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Dienstag, 11. März 2014

"Sich selbst ausschließen"

Neulich behauptete mal wieder jemand, die katholische Kirch schließe niemanden aus. Diejenigen, die ausgeschlossen wären, nicht mehr dazu gehörten oder bestimmte Rechte verwirkt hätten (wie beispielsweise wiederverheiratete Geschiedene das Recht, die Sakramente zu empfangen), hätten dies selbst zu verantworten, weil sie sich selbst ausschlössen. Eine klassische Argumentation, die ich zunehmend für zynisch und perfide halte. Sie erinnert mich an ähnliche Argumentationsstrukturen aus anderen Bereichen, die zum Glück immer seltener werden:
  • Beispiel Vergewaltigung: "Sie hat sich ja nicht gewehrt, nicht geschrien. Deshalb ist sie mitverantwortlich für die Vergewaltigung." oder "Wenn die sich so anzieht, muss sie sich nicht wundern, wenn das Männer anmacht." Das Opfer wird so zur Mittäterin gemacht, die Verantwortung, die indiskutabel und ausschließlich bei dem Gewalttätigen liegt, wird relativiert. Mit o.g. Argumentation wird akzeptiert, das Vergewaltiger sich nicht im Griff haben brauchen und dass es o.k. ist, Frauen Gewalt an zu tun.
  • Beispiel schlagende Eltern: "Dein Verhalten/Handeln zwingt(!) mich dazu, dich zu bestrafen." oder "Wenn ich dich schlagen muss(!), tut mir das selber am meisten weh." Das Kind wird hier verantwortlich gemacht für das Verhalten, die Gewalttätigkeit und das Leiden eines Erwachsenen, der wissen müsste, dass Kinder Fehler machen und dass Gewalt niemals ein Erziehungsmittel sein darf. Ein in dieser Situation immer unterlegenes Kind wird damit zum Täter, das einen gewalttätigen Erwachsenen zum übergriffigen Handeln und Leiden bringt. Außerdem wird Gewalt gegenüber Kindern als adäquates Erziehungsmittel, sogar als Elternpflicht angesehen. Zynischer geht es kaum!
Die Argumentation beim Ausschluss von Kirchenmitgliedern von den Sakramenten hat eine erschreckend ähnliche Struktur: "Weil du dich so und so verhältst, bist du selbst verantwortlich dafür, dass du nicht mehr dazu gehörst." oder "Es liegt allein an dir, dass wir so handeln müssen." So zu argumentieren ist meiner Meinung nach übergriffig und eine Form von Gewalt.
 
Ein Ausschluss sollte immer die allerletzte Möglichkeit, eine Ausnahme in einem individuell geprüften Fall sein. Bei wiederverheirateten Geschiedenen ist sie dagegen derzeit offiziell die Regel. Zum Glück spielen bei diesem Machtspiel nicht mehr alle mit. Weder Priester, noch Kommunionhelfer_innen, noch die Gläubigen selbst. Und darin folgen sie dem, was sie von Jesus und Gott selbst anhand biblischer Texte gelernt haben: 
 
Gott selbst geht seinem Volk überall hin nach, auch auf Irr- und Umwegen. Er lässt mit sich verhandeln, baut sogar auf Mörder, Ehebrecher, Feiglinge und Lügner. Dem unfruchtbaren Feigenbaum wird noch eine Chance gegeben (und hoffentlich noch eine und noch eine). Das "Geh und handle nicht noch mal so!" ist ein Neuanfang - in aller fortbestehenden Unvollkommenheit, die einfach zum Menschsein dazu gehört. 
 
Es ist dringend an der Zeit, Abschied zu nehmen von der Rede des "sich selbst Ausschließens" und davon, denen, die einen Fehler gemacht haben, was sie bestenfalls ohnehin wissen, die Verantwortung dafür zu geben, dass ihnen eine Bratpfanne übergezogen wird.
 
(Bevor jetzt die "Beliebigkeits-Blah" - Kommentare kommen: Nein, ich habe hier nicht geschrieben, dass es völlig egal ist, wie wir handeln!)
 

Kommentare:

  1. Vom Grundsatz stimme ich dir zu, dass die Argumentation "Selbstausschluss" für die Problematik trifft.
    Wenn ich aber auf Umkehr setze und die Sünde der Ehebruch ist, wie soll dann die Umkehr aussehen, wenn ich mit meinem neuen Partner weiter zusammen leben möchte? - was ich gut verstehen kann.

