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Donnerstag, 28. November 2013

Eine "Umfrage" und ein Lehrschreiben

Erst interessiert sich Papst Franziskus für das, was an kirchlicher Lehre über die Ehe an der Basis bekannt ist und gelebt wird, jetzt wendet er sich mit dem Lehrschreiben "Evangelii gaudium" an alle Gläubigen, nicht nur seine Kollegen im bischöflichen Amt.

Damit beeindruckt er. Auch mich. Wann gab es schon mal auf allen kirchlichen Kanälen und Ebenen Umfragen*, die möglichst viele Leute beantworten sollten? Wann hat sich schon mal ein Papst dermaßen zurückgenommen, dass er von "ich" spricht statt von "wir" und nicht in allen Bereichen mitreden und mitentscheiden will? Und trotzdem bleibt da ein "Aber", das auf Erfahrungen in der Vergangenheit beruht.

Wie oft war ich schon von offizieller Seite aus eingeladen, meine
Gedanken zu einem Thema zu formulieren, bin dem nachgekommen und habe eine Menge Energie hinein gesteckt? Wie viel meiner Zeit stecken in detaillierten Pastoralplänen, Konzepten und Ideensammlungen? Und so gut wie immer stellte sich im Nachhinein heraus: War alles für den Papierkorb! Denn die, die im Grundschuljargon "die Bestimmer" genannt werden, hatten immer schon eigene Pläne, Ideen, Konzepte. Warum sie uns dennoch zur sogenannten "Mitarbeit" "einluden": ein gut gehütetes Geheimnis! Und selten ehrlich gemeint.

Von daher bin ich skeptisch, was die so genannte "Umfrage" zur geplanten Familiensynode angeht, so viel Mühe dahinter steckt, sie zu entwickeln und zu beantworten. Vielmehr teile ich die Einschätzung von Norbert Bauer auf "theosalon":
ich werde nicht aktive(r) Beteiligte(r) eines innovativen katholischen Meinungsbildungsprozesses. Denn was in den Medien schon euphorisch als Meinungsumfrage bezeichnet wird, stellt sich bei kurzer Betrachtung nur als katholischer Realitäts-Check heraus. Der an alle Bistümer verschickte Fragebogen will gar nicht wissen, was meine Meinung z.B. zum Thema „Empfängnisverhütung“ ist, sondern vielmehr ob die Lehren der Kirche in diesem Bereich eingehalten werden: „Wie steht es um die wirkliche Kenntnis der Gläubigen in Bezug auf die Lehre von Humanae vitae über die verantwortliche Elternschaft?"
Es geht darin nicht um die Frage:
Wie kann die Lehre der Kirche den Herausforderungen der Zeit angepasst werden? Es geht [...] um die Optimierung der Vermittlung, nicht um die Lehre selbst. 
Und wie so häufig wird damit eine Diagnose erhoben werden, der ich vermutlich zustimmen kann, in der Therapie werden die Meinungen dann doch wieder auseinander gehen, aus oben genanntem Grund.

Ähnlich zurückhaltend bin ich gegenüber "Evangelii gaudium". Keine Frage: bereits die Überschrift weckt hohe Erwartungen, klingen doch darin zum einen die Pastoralkonstitution des II. Vatikanums "Gaudium et spes" über die Kirche in der Welt von heute an, zum anderen das apostolische Schreiben "Evangelii Nuntiandi" von Papst Paul VI über die Evangelisierung. Und natürlich wird darin ein neuer Ton angeschlagen, ein pastoraler, nicht einer von rechtgläubig dogmatischer Härte. Doch auch wenn der Ton die Musik macht, bleibt eines gleich: alle hören auf den Dirigenten. Inwieweit Improvisationen und eigene Akzentsetzungen beim gemeinsamen Konzert - derzeit! - willkommen und erlaubt sind, bleibt unklar.

Vor allem: es bleibt die Abhängigkeit vom Dirigenten. Selbst wenn der gegenwärtige so sehr die Mitwirkung auf allen Ebenen einfordert: er hatte Vorgänger und wird Nachfolger haben, die wieder einen völlig anderen Stil vorgeben können und werden. So lange sich nichts Grundlegendes am gegenwärtigen Kirchenverständnis und den entsprechenden hierarchischen Strukturen ändert, sehe ich daher keinen Anlass zur Euphorie.

