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Montag, 23. Dezember 2013

Meine 5 Cent zu den ersten Umfrageergebnissen in Vorbereitung auf die vatikanische Synode zu Ehe und Familie

Kaum werden die ersten Ergebnisse der vatikanischen Fragebögen zur geplanten Synode zu Ehe und Familie in 2014 bekannt, (beispielhaft hier das Dokument von 17 Moral- und Pastoraltheolog_innen),  melden sich auch schon wieder die zu Wort, die immer über die katholische Kirche in Deutschland schimpfen und ihr gegenüber anderen Staaten einen besonders geringen Glauben bescheinigen. Besonders hier nähmen sich die Gläubigen unter Berufung auf das eigene Gewissen heraus, die kirchliche Lehre willkürlich nach den eigenen Ansichten zu relativieren anstatt sich konsequent an sie zu halten, wie es von "echten" Katholik_innen erwartet werden müsse.

Abgesehen von der Arroganz, die aus einer solchen Beurteilung spricht, ist dieser Umgang mit kirchlicher Lehre wirklich ein spezifisch deutsches Problem? Ich habe aus anderen Ländern und Kontinente keine verwertbaren Zahlen, und wenn ich sie hätte, würden sie vermutlich in Frage gestellt werden. Aber ist es tatsächlich vorstellbar, dass die Ergebnisse anderswo so ganz anders ausfallen z.B. in Frankreich? Oder in Malaysia, Chile, Kamerun, Papua - Neuguinea, Guyana, Paraguay, Südafrika, Polen, Panama, dem Libanon, in Rumänien, auf Samoa oder in Indonesien?

Warum gerade diese Länder? Sie waren seit 2000 diejenigen, in denen die Gebetsordnungen der Weltgebetstage am 1. Freitag im März vorbereitet wurden, spiegeln für mich daher beispielhaft die Weltkirche in ihrer Breite mit einer Vielzahl von Lebensentwürfen und Problemen und lassen so das Thema konkret werden.

Warum also sollten Menschen, näherhin Frauen, in Ländern, in denen z.B. Aids ein großes Problem ist, die kirchliche Lehre über die Nutzung von Kondomen und damit zur Empfängnisverhütung konsequenter einhalten als Gläubige in Deutschland?

Warum sollten in Ländern mit hoher häuslicher Gewalt mehr Eheleute an der Unauflöslichkeit der Ehe festhalten und deshalb eher in diesen zerstörerischen Beziehungen bleiben oder auf eine neue Liebe verzichten?

Und aus welchen Gründen sollten sich  Jugendliche und junge Erwachsene außerhalb Deutschlands nicht vor der Ehe auf die Tragfähigkeit ihrer Beziehung durch ein Zusammenleben ohne Trauschein ausprobieren?

All dies sind streng genommen Verstöße gegen die katholische Lehre. Aber sie sind keineswegs auf Deutschland beschränkt, sondern international. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Katholiken und Katholikinnen in den benannten Ländern und darüber hinaus ebenfalls ihr Handeln nach ihrem Gewissen ausrichten, welches durchaus im Gegensatz zu einer Lehre stehen kann. Daraus schließe ich, dass die fehlende Akzeptanz der und Ausrichtung nach den lehramtlichen Vorgaben zur Ehe und Familie kein auf unser Land beschränktes Problem ist, sondern ein grundsätzliches.

Den Grund für die fehlende Akzeptanz der kirchlichen Lehre sehe ich darin, dass das, was in den kirchlichen Texten formuliert ist, ein überzogen idealisiertes Bild von Menschen und ihren Beziehungen zeichnet. Kennzeichen eines Ideals ist, dass es in seiner Vollkommenheit unerreichbar bleibt. Es ist nicht verkehrt, Ideale zu haben und zu versuchen, in ihre Nähe zu gelangen. Problematisch wird es nur, wenn ein Ideal für die Realität und die Norm gehalten wird. Das scheint mir aber in der kirchlichen Lehre von Ehe, Familie und Sexualität so zu geschehen.

Mit den vatikanischen Fragen wird das Ideal der katholischen Lehre einer notwendigen Realitätsprüfung unterzogen. Ich hoffe sehr, dass es dabei nicht bleibt, sondern dass daraus Konsequenzen folgen. Solche, die das Leid derer lindern, die diesen Idealen nicht entsprechen, aber immer wieder daran gemessen und dementsprechend be- und vor allem verurteilt werden. Und solche, die dazu betragen, das Ideal zu überdenken und den kirchlichen und lehramtlichen Blick auf Ehe, Familie und Sexualität auszuweiten.

Diejenigen aber, denen es gelingt, nach allen kirchlichen Vorgaben zu leben, also dem gegenwärtigen Ideal sehr nahe zu kommen, sollten sich doch einfach an ihrem Glück erfreuen und weiter an ihrer Vollkommenheit arbeiten, anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Überall auf der Welt.


