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Montag, 13. Januar 2014

Was ist drin im neuen Gotteslob?

So langsam hält es Einzug in den Gemeinden und Gottesdiensten: das neue Gotteslob. Ich habe es durchgeblättert, nur weniges vermisst, mich über einiges gefreut, manchmal die Stirn gerunzelt. 

Schön, dass jetzt mehr Lieder aus dem evangelischen Gesangbuch und aus Taizé, die mir lieb geworden sind, nicht mehr von Kopien gesungen werden müssen. Seltsam, dass in den Beichtspiegeln wieder die merkwürdigen Abhak-Ja-Nein-Fragen stehen, neben denen die, die wirklich zum Nachdenken über sich selbst anregen, eigenartig untergehen. Vielleicht hätte man sie besser ganz weggelassen? Oder mal Religionspädagog_inn_en, Katechet_inn_en oder Psycholog_inn_en dran gelassen!

Schön auch, dass jetzt etliche neue Gebetstexte aufgenommen wurden und sich die Sprache an vielen Stellen zum Positiven, Verständlicheren gewendet hat. Manche Lieder ("Segne du Maria" ganz furchtbar!) hätte ich nicht gebraucht, aber gerade unter den Spätaussiedlern sind sie sehr beliebt. Dass sie es ins nächste Gesangbuch schaffen werden, bezweifle ich, weil die Generation, die damit emotional etwas verbindet, dann auf der anderen Seite leben wird.

Dass sich im Gottesdienst wirklich etwas verändert hätte, habe ich noch nicht feststellen können. Die Lieder, die wir bislang aus dem neuen Buch sangen, waren unserer Gottesdienstgemeinde alle bekannt. Und "Könnten wir mal dieses oder jenes Lied singen?" habe ich außerhalb von Wortgottesfeiern, Familiengottesdiensten, Taufen, Trauungen und Beerdigungen auch zuvor noch nie gehört.

Die Graphiken finde ich dezent in den Text integriert, eine gute Mischung aus Konkretem und graphischer Abstraktion. Die bunten Bildchen hätte ich nicht gebraucht, aber vielleicht dienen sie der einen oder dem anderen zu Betrachtung und Meditation.

Befremdlich finde ich die Zweifarbigkeit (schwarz - rot) und das neue Schriftbild. Da fand ich das alte GL klarer. Aber vielleicht wollte man das Neue optisch "liturgischer" gestalten, wem auch immer das nutzen soll. Auch die viel gepriesene größere Schrift ist eher ein Kompromiss, als dass sie die Lesebrillen-Nutzer_innen wirklich entlasten würde. Bislang habe ich niemanden sagen hören, er oder sie können nun besser mitlesen.

An den neuen Aufbau und die neuen Liednummern gewöhnt man sich schnell. Bislang ist es noch ein wenig wie Überraschungseiauspacken, wenn eine Nummer angeschlagen ist, und man noch nicht weiß, welches Lied sich dahinter verbirgt.

So geht es mir mit diesem neuen Gesangbuch, das nun auch nicht mehr weich und wabbelig in der Hand liegt, sondern starr und steif, das noch neu riecht, keine umgeknickten Seiten und abgestoßene Kanten hat und vor allem noch nicht durchbetet ist.

Wie aber sieht es ein Literaturwissenschaftler? Die FAZ hat mal einen daran gesetzt.
"Es ist wunderbar, großartig und kaum zu fassen, dass das überhaupt gelungen ist: ..."
beginnt er seinen Beitrag. Im Folgenden zeigt er die Verbreitung, das Gemeinsame und das Verschiedene von Stammteil und Regionalteilen auf, untersucht, was herausgefallen und neu hineingekommen ist und welchen Aufbau man gewählt hat.
"Der Stammteil wirkt (...) relativ streng. Es gab hohe Ansprüche an die theologische Vertretbarkeit und (nachrangig) an die ästhetische Qualität. In den Eigenteilen ist die Bandbreite ein wenig größer."
ist ein Fazit. Und:
"Die regionalen Eigenteile sind weit mehr als bloße Anhängsel. Sie haben im Vergleich mit der vorigen Gesangbuchgeneration (vereinfacht als „Gotteslob 1“ bezeichnet) deutlich an Selbstbewusstsein gewonnen."

Er spricht von Erstklassigem und Mittelmäßigem, von Theologie, reicherer Musikalität und einer weiteren Öffnung zu orthodoxer Tradition und evangelischem Liedgut. Auch die Welt zieht langsam in den gottesdienstlichen Gesang ein.

