jesu Gegenwart in der Gegenwart Gottes. Ihr Dasein und der Ich-bin-da kommen sich in dem Moment sehr nahe. Das ist schon etwas sehr Gutes, Besonderes!

Marta dagegen scheint von Unruhe und Unzufriedenheit getrieben. Manche Gastgeber_innen können durch ihr ständiges Hin-und-Her, das ja nett gemeint ist, total nerven. Dazu ihre innere Zerrissenheit, durch das Gefühl, ganz viel tun zu müssen, aber eigentlich bei den Gästen sein zu wollen. Diese Unzufriedenheit ist oft auch für andere zu spüren.

Wie anders die guten Geister, die sich bei einem Fest bewusst dafür entschieden haben oder gar ihre Erfüllung darin finden, für andere zu sorgen. Trotz Hin-und-Her geht von ihnen eine ansteckende Ruhe, Fröhlichkeit und Zufriedenheit aus. Wer kennt sie nicht, die Abwäscher- und Abtrockner_innen, die in der Küche kichern, quatschen oder singen!

Vielleicht richtet sich Jesu Antwort auf die vorwurfsvolle Äußerung Martas ja auf diese ihre innere Unruhe, auf das "Viele", mit dem sie sich umgibt, das sie aber nicht erfüllt, sondern unzufrieden macht. Ich höre daraus: "Mach mal nur eins zur Zeit. Entscheide dich für eins und mache es mit ganzem Herzen."

Allen dreien fühle ich mich verbunden: Ich kenne diese kostbaren Maria-Momenten, in denen ich eins mit mir, mit Gott und der Welt bin genauso wie die Marta-Zerrissenheit des scheinbar notwendigen Multitaskings. Und ich kenne die Rabbi-Rolle, jemanden aufzufordern, doch mal halblang zu machen, sich bewusst für eine Sache zu entscheiden und wegen dieser bewussten Entscheidung zufrieden sein zu können.

Ich glaube nicht, dass die Aktivität und Sorge Martas gegenüber dem passiven Hören Marias in dieser Perikope gegeneinander ausgespielt werden sollen. Ich sehe darin eher die Aufforderung zur Zentrierung, zum ganz bei einer Sache sein, zum ganz da sein, um so dem mit dem Namen "Ich-bin-da" nahe sein zu können und immer ähnlicher zu werden: bei jedem was auch immer ich mache.


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Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    deine Gedanken nehme ich nun mit ins Bett.
    Das ist eine gute Bettlektüre.

    Eine gute Nacht wünscht dir
    Elisabeth

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  2. Den Gedanken der Zentrierung habe ich so nicht gehabt, schön, dass du darauf hinweist.

    Ich würde aber den letzten Absatz so nicht teilen. Ich denke schon, Maria hat das Bessere gewählt. Wie sagt der Herr an einer anderen Stelle: "mich aber habt ihr nicht immer bei euch". Es ist wohl auch eine Frage des Timings gewesen.

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  3. Sagte einer: „Wenn Jesus schon so abweisend mit seiner Mutter umgegangen ist, dann ist es kein Wunder, wenn er Martha so auflaufen lässt!“ Ja, es ist schon, gelinde gesagt, merkwürdig, wie Jesus mit dieser Frau umgeht. Schließlich ist er mit einer größeren Gruppe von Frauen und Männern, wir können gut und gerne von zwei Dutzend ausgehen, in ihr Haus eingefallen. Martha hat alle Hände voll zu tun, das uralte Gesetz der Gastfreundschaft zu erfüllen.

    Nicht wenige Prediger beeilen sich schon an dieser Stelle den Wortwechsel zu Bethanien auf eine höhere Ebene zu schieben. Das "Spirituelle" (was auch immer dies bedeuten mag!!!) , sagen sie, ist eben wichtiger als das Irdische. Dafür hat sich Maria entschieden. Sie soll uns sagen: Das Wort von Gott aus dem Mund Jesu ist entscheidend, der Hunger kann warten.

    Das soll uns mal einer vormachen, wie das geht, Menschen mit knurrendem Magen auf das kommende Glück und die Erfüllung des Gottesreiches zu vertrösten. Einmal davon abgesehen, dass die Prediger in der Regel kaum zu den Unterernährten zählen dürften.

