ACHTUNG: Zur Zeit gibt es bei Blogger Probleme mit dem Internet Explorer. Videos können beispielsweise nicht angesehen und Kommentare nicht abgeschickt werden. Bitte in diesem Fall einen anderen Browser wie z.B. Firefox benutzen!

Montag, 22. Juli 2013

Wie aus einem unzufriedenen jungen Mann "die katholische Jugend" werden kann

Da hat ein junger Mann einen Jugendgottesdienst besucht, der ihm anscheinend nicht gefiel. So weit nichts Besonderes. Alle Nase lang besuchen Menschen Gottesdienste, die ihnen nicht gefallen. Auch ich habe gewisse Ansprüche an eine gute Gottesdienstgestaltung, die eher selten befriedigt werden. Dieser junge Mann schreibt sich seinen Ärger von der Seele mit der Begabung, daraus nicht rückwärtsgewandte Vorwürfe sondern auf seine Vorstellung von Gottesdienst ausgerichtete Bitten zu formulieren. Und er nutzt die Chance, seine Gedanken in einer Zeitschrift zu veröffentlichen.

Dort werden seine Gedanken, die Gedanken eines jungen Mannes, mit Begeisterung gelesen. Von Leuten, nicht unbedingt Jugendlichen, die auch schon mal oder öfter mit einem Gottesdienst unzufrieden waren. Es wird über den Artikel gesprochen und Leseempfehlungen gegeben. Endlich mal ein junger Mann, der schreibt, wie junge Menschen denken sollten! Unter den Unzufriedenen einer bestimmten Couleur wird applaudiert: Endlich hat jemand der jungen Leute begriffen, wie man einen katholischen Gottesdienst richtig feiert!

Und aus dieser Begeisterung heraus passiert es: aus dem einen unzufriedenen jungen Mann wird "die katholische Jugend", die, so wird unausgesprochen vorausgesetzt, nämlich auch samt und sonders unzufrieden ist mit solchen auf sie abgestimmten Gottesdiensten, wie besagter junger Mann.

Seltsam allerdings: wenn ein Verband, in dem mehr als eine halbe Million katholischer Jugendlicher und Kinder organisiert sind, sich nach langen Diskussionen und einem intensiven Ringen um Einvernehmlichkeit durch einen Sprecher, eine Sprecherin oder eigene Publikationen äußert, dann wird von den gleichen, die jetzt dem einzelnen jungen Mann zujubeln, deren Relevanz für "die katholische Jugend" gerne schon mal abgesprochen. Welches ist hier das Maß, mit dem gemessen wird, wer "die katholische Jugend" repräsentieren kann?

Wer gerne nachlesen möchte:
  • Besagter Artikel des jungen Mannes aus der Tagespost wurde von Bloggerkollegin "Frischer Wind" hier online gestellt.
  • Von einigen anderen wurde darauf verlinkt, hier unter dem Titel: "Die katholische Jugend steht auf!"
  • Etwa 660.000 katholische Kinder und Jugendliche sind im BDKJ organisiert. Ein Beispiel für einen unter Leitung des Präses des Verbandes zusammen mit vielen Jugendlichen gefeierten Fernsehgottesdienst findet sich hier. Ob er besagtem jungen Herrn gefallen hätte, ist nicht überliefert, wäre aber ohnehin nicht relevant.

Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. "Ob er besagtem jungen Herrn gefallen hätte, ist nicht überliefert, wäre aber ohnehin nicht relevant."

    wie menschenverachtend ist das denn?

    Natürlich ist es übertrieben, den jungen Mann zur "katholischen Jugend" hochzustilisieren. Das ist sicher Wunschdenken. Allerdings kann ich mit solchen Einzelzeugnissen, die gegen den Mainstream vorgebracht werden, wesentlich mehr anfangen als mit den offiziellen Verlautbarungen des Vorsitzenden eines Halbmillionenverbands. Besonders wenn ich weiß, dass in diesem Verband genügend Kartenspielvereine mit eher bier- als gottseligen Mitgliedern organisiert sind.

    Allein steht der junge Mann sicherlich nicht - vor 10 Jahren war ich in genau der gleichen Situation, und inzwischen kenne ich genügend andere. Aber darum geht es ohnehin nicht, genausowenig wie um die Frage, ob "abgestimmte" Gottesdienst"gestaltungen" jemandem "gefallen" oder nicht.

    Die Liturgie wird nicht von Menschen gemacht, von daher kann ihre Akzeptanz unter Menschen keine Richtschnur sein. In diesem Lichte ist der eingangs zitierte Satz sogar korrekt. Aber er betrifft alle Menschen - nicht nur das eine schwarze Schaf gegenüber den 660000 weißen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bezüglich des "einen schwarzen Schafes" bitte genau lesen: ich kritisiere hier keineswegs den jungen Herrn, sondern diejenigen, die seine Ansicht zur Meinung "der" katholischen Jugend hochstilisieren!

      Löschen
    2. Nicht jeder durchgeknallte Irre ist ein "schwarzes" Schaf. Die Wölfe im Schafspelz nicht vergessend! Und vergessen sollte man auch nicht: Der Gottesdienst ist ein Dienst Gottes am Menschen. Wir können zum Lob Gottes letztendlich nichts beitragen als unser Mea Culpa.

      Löschen
    3. @ Anonym:
      Gottesdienst ist ein dialogisches Geschehen, bei dem wir durchaus mehr tun können und tun: Loben, danken, bitten, auf Gott hören und unsere Anliegen vor ihn bringen, uns seiner Gegenwart vergewissern, uns an seiner Schöpfung und seiner Menschwerdung erfreuen, ... Das Mea Culpa ist nur ein Element neben anderen.

      Löschen
    4. Wir können durch unser Loben, Danken und Bitten Gott nichts anderes geben, was er uns nicht schon gegeben hat. Gottesdienst ist sicher ein dialogisches Geschehen. Aber Gott ist es, der uns entgegenkommt. Der Mensch tritt ein in den Dialog Gottes. Das dürfen wir in all dem Aktionismus und der Überbewertung des Individualismus nicht vergessen.

      Löschen
  2. Und bezüglich meiner Kritik bitte ebenfalls genau lesen: ich kritisiere keineswegs die Kritik an der Hochstilisierung, sondern ausschließlich den letzten Satz des Artikels.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich dachte, es ginge ebenfalls um das Thema Liturgie, von der im letzten Satz keine Rede ist ...
      By the way "Liturgie wird nicht von Menschen gemacht": Das ist ein Irrtum. Liturgie ist immer zugleich göttlich und menschlich (SC 2) Von den ersten Anfängen ohne jegliche Gottesdienstordnung bis heute gab es unzählige Änderungen, um sie den aktuell Lebenden zugänglich zu machen und deren Glauben auszudrücken. Auch heute gibt es aus diesem Grund eine große Bandbreite. Man vergleiche nur mal einen eher drögen normalen Sonntagsgottesdienst in Deutschland mit der Lebendigkeit der Liturgie Schwarzafrikas. Ohne Inkulturation würden wir auch heute noch wie die ersten Christen auf aramäisch oder griechisch beten, ohne feste Gottesdienststruktur und mit einer Form des Brotbrechens weit jenseits dessen, wie heute Eucharistie gefeiert wird.

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.