Der Streit um die Gesänge von Huub Oosterhuis bleibt auch nicht unerwähnt, sowie die "elegante Lösung" der deutschen Bischöfe, die sich an dieser Stelle, bezogen auf ein Gesangbuch, erstmalig mit vatikanischen Behörden auseinandersetzen mussten:
"Nur liturgische Gesänge bedürfen einer römischen „recognitio“. Die Oosterhuis-Lieder blieben erhalten, indem man ihnen den Status liturgischer Gesänge absprach. Das fällt in der Praxis überhaupt nicht auf."

In seiner Analyse blickt der Autor, Professor Dr. Hermann Kurzke, auch speziell auf die in den Anhang gelangten Marienlieder und ihre Anzahl. Hier liegen erwartungsgemäß die bayerischen und österreichischen Diözesen ganz weit vorn.

Sein Fazit:
Das neue Gotteslob ist ein schönes, starkes, eindrucksvolles Buch. Es ist besser als die Wirklichkeit, auf die man in der Fläche trifft. Es kann viel Gutes erzielen, aber das muss sich erst noch zeigen, es muss erst einmal eingesungen sein. (...) 
Das neue Buch (...) atmet Kultur. Das Evangelische ist hier kein Feindgebiet mehr, sondern ein selbstverständlicher Bereich des Katholischen. Nichts mehr richtet sich aggressiv gegen die Protestanten. Es gibt keine „papistischen“ Lieder. Auch „Maria“ erscheint nicht als exklusiv katholisches Thema. Ein Mariengebet von Martin Luther wird abgedruckt, das so innig ist, dass kein Gedanke an Konfessionalität mehr aufkommt.
Der beiden großen Kirchen gemeinsame Feind ist längst der allgemeine herzensharte Afterglaube ans Materielle. Der christliche Glaube aber soll die Herzen frei und weit, weich und liebevoll machen. Dazu können Poesie, Musik und Gottesdienst verhelfen, dazu möge auch das neue „Gotteslob“ dienen.
Ein interessanter Artikel, dem ich zustimmen kann und den ich sehr lesenswert finde! Also rüber klicken, solange er online steht!

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Kommentare:

  1. Etwas befremdend, WIE Sie Ihre Meinung rüberbrigen, z.B. bezgl "Segne du Maria". Muss Ihnen ja nicht gefallen. Aber dass "Generation, die damit emotional etwas verbindet, bald auf der anderen Seite leben wird..." - diese Aussage zeichnet sich nicht gerade durch die viel beschworene Toleranz aus. Außerdem muss ich Ihnen widersprechen: ich selbst, nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht in den letzten Zügen, liebe dieses Lied (und habe keine Lust Rechenschaft darüber abzulegen, warum!). Und gerade die ganz Jungen, das sollten Sie auch schon gemerkt haben, kehren z.T. mit Begeisterung zu alten Liedern und anderen Traditionen zurück. Das zwar zu Ihrem Missfallen, nehme ich an - ist aber Tatsache. Das Gotteslob hat so für jeden Geschmack etwas. Schön, oder?

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    1. Wenn ich mit meiner zugegebenermaßen deutlich abwertenden Kritik an o.g. Lied Sie in etwas treffe, was Ihnen von Bedeutung ist, tut es mir leid. Aber dieses Lied wird bei uns und in all den mir bekannten Gemeinden allenfalls von Schlesiern und anderen Spätaussiedlern bzw. Kriegsflüchtlingen in hochbetagtem Alter gerne gesungen. Im normalen Gemeindegottesdienst käme es niemals vor. Aber mein Eindruck ist sicher nur ein Ausschnitt und nicht bundesweit repräsentativ.

      Ich persönlich finde das Lied nun mal ganz furchtbar: die süßlich-liebliche Melodie mag ja noch unter "Geschmackssache" fallen. Theologisch finde ich es dagegen auch objektiv höchst problematisch. Eine Mariologie und Marienfrömmigkeit hat für mich nur dann ihre Berechtigung, wenn sie konsequent christologisch ausgerichtet ist. In betreffendem Lied käme Jesus(!) allerdings allein in der letzten Strophe vor, die allerdings im neuen Gotteslob nicht abgedruckt ist. Aufgrund dieser Problematik kann ich dieses Lied nur als "Liebhaberstück" für ganz bestimmte Leute hinnehmen. Nicht ohne Grund hatte es ja in die vorherige GL-Ausgabe eben keinen Eingang gefunden.

