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Montag, 3. März 2014

Tebartz van Elsts vertane Chance

Ich spüre immer mehr, dass die größte Krise unserer Zeit spiritueller Art ist und wir Orte benötigen, wo Menschen noch stärker im Geiste wachsen können und in der Lage sind, die emotionalen Konflikte in ihre spirituelle Entwicklung zu integrieren.  
Henri Nouwen 
Strafrechtlich sei Bischof Tebartz van Elst in Bezug auf die immensen Kosten beim Bau seines "Diözesanen Zentrums" nichts vorzuwerfen heißt es inzwischen. Der kirchenrechtliche Teil wird noch geprüft. Derweil hält er sich weiterhin auf päpstliche Anordnung außerhalb seiner Diözese in der Benediktinerabtei Metten auf und kommt offenbar von Zeit zu Zeit inoffiziell in sein Bistum zurück.


Es ist gut, dass Tebartz van Elst aus der Schusslinie genommen wurde und eine Auszeit verordnet bekam. Dem Shitstorm, in den er geraten ist, möchte ich nicht ausgesetzt gewesen sein! Was nicht heißt, dass er nicht auch selbst aufgrund seines undurchsichtigen Umgangs mit Finanzen und der Wahrheit, seines Auftretens, seines rigiden, autoritären Führungsstils und seiner fragwürdigen Personalentscheidungen einen wesentlichen Anteil an der Kritik seiner Person hat. So schrieb der systematische Theologie Hermann Häring über ihn:
"Ganz offensichtlich ist dieser Kirchenmann überhaupt nicht fähig, sich selbst zu beobachten und in eine selbstkritische Beziehung einzutreten, seine Schwächen zu erkennen und etwas zuzugeben, vielleicht Reue zu zeigen, geschweige denn darüber zu reden und sein Verhalten konkret zu ändern."
So wie ich Tebartz van Elst vor seiner Zeit als Bischof in Vorträgen und Konferenzen erlebt habe, kann ich dem nur zustimmen. Umso wichtiger wäre gewesen, er hätte nicht nur sein Bistum verlassen, sondern diese Zeit auch effektiv nutzen müssen, um an seinen Schwächen zu arbeiten. Denn nur alleine rausgehen, abwarten, Tee trinken und beten reicht in so einem Fall nicht.

Als Papst [in diesem Fall Päpstin ;-) ] hätte ich ihm eine Auszeit an einem Ort wie dem Recollectio Haus in Münsterschwarzach verordnet, über dessen Homepage oben genanntes Zitat von Henri Nouwen steht. Dort hätte er möglicherweise aus dem gegenwärtigen Konflikt etwas für die Zukunft lernen können. Das Recollectio Haus beschreibt sein Konzept so:
Das Recollectio-Haus versteht sich als ein Angebot für Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die im spirituellen Ambiente der geistlichen Gemeinschaft der Benediktiner von Münsterschwarzach
Dabei werden sie von einem Team aus geistlichen Begleitern, Psychotherapeuten und Ärzten über eine Zeit von vier bis zwölf Wochen begleitet. Zum Programm der längeren Kurse gehören

Auf diese Weise hätte Tebartz van Elst nicht nur seine Verletzungen heilen lassen können, die ihm ohne Zweifel auch zugefügt worden sind, sondern auch auch die Chance gehabt, sich selbst weiter zu entwickeln. Er hätte lernen können, wie er auf andere wirkt und aller Wahrscheinlichkeit nach einen realistischeren Blick auf sich selbst bekommen.

Gerne unterstellte ich ihm, dass er das ja gerne gemacht, aber leider, leider keinen Platz mehr bekommen hat. Doch vermute ich vielmehr, dass ihm auch weiterhin jegliche Einsicht in seinen Anteil an dem tiefgreifenden Konflikt fehlt. Und wo die Krankheitseinsicht fehlt, kann auch nicht behandelt werden. Sollte er jemals wieder als Bischof - wo auch immer - arbeiten dürfen, es wird sich nichts ändern. Schade für ihn, dramatisch für die Menschen, mit denen er dann zu tun haben wird.

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Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. Weil das nicht meine Meinung ist! Man muss nicht psychisch krank sein, um sich Hilfe und Unterstützung zu holen. Es reicht, dazu lernen zu wollen.

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  2. Warte es ab. Kommt alles noch. Es wird alles getan, um ihn zu dieser Bereitschaft des Dazulernens zu bewegen. Aber alles braucht eben Zeit und viiiel Geduld... und die vergangenen Monate wäre es aus verschiedenen Gründen sowieso nicht möglich gewesen. Aber es kommt! Bete für weiterhin für Ihn, ok?