Es bleibt dann auf weltkirchlicher Ebene so, wie es auch auf Gemeinde- und Bistumsebene immer wieder erlebt wird: Wenn sich die Besetzung einer Leitungsposition ändert, ändert sich auch der Stil. Zumindest so lange, wie die überwiegende Mehrheit bereit ist, trotz fehlender Mitbestimmung bei der Besetzung des Amtes, sich an dieser Person zu orientieren und die eigenen Überzeugungen und das eigene Gewissen hinten an zu stellen. So stark und mutig wie die Gläubigen in Limburg sind leider nur wenige!

Keine Frage: die Gläubigen nach ihren Ansichten zu Ehe und Familie zu befragen halte ich für einen ebenso guten Ansatz wie "Evangelii Gaudium". Es spricht viel dafür, wenn sich möglichst viele mit den an vielen Stellen veröffentlichten "Umfragen" auseinandersetzen und so das eigene Wissen und den persönlichen Glauben reflektieren und in Bezug zu den kirchlichen Lehrtexten setzen. Wie gut auch, wenn möglichst viele das "päpstliche Regierungsprogramm" studieren. Die Auseinandersetzung mit den Fragen und dem Lehrtext können auf jeden Fall zur Stärkung des eigenen Glaubens beitragen!

Aber beides darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Wesentlicheres ändern muss, will die katholische Kirche in 2013ff evangeliumsgemäß leben. Dazu gehört neben unumgänglichen strukturellen Änderungen ein starker persönlicher Glaube, der sich nicht von der jeweiligen Kirchenleitung abhängig macht und die Bereitschaft, selbst Verantwortung für Glaube und Kirche zu übernehmen, nötigenfalls auch im Konflikt mit ihren Leitungsträgern! Und dazu gehört die innere Sicherheit, wie es eine unbekannte Kollegin bei Theosalon so passend formuliert:
"dass Rom mich nicht vom römisch-katholischen Glauben abbringen kann."
Auf die Rollen, auf wir Frauen in der Kirche auch laut "Evangelii Gaudium" derzeit weiterhin beschränkt sind und was das für uns bedeutet, gehe ich hier nicht ein. Denn das hat besagte (ebenfalls anonym schreiben müssende) Kollegin hier ausgezeichnet auf den Punkt gebracht!

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*Wie gehen die einzelnen Diözesen und Verbände mit der Vorbereitung zur Familiensynode um? Eine gute Übersicht gibt's hier.

Eine Zusammenfassung von "Evangelii Gaudium" hier.


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Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    zunächst freue ich mich, wieder von dir zu lesen.
    Auch diesen Post habe ich mit großem Gewinn gelesen, möchte aber doch einen kleinen Punkt beanstannden:

    "So stark und mutig wie die Gläubigen in Limburg sind leider nur wenige!"

    Es gibt wirklich starke und mutige Gläubige im Bistum, keine Frage. Vllt. gibt es bei uns auch ein bisschen mehr.
    Aber die momentanen Vorgänge haben nichts mit Mut oder Stärke zu tun. Mutig ist jemand, der sich einem Mächtigen entgegenstellt, atark ist jemand, der dazu auch die Kraft hat. Doch ist Bischof Franz-Peter schon seit Monaten nicht mehr mächtig, sondern ein Getriebener. Daher ist auch niemand mutig, gegen ihn zu opponieren, weil man keine Konsequenzen für sich fürchten muss. Und es ist auch kein Zeichen der Stärke, auf jemanden einzutreten, der am Boden liegt.

    Ansonsten teile ich deine Lageanalyse aber. Und wundere mich manchmal über die Panik bei den Konservativen, die den Weltuntergang sehen und die Euphorie der Progressiven, die vom Bruder Franziskus reden. Der Papst bleibt Papst und er kann noch so Bruder sein, er hat das sagen, nicht wir.

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    1. Hallo MC,

      danke für deine Rückmeldung! Ich wollte keine Einladung zum Nachtreten formulieren. Mir hat nur imponiert, dass bis sich endlich etwas in Limburg rührte, offensichtlich etliche nicht locker gelassen haben aus ihrem Gewissen und Glauben heraus. Dass es dann medial so eskaliert ist, war unter aller Würde!

      Sicher bleibt der Papst Papst. Aber er hat die Möglichkeit Strukturen zu schaffen, die der unseeligen Macht, die mit seinem Amt verbunden ist, offizielle Grenzen zu setzen und den synodalen Ebenen, Laien etc. mehr Einfluss einzuräumen - auch über sein Pontifikat hinaus.

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