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Freitag, 5. Juli 2013

"Verlorene" Söhne und Töchter

Immer wieder in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit sind sie dabei: Kinder und Jugendliche, denen man, ohne Details zu kennen, ansieht, dass sie in ihrem kurzen Leben bereits mehr mitgemacht haben, als für einen Menschen gut ist. Stören und Aufmerksamkeit fordern, sich zurück ziehen oder ständiges Bedürfnis nach (zu viel) Nähe sind da nur die äußere Zeichen für schlimme innere Verletzungen.

Manchmal fühlen sich gerade verletzte Menschen von kirchlichen Angeboten stark angezogen, womit - wenn sie auf sie eingeht - auch die Kirche selbst ihrem Auftrag, die Mühseligen und Beladenen, die an den Hecken und Zäunen einzuladen, zu verbinden und zu heilen, gerecht wird. Andererseits fühlen sich manche weniger Belastete davon abgestoßen oder überfordert, so eng mit Menschen zu tun zu haben, die statt mit dem Gewinnen mit dem Verlieren ihre Lebenserfahrungen machen mussten und entscheiden sich deshalb, weg zu bleiben.

Was aber machen mit der Jugendlichen aus der Jugendwohngruppe mit den vom jahrelangen Ritzen vernarbten Unterarmen, die eines Morgens wieder verbunden sind, die gerne Gruppenleiterin werden will, aber noch nicht einmal für sich selber gut sorgen kann? Oder mit dem 9-jährigen, der bereits Psychiatrieerfahrung wegen eines Suizidversuchs vorweisen kann, aber mit seinem störenden Verhalten inhaltliche Arbeit verunmöglicht und  - natürlich - andere kleine Jungs mit seinem Verhalten fasziniert und motiviert, es ihm nachzutun?

Sie auszuschließen und wegzuschicken wäre die (scheinbar) einfachste Lösung. Das Problem damit aus dem Blickfeld geräumt. Aber damit machen gerade diese jungen Leute erneut die Erfahrung, abgelehnt und ausgegrenzt zu werden. Wäre es nicht angemessener, sie gerade im Bereich kirchlicher Arbeit und in der Nachfolge Jesu erfahren zu lassen, dass auch sie willkommen und angenommen sind?

Quelle: Pixabay
Sie also da behalten? Sich ihnen immer wieder zuwenden, bis die anderen (zu Recht!) rebellieren oder durch kopierendes Verhalten zeigen, dass sie genauso im Mittelpunkt stehen wollen? Eigentlich brauchte es Fachkräfte, die mit beruflicher Kompetenz mit diesen Kindern und Jugendlichen arbeiten. Und eigentlich müssten gerade diese auffälligen Kinder und Jugendlichen lernen, dass sie zwar in ihrem Sosein angenommen sind, sich aber trotzdem in eine Gruppe einfügen müssen, was gerade ihnen besonders schwer zu fallen scheint.

Im besten Fall ist der "Betreuungsschlüssel" so gut, dass jemand mit familiärer und/oder pädagogischer Erfahrung und/oder allgemein großer menschlicher Reife sich Zeit für solche bedürftigen jungen Menschen nehmen kann, ihnen im persönlichen 1:1 Kontakt das rechte Maß an Zuwendung und Grenzziehung zukommen lässt und damit auch die Gruppe entlastet. Häufig bleiben aber nur mehr oder weniger unbefriedigende Kompromisse.

Mir ist in diesen Situationen wichtig, zumindest sowohl der/dem einzelnen als auch der Gruppe gegenüber transparent zu machen, warum ich wie entscheide und schwierige Situationen gemeinsam zu meistern. Oft hat jemand aus der Gruppe eine Idee, die noch ausprobiert werden kann, bevor drastische, ausgrenzende Maßnahmen ergriffen werden.

Immer bleibt es ein Balanceakt zwischen Annahme und Abgrenzung, eine Zerrissenheit, die auch erahnbar macht, was diese jungen Menschen möglicherweise selber innerlich empfinden. Und es bleibt die Hoffnung und Bitte, dass ein Größerer das vollenden möge, was in unseren Händen unvollkommen bleibt, bleiben muss.

 
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1 Kommentar:

  1. Liebe Ameleo,

    das ist eine schwieriges Thema.
    Da sehen wir unsere Hilflosigkeit.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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