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  3. Danke für den erfreulich differenzierten Artikel.

    Ich stimme nur in dem Punkt Anonym zu, dass es in einer Situation wie jener der letzten Monate auch für den selbstkritischsten Menschen nicht möglich gewesen wäre, über sich selbst und womögliche eigene Fehler zu reflektieren. Wenn man so brutal und systematisch von Medien und Kollegen fertiggemacht wird, ist es schon ein Wunder, wenn man da nicht als totales Psychowrack wieder rauskommt (sofern man nicht schon vorher den Strick genommen hat).

    Vielleicht hat die, nun, eigenwillige emotionale Konstitution des Bischofs ihm sogar geholfen, in dieser Situation nicht völlig die Selbstbeherrschung und -achtung zu verlieren. Im Moment braucht Bischof Franz-Peter jedenfalls ganz sicher vor allem Liebe und Zuwendung und keine Vorwürfe. Was Prof. Häring schreibt, finde ich in seinem überheblichen, mitleidslosen Tonfall jedenfalls ziemlich erschreckend.

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  4. Ich wundere mich, dass man als Systematischer Theologe offenbar qualifiziert ist, Ferndiagnosen durchzuführen.

    Dessen ungeachtet finde ich folgenden Satz am spannendsten in deinem Artikel:
    "So wie ich Tebartz van Elst vor seiner Zeit als Bischof in Vorträgen und Konferenzen erlebt habe, kann ich dem nur zustimmen"
    Dieser persönliche Eindruck ist ja das spannende Neue, das dein Post bietet. Das interessiert mich am meisten. Viele Leute sagen, er habe sich erst nach seiner Bischofsweihe - sagen wir mal - einen gewissen Habitus angeeignet. Hast du das anders erlebt?

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    1. Ich glaube nicht, dass es nötig ist, systematischer Theologe zu sein, um solche Beobachtungen anzustellen. Selbstkritisch habe ich Tebartz von Elst nie erlebt. Er hatte seine Ansichten, die waren nicht diskutabel, da gab es kein rechts und kein links. Es war ein sehr alt hergebrachtes Kirchenverständnis, bei dem sich alles an der Parochie/Ortsgemeinde auszurichten hat, bzw. darauf hingeordnet zu verstehen ist. Krankenhaus, Knast-, Schul- etc. -seelsorge waren in seinem Verständnis keine eigenen kirchlichen Orte, die Menschen dort nicht Subjekte ihres Glaubens. Ich fand ihn sehr unangenehm von oben herab, von sich selbst sehr überzeugt. Nach seiner Bischofsweihe bin ich ihm nicht wieder begegnet.

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  5. Seine Auszeit war doch eher ein sehr umfangreicher Urlaub, immer zwischen der Benediktinerabtei, die ihn schon lange kennt, Rom und Limburg hin- und herpendelnd, den Chauffeur-Koch im Schlepptau. Das haben nicht die Medien erfunden, die HP des Bistums informiert auch. Ausserdem ist Tebartz den Limburgern nicht böse und das heißt doch, er ist geläutert. Was das Strafrechtliche angeht, da hat Kirche lange vorgesorgt, dass ein Würdenträger auch ohne Würde und in voller Entweihung gut wegkommt. Ich denke da an zahlreiche Laientheologen, die so schnell entfernt wurden aus dem Amt, dass man gar nicht mehr wußte, wer denn und wo denn und wie denn. Die Presse hat sich wohl gedacht, dass die causa Tebartz nicht so alt werden sollte wie die Causa Mißbrauch: dort wird auch nur gehandelt, wo Priester laiisiert ist, oder irgendetwas zugibt. Der schweigende Rest steht unter dem Schutz und Schirm der Kirche. Das Limburger Volk hat doch eher schon gezürnt. Als das nichts half, kam die Presse.Und die spielt gerne Katz und Maus.

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  6. Zum Thema Einsichtsfähigkeit:
    Schon am 20. Oktober 2013 hat T.v.E. dem Papst seinen Rücktritt angeboten, der aber erst heute angenommen wurde.

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    1. Wenn er denn schon damals freiwillig und/oder aus Eigeninitiative so gehandelt hat/hätte, wäre das großartig. So bewahrt es ihn vor allem vor Gesichtsverlust. Also eine gute Lösung.

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