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Mittwoch, 5. März 2014

40

Heute beginnt mit dem Aschermittwoch die österliche Bußzeit, auch Fastenzeit genannt. 40 Tage dauert sie, weil in den sieben Wochen die Sonntage nicht mitgezählt werden, sie nicht zur Fastenzeit dazu gehören. An mehreren Stellen wird in diesen Tagen die Symbolik der Zahl 40 erklärt. Hier zum Beispiel bei Domradio und bei kipa-apic (beiden liegt eine KNA-Meldung zugrunde, Texte gleichen sich streckenweise aufs Wort).

In beiden Texten wird vor allem auf biblische Zusammenhänge hingewiesen, in denen die Zahl 40 vorkommt:
So ergoss sich der Regen der Sintflut 40 Tage und 40 Nächte auf die Erde. Auch wartete Noah, nachdem die ersten Berge wieder sichtbar wurden, 40 Tage. Erst dann öffnete er das Fenster der Arche, um den Raben heraus zu lassen. Das Volk Israel wanderte nach dem Auszug aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste und durchlief damit eine Zeit der Läuterung. Moses war Gott auf dem Berg Sinai 40 Tage nahe. Die Stadt Ninive hatte 40 Tage, um ihre Sünden zu bereuen. Und auch Jesus ging 40 Tage in die Wüste, um sich durch Gebet und Fasten auf seine Sendung vorzubereiten. Zwischen seiner Auferstehung und Himmelfahrt lagen laut Lukas-Evangelium 40 Tage.
Dies sind nur die bekanntesten Erzählungen. Immer verweist die Zahl 40 auf einen Zeitraum, im dem sich etwas ganz Wesentliches ändern kann, in dem ein grundsätzlicher Neuanfang und Wandel möglich ist.

In den erwähnten Pressetexten wird außerdem auf verschiedene, sehr alte Rechnungen hingewiesen, mit denen die 40 als Ergebnis erzielt wird und die diese Zahl ebenfalls in ihrer hohen Bedeutung bestärken.

Zur Ergänzung: Außerhalb biblischer Kontexte (und auch in oben genannten Texten nicht erwähnt) haben bereits sumerische Astronomen entdeckt, dass die Plejaden, ein sehr heller, auffälliger Sternhaufen ("Siebengestirn"), regelmäßig für 40 Tage von der Sonne verdeckt werden und dieser Tatsache eine (astrologische) Bedeutung gegeben. Hierin wird ein Ursprung der großen Bedeutung der Zahl 40 vermutet.

Nur eine ganz wesentliche Bedeutung der Zahl 40, eine, mit der so gut wie jeder und jede von uns zu tun hatte und die ebenfalls mit einem radikalen Neubeginn zu tun hat, wird in kirchlichen Kontexten leider so gut wie nie erwähnt: 40 Wochen dauert es im Normalfall von der Empfängnis bis zur Geburt eines Menschen, 40 Wochen dauert eine normale Schwangerschaft, bis neues Leben zur Welt kommen kann.

Wenn ich von all den Berechnungen und heilsgeschichtlichen Erzählungen lese, die mit der Erwähnung der 40 eine besondere Bedeutung bekommen und mit denen umgekehrt auch die Zahl 40 bedeutungs"schwanger" aufgeladen wurde, dann frage ich mich, ob das nicht letztlich nachträgliche Deutungen sind. Ich weiß nicht, ab wann kluge Frauen, vielleicht Mütter, vielleicht Hebammen, von der Schwangerschaftsdauer von 40 Wochen gewusst haben. Aber jenseits von abstrakten Berechnungen finde ich es einen schönen Gedanken, dass möglicherweise vor Urzeiten Frauen die Zahl 40 und seine Urbedeutung, etwas völlig Neues möglich zu machen, neues Leben hervorzubringen, entdeckt haben. Nicht aus bedeutungsschweren Berechnungen oder aus der Beobachtung von fernen Gestirnen, sondern aus der persönlichen, konkreten und existentiellen, schmerzhaft-glücklichen Erfahrung heraus, selber neues Leben nach 40 Wochen gebären zu können.

Natürlicherweise passt das Thema Schwangerschaft und Geburt eher in die Advents- und Weihnachtszeit, aber warum nicht auch in das Hingehen auf das Osterfest? Die Natur bietet gerade in dieser Zeit viel Anschauungsmaterial: alles erwacht aus der Starre und Leblosigkeit des Winters, überall entwickelt sich Neues und Altes neu, grünt und sprießt es, werden Tierkinder geboren oder schlüpfen aus dem österlichen Symbol des Eies.

Fastenzeit als Zeit des Schwangergehens mit neuem Leben: Schwangere passen in diesen 40 Wochen besonders auf sich und auf das in ihnen wachsende Leben auf, damit es einen guten Start ins Leben hat. Sie verzichten auf Dinge, die diesem abträglich sind, wie z.B. Alkohol. Die bevorstehende Fastenzeit mit dem Gedanken einer 40-tägigen Schwangerschaft zu verbinden, aus der etwas Neues geboren werden will, finde ich hilfreicher, als sie ausschließlich mit Buße und Umkehr zu verbinden. Auch wenn wir zunächst auf Karfreitag, die Hinrichtung und das Sterben Jesu zugehen, das Ziel ist letztlich die Auferstehung, das ganz neue Leben. Schwangerschaft geht nicht ohne Achtsamkeit und Verzicht und Geburt nicht ohne Schmerzen. Die diesjährige Fastenzeit könnte eine Zeit sein, in denen ich 40 Tage lang mit Ostern und einem verheißenen neuen Leben schwanger gehe!
 
 
 
 

Kommentare:

  1. Wunderbare Gedanken, liebe Ameleo!!! Dank dir dafür!

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  2. Ja, mir gefallen sie auch sehr. Ich wäre auch nicht darauf gekommen, was ich merkwürdig finde, wo mir Kinder und Körper und all die Veränderungen durch die Kinder so wichtig sind (bewusst zu machen).

    Ich dachte sogar zuerst abwehrend, dass WOCHEN in der Urzeit doch nicht so leicht messbar waren, wie Tage (Sonne) oder Monat (Monat). Aber ist ja Quatsch. Man kann die 4 Mondphasen unterscheiden und das dann 10 mal.

    Ja. Wesentliche Veränderungen. Nach denen wir uns manchmal so sehnen. Von 40 Wochen auf 40 Tage herunterzufahren - hm. Vielleicht braucht es 40 Tage um sich auf den Grund zu gehen und dann 40 Wochen für das Handeln. So könnte ich es mir für mich selbst vorstellen.

    Dieser weibliche "Dreh" für die Fastenzeit gefällt mir sehr.

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