    In der Mission Tätige in Ländern wie Afrika, Lateinamerika oder Asien haben das schon erfahren, als sie erkennen und entsprechend handeln mussten: Erst kommt der Reis, die Hirse oder der Mais und dann das Evangelium. Hat Jesus nicht selber so gehandelt angesichts der hungernden Menschen, die zu seiner Predigt zusammengekommen waren?

    Es könnte sich natürlich auch um einen Konflikt zwischen den beiden Schwestern gehandelt haben, der in dieser Szene offenbar wird.
    Maria bedeutet übersetzt Seherin;
    Martha, Herrin, Gebieterin.
    Zumindest dem Namen nach stand die eine eher für das "Spirituelle", die zuhörte. Die andere war die Aktive; sie war für das Praktische; sie packte an.

    Doch so einfach können wir das nicht lösen. Jesus war ja nicht unbedingt ein Kostverächter. Seine Gegner nannten ihn nicht von ungefähr sehr drastisch „dieser Fresser und Säufer“ (Lk 7,34). Man muss wissen, dass es unter den Berichterstattern auch Typen gab, die Jesus für ihre Ideologie vereinnahmen wollten. So wurde er bereits in urkirchlicher Zeit zum ‚Weltenrichter’ erhoben, obwohl Jesus ausdrücklich von sich sagt, er sei nicht in die Welt gesandt, um sie zu richten, sondern um sie zu retten (Joh 12,47). Das ist ein himmelweiter Unterschied.

    Es gab auch Richtungen, die ein Jesusbild zeichneten, das der mehr oder weniger frommen Einbildungskraft der Autoren entsprungen ist. So etwas nennen wir heute tendenziös. Oft ging es, wie später auch in der Kirchengeschichte, mit einem selbst gemalten Jesusbild einer Religiosität den Rücken zu stärken, die einem passte. Es sind immer menschliche Finger im Spiel und es ist nicht leicht, das zu durchschauen. Menschen können nun mal kein absolut sicheres Sprachrohr Gottes sein, auch wenn das die Kirche lange genug von sich behauptete.

    In unserem Fall soll das vermutlich heißen: Das Wort von Gott ist wichtiger als das Brot. Ist also die Predigt am Sonntag in der Kirche wichtiger als die Sorge um den Lebensunterhalt ?? Hat Jesus nicht von sich gesagt: Ich bin das Brot des Lebens und zum Beweis dafür richtiges Brot in die Hand genommen und mit den Hungrigen geteilt? Wir müssen für unsere Tage Jesus freilegen, herausfinden, wie er wirklich war. Es finden sich eben nicht nur Perlen, sondern auch allerlei Abfall, der die Schätze verdeckt, manchmal sogar verdirbt.

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  4. Fortsetzung:

    Noch einmal: Blauäugigkeit hilft nicht weiter. Auch ein Buddha hat nicht als Unterernährter zur Erleuchtung gefunden, sondern erst dann, als er ein ausgewogenes Leben führte.
    Auf die Fastenanfrage der Pharisäer antwortet Jesus: „Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ (Mk 2,19). Weil wir darauf vertrauen, dass er mitten unter uns ist, brauchen wir nicht zu fasten.

    Zur Ehrenrettung der Martha von Bethanien : sie zeigte übrigens später, anlässlich des Todes ihres Bruders Lazarus, durchaus auch ihre spirituelle Seite bis hin zu dem klaren Bekenntnis „Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll“ (Joh 11,27) Und dies Messiasbekenntnis, wie auch das Wiedererkennen Jesu durch Maria aus Magdala nach Jesu Auferweckung vom Tod im Garten stehen für deutliche Jesuserfahrungen, ob nun hörend oder ganz praktisch !

    " Ist es »das Bessere«, wie die Einheitsübersetzung wiedergibt? Diese Übersetzung ist möglich, sichern lässt sie sich aber nicht. Wörtlich heißt es: Sie hat »den guten Teil« gewählt. Es muss also nicht um einen Vergleich der beiden Verhaltensweisen gehen. In erster Linie wird das Verhalten Marias gerechtfertigt: im Hören auf das Wort Jesu hat sie das getan, worauf es ( in der Situation / Anmerkung von mir,Regina G.-M.) ankommt." (Zitat aus "Lectio brevior"/ von Prof.Gerd Häfner)

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