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Donnerstag, 6. Februar 2014

Reaktionen auf die Veröffentlichung der Umfrageergebnisse durch die DBK

Auf katholisch.de stehen derzeit zwei spannende Reaktionen auf die von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Umfrageergebnisse in Vorbereitung auf die vatikanische Synode zu Ehe und Familie. Es lohnt, sie zu lesen.
 
Der eine ist ein Gastbeitrag von Professor Erich Garhammer, Professor für Pastoraltheologie an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Würzburg. Hier drei Zitate aus seinem Artikel:
Bei genauerer Betrachtung fallen einige Punkte auf: Bereits die gestellten Fragen stehen in ihrer Formulierung und in ihrem Fokus für die große Diskrepanz zwischen der römischen Sicht und derjenigen der Katholiken in Deutschland. Sex wird in Rom offenbar (immer noch) überschätzt, während sozialethische, politische und wirtschaftliche Fragen kaum in den Blick kommen. Die Begriffe "Ehe" und "Familie" werden verwendet, als seien sie eindeutig. Die Pluralität der Partnerschafts-, Ehe- und Familienformen ist kein Thema. Dabei birgt sie allein schon eine große Herausforderung für die Pastoral. (...)
Gut ist der Hinweis, es gebe 32.000 eingetragene Lebenspartnerschaften und knapp 18 Millionen Ehepaare. Das bringt die Bedeutung von bestimmten Fragen in eine angemessene Relation – sowohl in der Kirche als auch in der Politik. (...)
Wer sich für die pastoralen Herausforderungen und den Alltag im Blick auf Ehe und Familie interessiert, wird in der Tageszeitung eher fündig. Da geht es weniger um voreheliches Zusammenleben oder um Verhütungsmethoden. Es geht um Kinderbetreuung, die (Nicht-)Veränderung der Geschlechterrollen, Rentengerechtigkeit und finanzielle Belastungen. Und es geht um die Idealisierung von Familie (verbunden mit dem Leiden an ungewollter Kinderlosigkeit), um Kommunikation und Untreue. Diese Fragen sind auch für Katholiken bedeutsam. Sie kommen im Dokument wenigstens kurz zur Sprache.
Die zweite Reaktion ist ein Interview mit Professor Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe an der Universität Freiburg. Auch aus seiner Einschätzung des Dokuments drei Zitate:
Dennoch halte ich die Krise [der katholischen Kirche; Red.] nicht für so besorgniserregend, da die Grundwerte der Menschen noch mit denen der Kirche übereinstimmen: Eine auf Treue begründete, lebenslange Verbindung von Frau und Mann mit der prinzipiellen Offenheit für das Leben mit eigenen Kindern. Abgelehnt werden lediglich überholte Denkformen, naturrechtliche Begründungen und idealisierende Erwartungen. (...)
Frage: Was muss die deutsche Kirche als erstes tun, um sie [die Probleme] zu lösen? 
Sie muss deutlich machen, dass sie die Lebenserfahrung und die Gewissenskompetenz ihrer Gläubigen respektiert, hochschätzt und sie als Quelle ihrer eigenen ethischen Urteilsbildung betrachtet. Es genügt nicht, dass das Lehramt sich selbst zitiert oder die Quellen der Heiligen Schrift zu Rate zieht, sondern dass die Lebenserfahrung der Gläubigen ein genuiner Ort für ethische Erkenntnisse ist. Wenn die Kirche zu einer Sprache findet, in der die Leute sich aufgehoben und geborgen fühlen, wird sie auch wieder mehr Zustimmung erhalten. (...)
Es genügt nicht zu sagen, dass die kirchliche Lehre unantastbar und unwandelbar für alle Zeiten bleibt. Und es genügt auch nicht, in einigen Situationen pastoral Rücksicht zu nehmen, indem die Lehre nicht in ganzer Schärfe vertreten wird. Denn es sind gerade diese normativ-dogmatischen Aussagen, denen die Gläubigen ihre Zustimmung verweigern. Deshalb kommt die Kirche nicht umhin, das, was sie auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil in vielen anderen Bereichen geschafft hat, auch für die Sexualmoral und die gewandelten Familienverhältnisse zu tun: nämlich ein neues, theologisch begründetes Selbstverständnis zu erarbeiten und eine Verkündigungssprache zu finden, in der Lehre und Leben übereinstimmen.
Interessant ist, dass die Transparenz und der Realismus mit denen die Bischofskonferenz die Umfrageergebnisse veröffentlicht haben sowohl innerhalb als auch außerhalb der katholischen Kirche auf breite Anerkennung stoßen. Ich finde, Die haben sie auch redlich verdient!
 

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