      Dass die "ganz Jungen" mit Begeisterung zu alten Traditionen zurückkehren, wird gerne immer wieder behauptet. Und tatsächlich gibt es einzelne, die sich davon angezogen fühlen, allerdings eher junge Erwachsene als Jugendliche. Eine große Bewegung vermag ich darin allerdings jenseits des Behaupteten in der Realität nicht erkennen. In der persönlichen Frömmigkeit kann auch ein solches Lied gerne seinen Raum haben, für die Gemeindeliturgie halte ich es für zu problematisch.

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    2. Das ist interessant, dass das Lied im "normalen" Gemeindegottesdienst niemals vorkäme... das ist bei uns anders.
      Das mit den "ganz (oder doch nicht mehr ganz sooo) Jungen" und der Tradition - eine große Bewegung ist das vielleicht nicht; schon allein deshalb weil die Zahl bekennender Christen sowieso unter jungen Leuten, wie überhaupt in allen Bevölkerungsgruppen schon lange keine "große Bewegung" mehr ist. Aber unter denen, die sich zum Christentum bekennen, ist glaube ich schon eine Sehnsucht nach Orientierung an "Zeitlosem" da, und die drückt sich auch in der Wieder-Entdeckung alter Riten aus (tw. in etwas anderer Form, wie z.B. bei Nightfever).
      Ein Lied wie "Segne du, Maria" für "problematisch" zu halten, ist für mich (zwar Akademikerin, aber Nicht-Theologin) ein Ausdruck der Abwertung gegenüber der vermeintlich naiven Volksfrömmigkeit. Niemand wird doch im Ernst darauf kommen, jetzt aufgrund dieses Liedes zu "vergessen", dass Jesus Christus im Zentrum unseres Glaubens steht. Und auch wenn es "theologisch" nicht ganz korrekt sein sollte - war Jesus eigentlich ein Theologe? Oder würde es ihm schlicht gefallen, wenn wir auch seine Mutter ehren und um ihren Segen bitten (und nichts anderes kommt in dem Lied zum Ausdruck)?
      Ich meine nur, man sollte sich hüten, den Glauben von wem auch immer - auch von "Spätaussiedlern im hochbetagten Alter" - abfällig, weil nicht der "offiziellen" oder der eigenen "Theologie" entsprechend zu betrachten. Lobt Jesus nicht die Witwe, die Tag und Nacht betet? Vielleicht würde er unsere Rosenkranzbeterinnen, die wir manchmal etwas belächeln (und die manchmal auch "Segne du Maria" u.ä. singen) für ihre Treue im Gebet und im Glauben loben - und gar nicht so sehr uns "schlaue, aufgeklärte, moderne, mündige...." Christen?

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    3. Ich schrieb ja bereits, dass dieses Lied in der persönlichen Frömmigkeit durchaus seinen Platz haben kann. Denn da ist sehr viel Spielraum für unterschiedlichste Frömmigkeitsformen.

      Und wie ich Jesus verstehe, misst er nicht jede_n mit dem gleichen Maß, sondern jede_n nach den eigenen Möglichkeiten. Daher glaube ich, dass er weder Rosenkranzbeter_innen noch "schlaue, aufgeklärte, moderne, mündige" Christinnen und Christen bevorzugt oder unterschiedlich wertschätzt.

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  2. Inzwischen, und das, obwohl das neue GL noch längst nicht in jeder Diözese vorhanden ist (lange Wartezeiten ergeben sich durch die Tatsache, dass der von der Deutschen Bischofskonferenz beauftragte Verlag St. Benno in Leipzig mit dem Druck so schnell nicht nachkommt), kann man unterschiedliches über das neue Gl lesen. Eine gute Informationsquelle, auch was die Akzeptanz betrifft, findet sich unter diesem Link :

    http://www.musikundtheologie.de/neues-gotteslob3.html

    Auch findet sich hier viel informativer Stoff zur Entwicklung des neuen GL im Vorfeld und dessen merkwürdig geheimgehaltene Konzeptionsphase.

    Etliche, gut begründete und fundierte (!) Kritik liest man dort auch zu recht, wie ich meine:

    http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/St-Michael-kritisiert-Gotteslob;art742,7827928

    Wie es in den Gemeinden angenommen wird wird ist natürlich hypothetisch. An vieles kann man sich gewöhnen, aber ein Gebet-und Gesangbuch , das a l l e n passt, wird es wohl nie geben. Und muss es das überhaupt ? Jede Gemeinde sollte weiterhin Liedgut und Texte für ihre gottesdienstlichen und anderen Feiern benutzen, die für sie wichtig waren, sind und werden.

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