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Kommentare:

  1. Ich habe vor Kurzem darüber nachgedacht, welche Bedingungen man als Katholik wohl erfüllen muss, um vor sich selber ernsthaft sagen zu können, er nehme seinen Glauben ernst. Vor sich selber, weil es ja zuerst auf mich ankommt, ernst nehmen, weil eine Gewissensentscheidung, bei der immer rauskommt, was ich will und die mir keine Grenzen auferlegt, wohl nicht aus einem ernsthaften Prozess hervorgeht.

    Z.B. die Frage nach dem Sonntagsgebot. Wer geht heute noch wirklich jeden Sonntag in die Messe. Wenige. Reicht es also nicht, wenn ich mal gehe, wenn ich es gerne möchte? Das Problem müssen wir ernst nehmen. Aber dann habe ich mir auch gedacht: Mhh ... im Islam ist vorgeschrieben, dass man fünfmal am Tag beten muss.

    Verlangt die Kirche wirklich etwas von mir, was ich nicht leisten kann, oder genüge ich lieber meiner Faulheit als dem Auftrag Jesu? Das ist nebenbei nicht rhetorisch, ich war auch nicht immer so ein fleißiger Kirchgänger und kann daher die Leute gut verstehen, die es nicht so machen wie ich.

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    1. "Eine Gewissensentscheidung, bei der immer rauskommt, was ich will und die mir keine Grenzen auferlegt" würde ich nicht als Gewissensentscheid werten.

      Zu deinem Beispiel mit dem Kirchgang: erst gestern sprach mich eine Mutter an, deren Sohn sich als Atheist bezeichnet und deren Mann kein Interesse an Kirche hat. In diesem Jahr fällt für sie an Heiligabend der Kirchbesuch nach reichlicher Überlegung aus. Die Familie und das gemeinsame Feiern sind ihr wichtiger. In den vergangenen Jahren hatte sie immer anders, und sich damit gegen ihre Familie entschieden.

      Gewissensentscheid heißt für mich, dass ich zwischen zwei mir wichtigen Werten wählen muss. Da kann sich die Gemeinschaft, die ich in der Familie oder einem Verein erlebe oder die Verantwortung, die ich in einem Ehrenamt übernommen habe, genauso mit dem Kirchgang "beißen", wie die Verantwortung gegenüber meiner Gesundheit, die mich morgens ausschlafen lässt und so den Sonntag aus den anderen Tagen als etwas Besonderes heraushebt.

      Keine Frage: jede Begründung kann als Ausrede gebraucht werden. Aber eben auch, dass ich zur Kirche gehe, um mich mit Konflikten zu Hause nicht auseinandersetzen zu müssen und dies dann mit einem "Kirchengebot" rechtfertige.

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    2. Es gibt sowohl im Islam als auch im Christentum Menschen, die ihren Glauben streng nach dem Koran, der Bibel bzw. dem Katechismus leben. Es gibt aber auch in allen Religionen Menschen, die nicht so genau ihren Glauben beobachten, sich aber trotzdem als gläubige Menschen bezeichnen würden. Wer will da Richter sein? Das eigene Gewissen und Gott am Jüngsten Tag werden richten. Die Goldene Regel, die zehn Gebote, die Werke der Barmherzigkeit sind den Christen nicht nur zur Betrachtung sondern auch zur Gewissensbildung gegeben. Darüberhinaus sollte das ganze Leben Jesu Richtschnur für das Leben jedes Christen sein. Nachfolge Jesu bedeutet nicht die strikte Einhaltung der kirchlichen Gebote (Sonntags-Freitags-Fastengebote etc.,s. Katechismus). Wichtig ist die innere Einstellung, dass ich das, was ich vom Evangelium verstanden habe, in meinem Leben sichtbar umsetze.
      Im übrigen gilt: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater im Himmel ist (vgl. Lk 6,36).

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    3. Vom Grundsatz her würde ich euch beiden zustimmen und in den meisten Bereichen ist das auch die beste Möglichkeit.
      Dennoch sind gewisse Regeln ja nicht für Spass aufgestellt worden, sondern weil sie einen Sinn ergeben. Sie sind demnach nicht beliebig optional, wie z.B. die Sonntagspflicht. Wenn ich mich nie in der Kirche blicken lasse, kann man den Verdacht haben, dass es mit meinem Christentum nicht soweit her ist oder das ich was nicht verstanden habe. Ich halte es daher für schwierig, sich heute einfach über bestimmte Grundsätze hinwegzusetzen, weil man mich heute nicht mehr effizient sanktioniert werden kann. Ich setze mich ja auch nicht über die Straßenverkehrsordnung hinweg, weil ich grade keinen Polizisten sehe. Um dein Beispiel Ameleo aufzugreifen, hoffe ich, dass die Mutter an einem der beiden Weihnachtsfeiertage in die Messe geht.

      Bevor ich es vergesse: Gesegnetes Weihnachtsfest.

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