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Dienstag, 3. Dezember 2013

Gleichberechtigung in den Kirchen?

"Werd' doch evangelisch!" wurde mir und wird andern katholischen Frauen gerne entgegengehalten, wenn wir uns für eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen auf allen Ebenen unserer Kirche einsetzen, die Weihe nicht ausgenommen. In den Kirchen der Reformation, so die damit transportierte These, könnten wir doch alles haben, was wir bei unserer Konfession vermissen. Aber ist das wirklich so?

Am vergangenen Sonntag lief im NDR eine Sendung, die sich dieser Frage annahm: Sind Männer und Frauen in den Kirchen wirklich gleichberechtigt? Im Begleittext zur Sendung heißt es:
Frauen können es in der Evangelischen Kirche bis ganz nach oben schaffen. Alles gut also auf dem Weg zur Gleichberechtigung? Keineswegs, sagen Kritikerinnen. Sie beklagen abfälliges Reden über eine Feminisierung der Kirche. Auch bremse die sogenannte "gläserne Decke" den beruflichen Aufstieg von Frauen. Der soll in der katholischen Kirche nun leichter werden. Die Devise der deutschen Bischöfe: mehr Frauen in nichtgeistliche Leitungsämter. Doch Katholikinnen kämpfen auch für das geistliche Amt der Diakonin. Gleichberechtigung ist in beiden Kirchen wieder ein Thema. Wo geht es voran und wo nicht? Woher weht der Gegenwind? Was wäre zu tun für mehr Chancengerechtigkeit?
Ich habe die Sendung mit großem Interesse verfolgt. Was ich spannend fand und welche Sätze mir nachdrücklich in Erinnerung geblieben sind, hier in kommentierten Stichworten: 

Interessant:
In bibeltreuen evangelischen Gemeinden hört man die gleichen Argumente gegen Frauen in Leitungspositionen und für ein traditionelles Familienmodell, wie auch in konservativ-traditionalistischen katholischen Kreisen.

Klarheit schaffend:
Die Unterscheidung von Gleichstellung und Gender: Gleichstellungspolitik zielt darauf, die juristisch festgeschriebene Gleichberechtigung umzusetzen. Bei Gender geht es nicht um die biologische, sondern die soziale und psychologische Seite des Geschlechts und welche Auswirkungen etwas (Veranstaltung, Thema, Gottesrede) auf das jeweilige Geschlecht haben könnte. 

Auf den Punkt gebracht:
Es geht nicht nur um eine strukturelle, sondern auch um eine inhaltliche Gleichberechtigung bis hin zu einer Gottesanrede, die in der Regel immer noch zu 90% männlich ist, obwohl sich biblisch eine große Vielfalt anbietet.

Gute Analyse:
Wir brauchen sowohl mehr Männer als auch mehr Frauen in der Kirche: mehr Männer in Ehrenamt, Pflege und sozialen Berufen, mehr Frauen in Leitung und mit Verantwortung.

Treffende Problemanzeige:
Welche Frau möchte in ein System gehen, das sie von Weiheämtern bis hin zum Diakonat ausschließt? Welche Frau begibt sich freiwillig in ein System, das bis ins tiefste Privatleben hinein Loyalität verlangt gegenüber den Werten des Arbeitgebers?

Interessante Zahlen:
Nur 15% der Katholik_inn_en und 22% der evangelischen Christ_inn_en glauben, dass in ihrer Kirche Gleichberechtigung verwirklicht wird.

Gute Definition:
Patriarchat ist eine Gesellschaftsordnung, in der die Menschen glauben, dass es von Gott gegeben ist, dass Männer über Frauen stehen. Auch viele Frauen halten noch an dieser Ordnung fest.

Frauen tragen zur Stabilität der gegenwärtigen ungerechten Situation mit bei:
Viele Frauen trauen sich nicht zu benennen, dass Männer bestimmte Privilegien haben, weil sie glauben, dann hätten sie es sich mit den Männern verscherzt.

Hier stimme ich zu:
Was ich an der Kirche schätze, ist, dass sie sich einbringt in gesellschaftliche Debatten. Aber wenn sie ausblendet, dass sie selbst keine gleichberechtigte Sicht von Männern und Frauen mitbringt, hat sie kein Recht, sich in solche Debatten einzumischen. Wenn sie das im eigenen Betrieb nicht umsetzt, wovon sie redet, wird sie unglaubwürdig.

Mein Fazit: Frauen können es in den Kirchen der Reformation weit bringen, bis hin zur Bischöfin. Das ist aber nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Der Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist in beiden Konfessionen leider noch sehr, sehr weit!

Zur Zeit kann die 25-minütige Sendung hier nachgehört und als Podcast heruntergeladen werden.


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1 Kommentar:

  1. Mein Fazit: Frauen können es in den Kirchen der Reformation weit bringen, bis hin zur Bischöfin.
    Wird wohl nicht mehr lange so sein. Nach meinem subjektiven Eindruck studieren fast mehr Frauen als Männer evangelische Theologie auf Pfarramt. Irgendwann werden die männlichen Bischofskandidaten ausgehen. Diejenigen, die heute vom Alter her dran sind studierten ja noch zu Zeiten, als Frauen viel seltener Theologie studierten. Und gläserne Decken hängen mit Seilschaften zusammen, das ist kein Geschlechterproblem, sondern ein allgemeines. Da werden auch bestimmte Männer ausgeschlossen.

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