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    1. Da kommt es darauf an, wie Sie Ehebruch definieren. Wenn Sie streng kirchenrechtlich argumentieren, dann ist jede neue Ehe nach einer gültig geschlossenen kirchlichen Eheschliessung fortgesetzter Ehebruch. So etwa nach dem Grundsatz: "Wir haben ein Gesetz und nach diesem Gesetz muss er sterben!". Wenn Sie aber die Betroffenen, ehemalige und neue Partner, in den Blick nehmen, dann müssten Sie eigentlich zu einem differenzierteren Urteil kommen. Dann gilt, in Abwandlung eines Jesus-Wortes:"Das Gesetz ist für den Menschen da und nicht der Mensch für das Gesetz!" Was ist in einer gegebenen Situation dem "Heil" aller Betroffenen förderlich? Das ist allerdings anspruchsvoller und verlangt von allen Beteiligten ein hohes Mass an Verantwortung. Das bisher vom Kirchenrecht vorgesehene Annullierungsverfahren ist gerade keine Lösung. Es macht es den Betroffenen unmöglich, Verantwortung für eine gescheiterte Ehe zu übernehmen und auch das dankbar daran anzuerkennen, was gut war. Denn diese Ehe hat es ja juristisch nie gegeben! Diese Lösung macht Umkehr in der Tat unmöglich.

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    2. Ich finde ihr Beispiel mit dem Sabbat sehr schön. Jesus rückt hier die Perspektive wieder zurecht, dergestalt, dass der Sabbat für den Menschen eine Funktion hat. Nämlich den, dass Gott am Sabbat gelobt werde. Man müsste also untersuchen, ob eine Scheidung und eine neue Ehe ihrer Funktion, nämlich der Heiligung des Menschen zur Ehre Gottes, gerecht würde.

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  2. Antworten
    1. Dann verhilft dir meine Gutenachtgeschichte hoffentlich zu einem erholsamen Schlaf! ;-)

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  3. Sie wollen ernsthaft ein Vergewaltungsopfer oder ein wehrloses Kind mit einem Ehebrecher vergleichen??
    Ich hätte da andere Vorschläge - jemand verstößt dreist gegen die Verkehrsregeln und empört sich und wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen, das Bußgeld zu akzeptieren.
    Und tatsächlich sehen sich mitunter Richter gezwungen, einen Angeklagten wegen eines bestimmten Verhaltens hinter Gitter zu bringen. Und dann noch der Schiri mit der roten Karte und der "böse" Lehrer, der einem Schulkind eine 6 verpasst, weil es beim Nachbarn abgeschrieben hatte usw., usw....

    Aber wovon reden wir hier eigentlich? Werfen Sie der Kirche Willkür vor? Haben sich da etwa paar Kleriker etwas ausgedacht, um Menschen zu bestrafen? Wobei sich natürlich die Frage stellt, falls man es für ein menschengemachtes Gebot hält - warum setzt man/frau sich dann als "mündiger und aufgeklärter Katholik" nicht einfach darüber hinweg und zwar OHNE die Zustimmung der Kirche? Abgesehen von Prominenten oder kleine Gemeinden, wo "jeder jeden kennt" sollte es doch ohne Weiteres möglich sein? Aber es geht wohl offensichtlich um etwas Anderes, nicht wahr?

    Wobei das eigentliche Problem nicht mal die sog. wiederverheiratet Geschiedenen sind. Diese müssen letztlich das ausbaden, was unsere Hirten zum größten Teil in den letzten Jahren (oder besser gesagt: Jahrzehnten) versäumt haben: die katholische Lehre vollständig zu verkünden! Dann wäre es nämlich nicht nur dieser Personenkreis , der nicht zum Kommunionempfang antreten würde, sondern wahrscheinlich eher die Mehrheit. So gesehen, wundert es mich auch nicht, dass sich die Betroffenen ausgegrenzt fühlen, nur was da "angedacht" ist sicherlich keine Lösung, sondern es verschlimmert das Ganze nur noch. Wir wollen uns das vor Augen halten: die Hl. Kommunion ist ein Sakrament und kein Recht, welches allein aus der Mitgliedschaft begründet ist.

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    1. Sie haben meinen Post nicht richtig verstanden. Ich wende mich gegen eine verlogene Argumentation. Nicht die Ausgeschlossenen schließen sich selbst aus, sondern sie werden sanktioniert. Das gehört beim Namen genannt.

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